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Ausgabe 9/2008
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25.02.2008
 

SPIEGEL-Gespräch

"Alle haben doch profitiert"

Der ehemalige VW-Betriebsratschef Klaus Volkert, 65, über die einst organisierten Rotlicht-Abenteuer des Wolfsburger Konzerns und seinen Absturz ins gesellschaftliche Nichts.

SPIEGEL: Herr Volkert, vor drei Jahren galten Sie noch als mächtigster Betriebsratschef des Landes. Nun wurden Sie vom Braunschweiger Landgericht wegen Anstiftung und Beihilfe zur Untreue und Verstoßes gegen das Betriebsverfassungsgesetz zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt. Das Urteil ist der vorläufige Schlusspunkt der VW-Affäre um Lustreisen und Puffbesuche auf Firmenkosten. Warum legen Sie Revision ein?

Volkert: Das Urteil ist für mich nicht akzeptabel. Wenn Sie sehen, dass der einstige Personalvorstand Peter Hartz mit einer deutlich niedrigeren und auf Bewährung ausgesetzten Strafe davonkam, muss ich von einer Zwei-Klassen-Justiz ausgehen. Im Gegensatz zu Hartz hat mir die Staatsanwaltschaft nie einen Deal angeboten.

SPIEGEL: Sie haben wegen der Affäre alles verloren - Geld, Job, Ansehen. Wie haben Sie Ihren eigenen Absturz erlebt?

Volkert: Was soll ich sagen ... es war eine Katastrophe. Dass meine Familie mit reingerissen wurde, die ja von nichts wusste, trifft mich am meisten, weil ich ja durchaus mit Schuldgefühlen zu kämpfen habe.

SPIEGEL: Wo halten Sie sich für schuldig?

Volkert: Ich habe über Jahre meine Ehe aufs Spiel gesetzt und meine Frau betrogen. Das ist eigentlich das Schlimmste.

SPIEGEL: Dass Ihre brasilianische Geliebte Adriana Barros über Scheinaufträge von VW mitfinanziert und zu Treffen mit Ihnen auf Konzernkosten durch die Welt geflogen wurde, finden Sie akzeptabler?

Volkert: Wissen Sie, ich bin dafür durch die Hölle gegangen. Aber das Schlimmste ist wirklich, was ich meiner Familie angetan habe. Auch was die danach an Ächtung ertragen musste. Wenn ich mir diese Folgen je vor Augen geführt hätte, wäre es nie so weit gekommen.

SPIEGEL: Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gingen über die bezahlte Geliebte und von VW beglichene Puffbesuche im Betriebsratskreis weit hinaus. Sie haben vom Konzern allein 1,9 Millionen Euro an Sonderboni kassiert - und wirkten am Ende wie ein gekaufter Betriebsrat.

Volkert: Ich bin nie gekauft worden und hätte mich nie kaufen lassen. Mir hat auch nie jemand einen Scheck in die Hand gedrückt und dafür eine bestimmte Gegenleistung erwartet ...

SPIEGEL: ... aber vielleicht bekommen?

Volkert: Auch das nicht. Das wäre für mich unvorstellbar gewesen.

SPIEGEL: Ihre persönliche Vorzugsbehandlung begann, nachdem Ferdinand Piëch 1993 an die VW-Spitze rückte und Hartz Personalvorstand wurde. Sie verdienten schon knapp 200.000 Euro, verlangten aber bald mehr.

Volkert: Damals sorgte die Truppe um den neuen Vorstand José Ignacio López plötzlich für Unmut. Sie operierte an allen Hierarchieebenen vorbei und kassierte teils enorme Bezüge. Ich warnte Piëch, dass das Thema auch im Gesamtbetriebsrat für Ärger sorgen würde, und sagte, er sollte sich nur zum Vergleich mal meine eigenen Bezüge anschauen - damit er ein Gefühl für die Verhältnisse bekommt. Piëch gab mir recht. Ich solle künftig bezahlt werden wie ein Markenvorstand. Hartz sagte dann, er überlege sich dazu eine Lösung. Ich fand das nur fair angesichts meines weltweiten Aufgabengebiets als Chef des Gesamtbetriebsrats.

SPIEGEL: Hartz nannte Sie während seines eigenen Prozesses einen "Terrier", der immer gieriger nach mehr verlangte.

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