Pilotprojekt Flüchtige Straftäter müssen ihre Herkunft offenlegen

Die Sächsische Zeitung will ab sofort die Nationalität aller in ihrer Zeitung erwähnten Straftäter angeben.


Vorbildliche Straftäterkleidung (Symbolbild)
DPA

Vorbildliche Straftäterkleidung (Symbolbild)

Damit dies auch bei noch flüchtigen Straftätern möglich ist, müssen alle Straftäter ein Nationalfähnchen ihres Herkunftslandes gut sichtbar am Tatort hinterlassen. Straftäter, die dagegen verstoßen, indem sie ihre Nationalität verheimlichen, müssen mit einer doppelt so hohen Strafe rechnen. Geben Sie gar vorsätzlich eine falsche Nationalität an, kostet sie das pauschal drei zusätzliche Jahre Gefängnis. Haben Sie dagegen ihre korrekte Nationalität publik gemacht, wird dies als mildernder Umstand gewertet. Polizei, Medienvertreter und alle relevanten Verbrecherorganisationen gaben dies gemeinsam unter Abgabe ihrer Ehrenworte bekannt.

Einwohner in Sachsen sind angehalten, während der einmonatigen Testphase bei leichteren Straftaten ein paar Augen zuzudrücken, vielleicht auch mal die Alarmanlage auszuschalten, damit genügend belastbares Zahlenmaterial zusammenkommt.

Denn nur dann kann eine Studie der TU Dresden vertieft werden, der zufolge Zeitungsleser alle Straftäter automatisch für Migranten halten, solange nichts Gegenteiliges dabeisteht. Die daran anschließende Frage lautet: Vermuten Leser der Sächsischen Zeitung hinter allen deutschen Straftätern dann automatisch Deutsche mit Migrationshintergrund? In dem Fall müssten Straftäter auch noch für ihre Eltern die entsprechenden Nationalfähnchen am Tatort zurücklassen. Falls die Leser dann wiederum automatisch annehmen, dass deutsche Straftäter mit deutschen Eltern wahrscheinlich zugewanderte Großeltern haben, müssen Straftäter eben auch über diese Auskunft geben. Und immer so weiter.

Die unvermeidlichen Kritiker am Projekt wenden ein, dass so die rassistischen Vorurteile der Leser auch noch bestätigt werden, weil doch letztendlich jeder, also auch jeder Straftäter irgendwo einen Migranten im Stammbaum habe. Aber wie die Presse es sonst machen soll, wissen sie auch nicht, diese ewigen Nörgler.



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.