Sat.1 bangt um sein geplantes Herbstprogramm-Highlight "Der
Tanz mit dem Teufel". In der aufwendigen TV-Produktion
(Etat: rund elf Millionen Mark) geht es um die Entführung
des Industriellensohns Richard Oetker im Jahr 1976.
Oetker-Kidnapper Dieter Zlof, der für die Tat bis 1994 im
Gefängnis saß, will die Ausstrahlung des Zweiteilers
(geplanter Sendetermin: November) verhindern. Im Film heißt
Zlof "Dieter Cilov" und wird von Christoph Waltz ("Das
Teufelsweib") gespielt, den Ermittler mimt Tobias Moretti
("Kommissar Rex"). Mitte Juni ließ Zlof, dessen Opfer
bleibende Behinderungen davontrug, den Sender über die
Münchner Anwaltskanzlei Bossi auffordern, den Film weder zu
bewerben noch auszustrahlen beides verletze seine
Persönlichkeitsrechte. Weil Sat.1 dies nicht nur
schriftlich ablehnte, sondern den Film bei den Cologne
Screenings in der vergangenen Woche uraufführte und damit
prompt den Preis für "die beste TV-Produktion des Jahres"
in der Kategorie Fiction gewann, wollen die Zlof-Anwälte
die Unterlassung nun per einstweiliger Verfügung
gerichtlich durchsetzen. Bei Sat.1 fürchtet man einen
zweiten Fall Lebach: Ein Sat.1-Doku-Drama über den
Soldatenmord von 1969 schlummert seit Jahren in den
Archiven, weil der Haupttäter lange erfolgreich auf eine
Nicht-Ausstrahlung pochte. Gegen die nun drohende
einstweilige Verfügung Zlofs hat der Sender deshalb bei 120
deutschen Gerichten eine 26-seitige "Schutzschrift"
hinterlegt. Danach sei Zlof eine "absolute Person der
Zeitgeschichte" und habe bei diversen Medienauftritten
selbst die Öffentlichkeit gesucht. Urs Rohner,
Vorstandschef der ProSiebenSat.1 Media AG und selbst
Jurist, hofft nun, "dass die Richter unsere
Rechtsauffassung
teilen".
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© DER SPIEGEL 27/2001
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