Durch den Heimatforscher Detlef Willand auf die Spurgebracht, stießen der Geologe Alexander Binsteiner und der Archäologe Walter Leitner an der Nordflanke des Widdersteins auf Feuersteinablagerungen, die eindeutige Abbauspuren aufweisen. "Wir haben im äußerst steilen Gelände auf rund 1550 Meter Höhe etwa zehn kleine Hangterrassen entdeckt, von denen aus wahrscheinlich jeweils ein oder zwei Arbeiter das wertvolle Material aus dem Fels gebrochen haben", berichtet Binsteiner.
Mit Hirschgeweihhacken oder faustgroßen aus Flussgeröllen gefertigten Hämmern hätten die frühen Bergleute das Gestein abgebaut, vermutet der Forscher. Wahrscheinlich hätten Nomaden, die im Sommer zur Jagd in die Region kamen, das Bergwerk angelegt. Von hier stammten offenbar Klingen, Schaber, Kratzer und Pfeilspitzen aus Feuerstein, die an mehreren steinzeitlichen Fundorten im Kleinwalsertal ausgegraben wurden.
Nun plant der Geologe, das Material mit Funden vom Bodensee zu vergleichen, um festzustellen, ob möglicherweise eine Art Handel mit dem Gestein stattfand: "Lagerstätten wie diese waren damals sicher eine Kostbarkeit", sagt Binsteiner. "Wahrscheinlich sind die Menschen von weither angereist, um das Material zu bergen."
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© DER SPIEGEL 35/2004
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