Von Hussam Ali, Ala Chalil Nassir, Mathieu von Rohr und Bernhard Zand
Es ist nicht leicht, eine Frau zu sein in diesem neuen Irak. Die Führer unseres Landes respektieren die Frauen nicht, sie geben uns nicht die Rolle, die wir verdienen. Früher war es anders, es gab viele Frauen in wichtigen Positionen. Heute haben die meisten Politiker und religiösen Führer sehr konservative Ansichten. Ich fühle mich eingeschränkt in dieser engstirnigen neuen Gesellschaft. Ich arbeite als Übersetzerin für "al-Mamun", das ist eine angesehene Zeitschrift, die das Kulturministerium herausgibt. Ich übersetze Artikel aus dem Englischen ins Arabische. Zu Saddams Zeit habe ich für das Informationsministerium gearbeitet. Aber als die Amerikaner das Land übernahmen, löste Paul Bremer das Ministerium auf, und wir wurden alle nach Hause geschickt. Das Haus, in dem ich jetzt arbeite, ist dasselbe, nur die Behörde ist eine andere. Ich bin eine der wenigen Sunnitinnen an meinem Arbeitsplatz. Es ist nicht leicht für mich, hier offen meine Meinung zu sagen. Unsere Vorgesetzten üben Druck auf uns aus, alle miteinander auszukommen. Ich vermisse Saddam nicht, aber ich wünsche mir eine Regierung, die Gleichberechtigung und Selbstbestimmung aller Menschen fördert. Immerhin verdiene ich deutlich besser als vor dem Krieg. Darüber bin ich froh, ich habe mich vor einem Jahr von meinem Mann scheiden lassen, und ich ziehe meinen 13-jährigen Sohn allein auf, er heißt Hassan. Meine Verwandten sind in Syrien, meine Freunde sind auch alle weg. Ich denke oft darüber nach, ob ich nicht auch gehen sollte. Die Besatzung ist ungerecht und brutal, die Amerikaner sollten das Land verlassen, sie sind der Hauptgrund für die Gewalt. Es ist zwar besser geworden, aber jeden Tag, wenn ich zur Arbeit gehe, spüre ich diese Angst in mir. Ich bin ein optimistischer Mensch, und ich glaube an die Zukunft. Ich hoffe, dass mein Volk eines Tages Freiheit und Demokratie schätzen lernen wird.
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© DER SPIEGEL 12/2008
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