Kommentar
Sind Sie der irre Kollege?
76 Prozent aller unzufriedenen Erwerbstätigen wollen weniger arbeiten, 77 Prozent dagegen mehr. Dies kam bei zwei hoch angesehenen Studien raus.
Anstatt sich nun den etwas unbequemen Zahlen zu stellen, passiert, was immer in solchen Fällen passiert: Was nicht sein darf, nämlich dass die unzufriedenen Erwerbstätigen in Deutschland aus erschreckenden 153 Prozent bestehen, wird einfach für inexistent erklärt. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung unterstellte den Studien eilig unklare Fragestellungen. Absurder geht es ja wohl nicht mehr! Das hieße ja, dass unsere Regierung seit Jahrzehnten mit unhaltbaren Zahlen hantiert. Da kann man nur den Kopf darüber schütteln.
Was jetzt angesagt ist, dass wir uns endlich mal zusammenreißen und auch solche Studienergebnisse akzeptieren, die uns nicht in den Kram passen. Natürlich ist es nicht schön, dass der Studie zufolge offenbar 53 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland total durchgeknallt sind bzw. unter einer multiplen Persönlichkeitsstörung leiden. Ja, das ist schockierend! Mehr als die Hälfte der arbeitenden Bevölkerung kämpft also ständig mit widersprüchlichen psychischen Identitäten: Da will Horst 1 weniger arbeiten, Horst 2 will mehr arbeiten, Horst 3 will Bier trinken, Horst 4 will Bier absondern und so weiter. Das macht schon nachdenklich. Aber - wenn man mal ehrlich ist - entspricht das nicht genau dem, was wir tagtäglich auf Arbeit erleben? Ist von unseren Kollegen etwa nicht mindestens jeder Zweite komplett irre? Womöglich ist man es sogar selbst.
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