Die 19-jährige Jessica Lynch war am 23. März in irakische Kriegsgefangenschaft geraten, Spezialeinheiten befreiten sie neun Tage später schwer verletzt aus einem Krankenhaus. Merkwürdig war, dass jemand schon die passenden Internet-Seiten reserviert hatte: jessicalynch.net und jessicalynch.org, beide registriert am 17. März, sechs Tage vor der Gefangennahme.
Eigentümer der Domain-Namen ist eine PR-Agentur. Für Verschwörungstheoretiker stand damit fest: Die Geheimdienste müssen die Aktion geplant haben, um eine gute Nachricht servieren zu können, falls nötig.
Alles passte zusammen: Für eine wahre Geschichte, so hieß es, sei
die Heldin ohnehin eine Spur zu blond und zu schön, und dass ihre Befreier eine US-Flagge zur Hand hatten, machte sie erst recht unglaubwürdig.
Doch die Verschwörungsthese zerbricht an der schnöden Realität: Es gibt eine weitere Jessica Lynch. Die ist gerade zur Schönheitskönigin Miss New York City gekürt worden und die PR-Agentur vertreibt das Video ihrer Krönung.
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© DER SPIEGEL 16/2003
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