Das Pentagon steht wegen seines Medien-Banns über den Militärstützpunkt Dover im Bundesstaat Delaware scharf in der Kritik. Dort landen regelmäßig Flugzeuge mit den sterblichen Überresten der im Irak gefallenen US-Soldaten. Das Verbot für die Presse, über die Ankunft der in die US-Flagge gehüllten Särge zu berichten, hatten Pentagon und Weißes Haus kurz vor Kriegsausbruch verhängt. Offiziell dient es "dem Schutz und der Privatsphäre der Familien", die einen Toten betrauern. Tatsächlich aber geht es darum, schlechte Nachrichten aus Bagdad oder Falludscha abzumildern, da die Zustimmung zum Krieg in den USA rapide schrumpft. Schon zu Zeiten des Vietnam-Kriegs zählte der "Dover-Test", die Bilder von immer neuen GI-Särgen aus Übersee, zu den stärksten Triebfedern des wachsenden öffentlichen Widerstands.
"Jedes Foto aus Dover wäre eine neue Anklage gegen die
Regierung für einen Krieg, den Amerika niemals hätte führen
sollen", meint der demokratische Senator Edward Kennedy.
Theoretisch gilt der Medien-Bann seit 1990: Der damalige
Präsident George Bush verhängte ihn, weil er sich nach der
US-Invasion in Panama über Fernsehbilder geärgert hatte,
die ihn scherzend mit Journalisten in Dover zeigten,
während Soldaten in Parade-Uniform feierlich Särge
vorbeitrugen. In der Praxis aber hoben Weißes Haus und
Pentagon das Verbot immer wieder auf: Als etwa CIA-Agent
Micheal Spann im November 2001 in Afghanistan getötet
wurde, durfte das Fernsehen Bilder von der
Überführungszeremonie drehen. Präsident George W. Bush hat
bislang noch kein Begräbnis für gefallene Soldaten besucht.
Er habe sich jedoch mit Hinterbliebenen getroffen, hieß es
aus dem Weißen Haus. Im Irak sind seit dem Angriff der USA
fast 400 GIs ums Leben gekommen, darunter 6 beim Absturz
eines Black-Hawk-Hubschraubers am vergangenen
Freitag.
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© DER SPIEGEL 46/2003
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