AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 13/2008
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22.03.2008
 

TV-Shows

"Nur das Beste auf die Bühne"

ZDF-Entertainer Thomas Gottschalk, 57, über seine neue Nebenrolle als Casting-Juror und vermeintliche Jobmüdigkeit

SPIEGEL: Casting-Formate gibt es im hiesigen Fernsehen schon zur Genüge. Am 31. März starten Sie im ZDF "Musical-Showstar 2008". Wieso müssen nun auch noch Sie in dem Genre aktiv werden?

Gottschalk: Ich persönlich wäre nicht im Traum auf die Idee gekommen, so was zu moderieren, wenn mir Andrew Lloyd Webber nicht eine BBC-Serie vorgeführt hätte, in der er mit großem Quotenerfolg eine Hauptdarstellerin für das Musical "The Sound of Music" gesucht und gefunden hat.

SPIEGEL: Was unterscheidet "Musical-Showstar 2008" von der Suche nach Gesangstalenten etwa bei "Deutschland sucht den Superstar" ("DSDS") auf RTL?

Gottschalk: Man muss kein großes Theater veranstalten, um mit ziemlichem Kollateralschaden einen "Superstar" zu finden, den hinterher niemand braucht. Aber für die Jubiläumssaison von "Starlight Express" werden zwei neue Hauptdarsteller gesucht. Die wollen wir mit Hilfe des Publikums finden. Sind zwei unserer Kandidaten gut genug, kriegen sie die Rolle.

SPIEGEL: Wenn "DSDS"-Juror Dieter Bohlen sich gesangliche Laiendarsteller vornimmt, ist das für die einen menschenverachtend, für die anderen große Unterhaltung. Wie schwer ist es für Sie, bei ausgewiesenen Garnichtskönnern höflich zu bleiben?

Gottschalk: Ausgewiesene Nichtskönner haben wir freundlich nach Hause geschickt. Ein paar haben ihre Fähigkeiten falsch eingeschätzt, die werden die Vorrunde zwar nicht überleben, aber auch keinen Schaden an Leib und Seele nehmen. Ich selbst steige als Moderator erst dann ein, wenn nur noch Kandidaten im Rennen sind, die wirklich gut sind und eine echte Chance haben.

SPIEGEL: Gibt es eine öffentlich-rechtliche ZDF-Herangehensweise an den eigentlich ja brutalen Ausleseprozess Casting?

Gottschalk: Das war für mich die Grundbedingung. Ein Casting ist ja keine Folterveranstaltung, sondern ein üblicher Prozess bei der Besetzung von Film- und Musicalrollen. Das ist eine spannende Sache. Und warum soll nicht der Fernsehzuschauer und spätere Musicalbesucher unter Anleitung einer fachlich exzellenten und fairen Jury darüber entscheiden dürfen, wer die Rolle kriegt? Der Bessere ist der Feind des Guten, und am Ende steht der Beste auf der Bühne. Was mich und viele andere an Casting-Shows nervt, ist die Tatsache, dass dort Leute vorgeführt werden, die man eigentlich vor sich selbst in Schutz nehmen sollte. Solche Zurschaustellungen wird es beim ZDF und mir nicht geben.

SPIEGEL: Ursprung der neuen Show soll Ihre Erkenntnis gewesen sein, dass die Zuschauer bei "Wetten, dass ...?" meist dann wegschalten, wenn Musik kommt. Komischerweise gelte das für Musicals nicht. Woran liegt das?

Gottschalk: Lenny Kravitz hat mich bei der letzten Show fast zwei Millionen Zuschauer gekostet. Das ist einfach so. Ich mache mir zwar keine Hoffnung, dass dem ZDF bei diesem Musicalformat die "Klingelton-Generation" plötzlich die Bude einrennt. Aber die schicken Enddreißiger, die mit dem Bus nach Bochum zu "Starlight Express" fahren oder nach Hamburg zu "König der Löwen", würden uns als Zielgruppe auch ganz gut stehen.

SPIEGEL: Wie lange werden Sie "Wetten, dass ...?" noch machen? Zuletzt wurde orakelt, Sie seien ein wenig amtsmüde geworden.

Gottschalk: Ich bin langsam genervt, dass mir Kritiker nach 20 Jahren mit jeweils zehn plus x Millionen Zuschauern am Montag nach der Sendung immer noch erklären wollen, dass das so nicht geht. Das sind Momente, in denen ich manchmal hinschmeißen möchte. Dann denke ich daran aufzuhören. Aber ich denke nicht daran, es auch zu tun. Mein Schicksal liegt in der Hand der Zuschauer. Erst wenn die einschlafen, werde auch ich amtsmüde.

INTERVIEW: THOMAS TUMA

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