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Ausgabe 50/1998
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LÄRM "Ruhe ist ein Menschenrecht"

SPIEGEL:

Herr Heister, was bedeutet Klangökologie? Werden etwa auch Töne vergeudet?

Heister: Schlimmer noch. Sie müssen nur mal U-Bahn fahren: Türen krachen, Räder quietschen, und es zischt aus den Walkmen. Auch die neuen piepsenden Spielzeuge sind klare Umweltsünden.

SPIEGEL: Sie kämpfen also nicht bloß gegen musikalische Berieselung?

Heister: Nein. Am übelsten in der akustischen Umwelt lärmen sicher Verkehr und Maschinen. Aber Musikalisches wirkt doch noch besonders störend.

SPIEGEL: Weshalb?

Heister: Es spricht Gefühle an, transportiert Bedeutung. Beim Autolärm denkt sich niemand viel. Aber Kaufhausmusik ändert Ihre Empfindungen. Ein Techno-Beat aus dem Hintergrund kann sogar die Herzfrequenz heraufsetzen und greift fatal in den Biorhythmus ein. Da wird Ruhe zum Menschenrecht.

SPIEGEL: Was hat Sie zum Lärmbekämpfer gemacht?

Heister: Ich leide natürlich selbst unter dem vielen Krach. Aber ich arbeite auch gerade am Entwurf einer neuen Musik-Anthropologie, also an der Frage, was den Menschen überhaupt musikalisch werden läßt. Natur und Kultur treffen da zusammen. Wir sollten mit unseren Gaben doch pfleglich umgehen ­ weshalb nicht auch mit der Fähigkeit, Geräusche zu machen?

SPIEGEL: Haben Sie Vorschläge parat?

Heister: Vor der Therapie kommt, wie in der Medizin, die Bestandsaufnahme: Woher kommt die Sucht nach Lärm? Und warum sind es eigentlich immer die anderen, die zu laut sind? All das müssen wir erst einmal wissen.

SPIEGEL: Aber dann? Wie wollen Sie den Schall-Müll eindämmen?

Heister: Es gibt viele Möglichkeiten: rechtliche Mittel, Beratung von Architekten, Stadtplanern oder Auto-Designern ...

SPIEGEL: Sie könnten auch eine Partei der Stille gründen.

Heister: Ich bin ja Wissenschaftler. Ein lauter Politiker möchte ich auf keinen Fall werden.



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