Von Cathrin Gilbert
Mit fünf meldete ihn sein Vater beim FC Ribeirão Preto an, zwei Jahre später führte Diego sein Team als Kapitän zur regionalen Jugendmeisterschaft. Mit acht wurden Talentspäher auf ihn aufmerksam, mit elf kam er aufs Fußballinternat des FC Santos. "Dabei war er doch noch ein Kind", sagt Cecília. "Er wurde von einem auf den anderen Tag erwachsen. Viel zu früh." Sie habe sich fast geschämt, nicht so stark sein zu können wie er. "Mama", habe er immer gesagt, "ich schaffe das schon. Du musst dir keine Sorgen machen."
Mit 16 debütierte Diego bei den Profis des FC Santos. Dort lernte er Robinho kennen, die beiden sind seither Freunde. Gemeinsam gewannen sie 2002 die brasilianische Meisterschaft. Beim FC Santos hat auch Pelé seine Karriere begonnen, er bot seine Hilfe an, weil er Diego für das größte Talent Brasiliens hielt. Er könne Kontakte zu den richtigen Beratern schaffen, zum Beispiel zu Juan Figer, dem mächtigsten Spieleragenten der Welt.
Figer beschäftigt rund hundert Scouts und unterhält Büros in São Paulo, Madrid und Tokio. Die Verträge für den aktuellen Weltfußballer Kaká vom AC Mailand, Bayern Münchens Zé Roberto und Diegos Freund Robinho werden von ihm verhandelt. Sogar Ronaldinho, der wie Diego von Familienmitgliedern gemanagt wird, folgt Figers Rat.
Djair wollte keinen Rat. Niemals würde er seinen Sohn diesen Leuten überlassen. Das Geld, das sich mit Diego verdienen lässt, soll in der Familie bleiben.
Für acht Millionen Euro wechselte Diego 2004 von Santos zum FC Porto, dem besten Club Portugals. Doch in der zweiten Saison saß er fast nur noch auf der Bank, es fehle ihm an Torgefährlichkeit, hieß es. Auf der offiziellen Internet-Seite seines Sohnes bezeichnete Djair das Verhalten des Trainers als Unverschämtheit, der Coach wisse nicht, was er tue. Diego wurde nicht mehr aufgestellt. Wenige Monate später ging er nach Bremen, sein erstes Bundesliga-Tor schoss er nach 19 Spielminuten.
Sein Sohn gilt in Deutschland nun als Star, jetzt soll der nächste Schritt kommen, und Vater Djair macht längst kein Geheimnis mehr aus seinem Plan: Juventus Turin? Bayern München? Real Madrid? Alles sei möglich, auch wenn Bremen öffentlich erklärt, der Brasilianer bleibe in Bremen, sein Vertrag läuft bis 2011.
Auch Pelé beschreibt Djair als "keinen einfachen Menschen". Er wolle bestimmt nur das Beste für seinen Sohn, wie jeder Vater, aber er sei ehrgeizig und manchmal unberechenbar.
Im vergangenen Jahr saß Djair 56 Tage lang in Untersuchungshaft, weil er den Liebhaber seiner Frau vorsätzlich angefahren haben soll. Er hatte zufällig von der Affäre erfahren und drehte durch. Der Mann saß auf einem Motorrad, zweimal versuchte es Djair, sogar im Rückwärtsgang. 56 Tage U-Haft sind für einen Mann seiner Bekanntheit viel in Brasilien, die Richter fürchteten, Djair würde sich ins Ausland absetzen oder, schlimmer noch, es ein weiteres Mal versuchen. Das Verfahren ruht derzeit, eine Anklage auf Mordversuch wird es nicht geben, wohl aber auf Körperverletzung. Wahrscheinlich wird Djair nicht ins Gefängnis müssen, sondern mit ein paar Stunden gemeinnütziger Arbeit davonkommen.
"Der Horror ist vorbei", sagt Cecília nun, fast ein Jahr nach dem Angriff. Ihr Mann sitzt neben ihr auf dem Balkon, hinter ihnen, getrennt durch den Maschendraht, das Panorama von Ribeirão Preto, die Hochhäuser und die Hütten. Er starrt auf den Boden und möchte dazu nichts mehr sagen. "Es war eine schwierige Zeit", sagt Cecília. Gott sei Dank hätten sie wieder zueinandergefunden. "Das sind wir Diego doch schuldig." Sie behandeln das wie eine große Peinlichkeit, die man am besten vergessen soll.
Und Diego?
"Ich habe keine Sekunde an meinem Vater gezweifelt", sagt er und schweigt.
Ein paar Wochen lang spielte Diego nur noch durchschnittlich. Ein Leben ohne seinen Vater? Der ganze Plan schien zu platzen. "Der Vater ruiniert die Karriere seines Sohnes", berichteten deutsche Medien.
Im Juli, fünf Monate später, bei der Copa América, wurde Diegos Freund Robinho Torschützenkönig und bester Spieler des Turniers. Diego durfte kein einziges Mal durchspielen, im Finale gegen Argentinien wurde er in der 90. Minute eingewechselt. Und weil er mit den Schuhen der falschen Marke auflief, zog sein Ausrüster vor Gericht. Künftig muss er eine Konventionalstrafe von 50.000 Euro zahlen, wenn er in anderen Schuhen aufläuft. "Das kann ja mal passieren", sagt Djair.
17-mal wurde Diego bisher in der brasilianischen Nationalmannschaft eingesetzt, Robinho kommt auf 40 Einsätze. Robinho, das Slumkind, spielt bei Real Madrid, immer noch eine der besten Adressen des Weltfußballs; Diego, der Sohn des Wirtschaftsingenieurs, bei Werder Bremen.
Der Schweizer Spielerberater Dino Lamberti ist der einzige, mit dem Djair jemals zusammengearbeitet hat. Das war noch zu Diegos Internatszeiten. Lamberti empfahl damals, noch ein Jahr mit dem Sprung nach Europa zu warten. Diegos Vater dachte, Lamberti gönne ihm den Wechsel nicht, und beendete die Zusammenarbeit. "Ich glaube", sagt Lamberti, "er war eifersüchtig auf mein gutes Verhältnis zu Diego."
Lamberti hätte viel Geld verdienen können mit Diego, er weiß auch, wie viele Berater sich damals um ihn rissen und wie schwer es ist, ohne das nötige Fachwissen jemanden in Europa aus dem fernen Brasilien zu managen. Trotzdem kann er verstehen, dass Djair seinen Sohn nicht einfach irgendjemandem anvertraut habe. "Djair macht das nicht schlecht", sagt Lamberti. "Ich habe Respekt vor seiner Standfestigkeit."
Der Vater wollte seinen Sohn nie wie einen Favela-Fußballer an einen Großhändler verkaufen. Gut möglich, dass Djairs Plan aufgeht und Diego in ein paar Jahren Robinho, seinen Freund aus dem Internat des FC Santos, überholt hat.
Bei Werder Bremen gibt es wohl kaum noch Hoffnung, den Brasilianer zu halten. Djair Silvério da Cunha sagt, er habe mit Klaus Allofs, Bremens Manager, besprochen, dass Werder für Diego nur eine Zwischenstation ist.
"Es dauert nicht mehr lange, dann spielt Diego auch bei Real Madrid."
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Naja, mag sein, dass es bei Bayern sowas wie eine deutsche Quote gibt. Aber ich bleibe dabei, dass Podolski kein Schlechter ist und in jeder andereren Bundesligamannschaft einen Stammplatz hätte. Und das mit den deutschen [...] mehr...
Also hallo, will mir im Ernst jemand unterstellen ich wüsste nicht, dass Poldi aus Kölle ist. Aber auch die deutschen haben Quoten beim FCB. Wenn Poldi aus, sagen wir, Ecuador käme, dann hätte Bayern ihn schon lange [...] mehr...
Doppelter Einspruch: 1. Poldi ist absolut kein Münchner. 2. Poldi hat schon was drauf. Sonst hätten Klinsi und Jogi ihn schon lange aussortiert. Dass er Bayern den absoluten Druchbruch nicht geschafft hat, steht auf einem [...] mehr...
Hieß es nicht ungefähr: "Der wird hier NICHT mal Greenkeeper im neuen Stadion". schönes Wortspiel mehr...
Nee, den Greenkeeper-Posten haben wir schon dem Lothar versprochen. Das blöde an Lell ist, dass er Münchner ist. Der kommt über die Quoten-Regelung rein. Genau wie Poldi und Schweini. Haben alle nichts drauf, aber das Glück des [...] mehr...
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