Doch der Funktionär hat Verständnis für die Ärzte. Im kleinen Kreis redet er gern darüber, wie wichtig die "Work-Life-Balance" sei. Wo es keine Oper, kein vernünftiges Restaurant und keine Privatschulen gibt, dürfte sich der Spitzenfunktionär - sein Jahresgrundgehalt beträgt 260.000 Euro - ja auch kaum wohlfühlen.
Hinzu kommt ein strukturelles Problem. Eigentlich müssten die Kassenarztvereinigungen für eine gleichmäßige Verteilung der Honorare sorgen. Doch das Sagen haben die Standesvertreter aus den überversorgten Regionen. Sie verhindern Reformen, die zu ihren Lasten gehen.
Und so haben die Patienten, die in benachteiligten Gegenden zu Hause sind, leider erst mal Pech gehabt. Obwohl Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) die Kassenarztvereinigungen seit Monaten ermahnt, die Versorgungslücken zu schließen, schreiten die Funktionäre nur sehr langsam voran.
Etwa im sachsen-anhaltischen Städtchen Aschersleben. Das Städtchen mit knapp 26.000 Einwohnern, malerisch gelegen am Fuße des Harzes, ist seit neuestem um eine Attraktion reicher. Es gibt wieder einen Augenarzt im Ort. Der alte Doktor hatte vor zwei Jahren zugemacht. Seither mussten die Patienten ins 50 Kilometer entfernte Magdeburg oder 70 Kilometer nach Halle fahren.
Entsprechend freudig fiel nun der Empfang für den übergangsweise aus Hessen angereisten Dr. med. Detlev Hoffmann, 64, aus. Als der Mediziner an einem Montag Anfang Februar erstmals wieder die Praxis in der Otto-Arndt-Straße aufsperrte, warteten fast 300 Patienten in Zweierreihen vor der Tür. Man habe wieder "Schlange gestanden wie einst, wenn es Bananen gab", berichtete das "Neue Deutschland".
Die Freude wird nicht von Dauer sein. Bis in den Herbst sind viele Termine beim neuen Augenarzt schon weg, und danach sieht es auch nicht viel besser aus. Dr. Hoffmann hat angedeutet, dass er schon wegen seines fortgeschrittenen Alters keine Dauerlösung sei.
Wie viel besser haben es da doch die Menschen im bayerischen Starnberg. Die Einwohnerzahl ist mit der von Aschersleben durchaus vergleichbar. Doch während es im Harz jahrelang keinen einzigen Augenarzt gab, tummeln sich in den Starnberger Praxen sowie einer Spezialklinik gleich ein halbes Dutzend Augenheilkundige.
Bizarrerweise sind deren Verdienstmöglichkeiten trotz Konkurrenz besser als die des Kollegen mit Monopolstellung im Harz. Für dieselbe Verrichtung am Kassenpatienten gibt es in Starnberg, grob geschätzt, etwa 50 Prozent mehr Honorar. Noch üppigere Sätze lassen sich mit den zahlreich vorhandenen Privatversicherten abrechnen. Und so bleibt den Ärzten genug Zeit, das Leben zu genießen. Mittwochnachmittag sind die Golf-, Reit- und Tennisplätze in der Region immer besonders voll. Landärzte in Ostdeutschland hingegen arbeiten in der Regel an allen Wochentagen durch.
Einen guten Überblick darüber, wo sich Arztsein besonders lohnt und wo nicht, liefert jede Woche das "Deutsche Ärzteblatt" im Kleinanzeigenteil, Rubrik "Praxisabgabe". Bei der Übernahme einer florierenden Innenstadtpraxis sind allein für die Patientenkartei schnell mehr als hunderttausend Euro fällig. Im Osten hingegen gibt es freie Kassenarztsitze umsonst; auch die Praxisausstattung wird oft gratis abgegeben. Für die Übernahme einer Hausarztstelle im sachsen-anhaltischen Sülzetal wird per Inserat in der aktuellen Ausgabe sogar eine Mindestumsatzgarantie in Aussicht gestellt.
Experten sind daher sicher, dass sich die Versorgungslücken nur durch eine gründliche Reform der Honorarverteilung schließen lassen. Der SPD-Politiker Karl Lauterbach schlägt vor, eine Art Bonus-Malus-System einzuführen. Die Ärzte in Starnberg, Versorgungsgrad etwa 150 Prozent, müssten demnach auf ein Drittel ihrer Honorare verzichten. Im Gegenzug seien die Arzteinkünfte in unterversorgten Gegenden entsprechend aufzupolstern. Insgesamt gehe es dabei um ein Nullsummenspiel, so Lauterbach.
Tatsächlich hätten die Kassenarztvereinigungen schon heute die Möglichkeit, Medizinern in Mangelregionen mehr Geld zu geben. Doch weil dies umgekehrt bedeuten würde, dass Ärzte in überversorgten Regionen mit Abschlägen bestraft werden, handelt es sich bislang um eher geringere Beträge.
Negativ betroffen wären schließlich auch viele Kassenarztfunktionäre selbst. Schon aus Gründen der Work-Life-Balance sind die meisten von ihnen in einer überversorgten Region zu Hause.
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Da freut man sich doch, dass wenigstens im Lumdatal (wo ist das eigentlich?) die ärztliche Versorgung sichergestellt ist, auch wenn jeweils nur _eine_ der örtlichen Praxen geöffnet hat. Anscheind gibt es auch auf [...] mehr...
verdienen Sie ja auch mehr. mehr...
Ihre Antwort bestätigt meine Meinung in vollem Umfang. Vielen Dank! Vielleicht hätte ich noch auf die Arroganz vieler Ärzte hinweisen sollen? Interessanterweise haben Sie sich nicht dazu geäußert, dass ein TV-Beitrag über [...] mehr...
Die Deutschen sollen ja Weltmeister bei der Frequenz der Arztkontakte sein. Zumindest ist das letztes Jahr und dieses Jahr nochmals in den Medien verbreitet worden. Diese Behauptung basiert auf den im Auftrag der [...] mehr...
Absolut richtig! Sowas darf man aber auch nicht! Böse Ärzte! Blöd ist nur, dass es auf einer Station nicht besonders viele interessiert, vor allem nicht den Chef, solange der "Laden läuft" Was soll ein [...] mehr...
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