Sie haben zusammen mit Forschern der Universität München in den Gehirnen von Lachsen und Kugelfischen Prion-Proteine gefunden Eiweiße, die bei Rindern mit der Entstehung von BSE in Zusammenhang gebracht werden. Sind Sie überrascht?
Baier: Es war schwierig, die Prion-Proteine bei Fischen nachzuweisen. Überraschend war dann, wie ähnlich sie den Prion-Proteinen von Rindern sind und dass beispielsweise der Kugelfisch gleich zwei verschiedene Prion-Proteine aufweist.
SPIEGEL: Droht damit nach dem Rinderwahn jetzt der Fischwahn?
Baier: Das ist sehr unwahrscheinlich. Gefährlich werden Prion-Proteine erst, wenn sie wie bei an BSE erkrankten Rindern als so genannte Prionen in einer veränderten, fehlgefalteten Form vorliegen. Solche infektiösen Prionen haben wir bei Fischen bisher nicht entdeckt.
SPIEGEL: Halten Sie es dennoch für möglich, dass sich Zuchtlachse über die Nahrung anstecken und dann für den Menschen gefährlich werden?
Baier: Ganz ausschließen können wir das nicht. Allerdings ist die Gefahr, dass Lachse zum Beispiel mit infektiösem Rindermehl in Berührung kommen, derzeit extrem gering. Außer Fischmehl darf in der EU kein Tiermehl an Fische verfüttert werden. Solange das so ist, müssen sich die Verbraucher keine Sorgen machen. Ich rate aber davon ab, das Tiermehlverbot für Fische aufzuheben, bevor wir nicht sicher BSE-freie Rinderbestände haben.
SPIEGEL: Was muss getan werden, um das Gefährdungspotenzial wirklich einschätzen zu können?
Baier: Erst mal müssen wir jetzt klären, ob bei Fischen die Fehlfaltung des Prion-Proteins vorkommt und ob sie die Krankheit entwickeln können. Außerdem hoffen wir, die Funktion der Prion-Proteine im Körper aufzuklären. Da sie sogar bei Fischen vorkommen, haben sie offenbar für alle Wirbeltiere eine wichtige Bedeutung. Welche das ist, wissen wir aber bis heute nicht.
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© DER SPIEGEL 9/2003
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