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Die Reportage

SPAM im Amazon-Offline-Store

Amazon will weitere Buchläden eröffnen. Deren Anzahl sei aber "bescheiden", gehe also erst mal nicht über 40.000 hinaus.

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DPA

Zum gemütlichen Stöbern: Amazon Offline-Stores

SPAM besuchte den ersten deutschen Amazon-Pilot-Store in Brieselang und kaufte in einer übermenschlichen Kraftanstrengung - trotz wahnsinniger Verführungen - überhaupt nichts. Hier der Bericht:

9.32 Uhr, Sauwetter: Ich klicke im Internet auf den Button "Offline-Store besuchen". Nichts passiert!

Doch jetzt, 9.36 Uhr, immer noch Sauwetter und Surren auf dem Balkon: Die Abhol-Drohne ist da.

"Unser Amazon-Store vereint alle nur denkbaren Vorzüge des Off- und Onlineshoppens", scheppert es aus einem kleinen Lautsprecher und: "Steigen Sie ohne weitere Vorbereitungen in den gelben Plastikkorb." Da die Drohne ja auch bewaffnet sein kann, wage ich nicht zu widersprechen.

In Puschen und Pyjama werde ich um 9.46 Uhr im Store eingeliefert. Mithilfe einer orangefarbenen Sicherheitsweste und eines Headsets soll ich mich in der gigantisch großen Offline-Welt (mehr als zehntausend Fußballfelder groß) zurechtfinden. Auf der Suche nach Halt greife ich wahllos nach einem Buch im Regal. Wie in jedem guten Buchladen ist es fest verschweißt, sodass ich ausgiebig die Folie befühlen kann.

"Hallo SPAM", säuselt es aus dem Headset, "ein anderer Kunde hat 'Beerdigung von Herrn Krodinger im Biergarten: Ein Schild sagt mehr als 1000 Worte' bereits gekauft. Er heißt Patrick G. und befindet sich momentan im Planquadrat B728. Er kann dir mehr zu diesem Produkt verraten, möchtest du mit ihm sprechen?" - "Äh, ja vielleicht", antworte ich zögerlich, weil ich eine Verkaufsfalle wittere.

"Sehr gut, SPAM! Ich führe dich nun zu ihm hin. Nimm doch bitte - weil du ja eh auf dem Weg bist - die drei Pakete hier links vor dir mit. In den noch leeren Karton hier rechts muss noch das Produkt mit der Nr. 70343824 reingelegt werden, das findest du …"

Zwanzig Minuten später schlurfe ich mit vier Kartons beladen in Richtung Patrick G. Zumindest will ich das. Ich habe kaum eine Strecke in der Länge dreier Betten zurückgelegt, schon werde ich von Sascha R. gestellt. Der will von mir wissen, ob der Intimrasierer, den eine entfernte Bekannte von mir vor elf Jahren bei Amazon gekauft hat, immer noch funktioniert. Hier gibt es offenbar viel mehr als nur Bücher. Nach einem kurzen, aber anregenden Plausch tauschen wir, auf Anweisungen unserer Headsets, einige Pakete aus und ziehen dann weiter - durch endlose Flure voller Leute, die wie wir Kartons schleppen. Manche liegen auch ohnmächtig unter ihnen.

"Hier", sagt das Headset schließlich, "hier kannst du deine Pakete auf das Band legen. Vielen Dank, dass du uns geholfen hast. Leider ist Patrick G. schon nach Hause gegangen. Willst du stattdessen mit Ilona R. im Planquadrat Z92745 sprechen? Sie kann dir ebenfalls Auskunft über ihre Erfahrungen mit 'Beerdigung von Herrn Krodinger ...' geben. Oder willst du jetzt nach Hause?"

Ja, trotz meiner investigativen Leidenschaft will ich nach Hause. Auf Bitte des Amazon-Computers nehme ich noch drei online bestellte Pakete für meinen Nachbarn mit. Wieder mal ist der auf die fiesen Verkaufstricks von Amazon hereingefallen. Der Dummbatz!

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