AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 20/2008
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10.05.2008
 

Computer

Wir sind die Guten

Von Ansbert Kneip

3. Teil: Hacken an der Grenze zur Illegalität

Constanze Kurz zögert ein wenig. Der Missbrauch ist natürlich verboten. Aber Schäubles Finger zu verbreiten, meint sie, wohl nicht. Aber weil sie nicht weiß, ob das Innenministerium trotz aller öffentlichen Gelassenheit nicht doch eine Klage plant, will sie lieber nicht genau sagen, wie der Club an den Abdruck des Ministers gekommen ist.


Als der CCC 1981 gegründet wurde, hieß der Feind noch Deutsche Bundespost. Der Post unterstand damals die Telekommunikation, und an den eigenen Telefonanlagen herumzuschrauben war gesetzlich verboten. Als die Post dann den BTX-Dienst gründete, eine ärmliche Frühform des World Wide Web, ging auch der CCC online.

1984 wurden die Hacker erstmals bundesweit bekannt: Sie hatten eine Lücke im BTX-System der Post entdeckt und konnten so den Computer der Hamburger Sparkasse dazu bringen, dem Club im Laufe einer Nacht rund 135.000 Mark zu überweisen. Das Geld zahlten sie sofort zurück.

Drei Jahre später schafften es CCC-Leute, sich in ein Netz von Großrechnern einzuklinken, sie landeten bei der Nasa, bei der Esa, bei Philips und bei der französischen Atomenergiebehörde. Der damalige Sprecher des Clubs wurde deswegen später in Frankreich verhaftet und saß neun Wochen in Haft.

Etwa zur gleichen Zeit hatten andere Hacker ihr Wissen über die Lücken in den westlichen Computern zu Geld gemacht und an den sowjetischen Geheimdienst KGB verkauft, das war der erste große Sündenfall.

Heute gilt der Grundsatz, dass von den Räumen des CCC aus fremde Computer in Ruhe gelassen werden. Das klappt in der Regel auch, nur nicht bei den alljährlichen Kongressen, die der CCC veranstaltet. Dann sitzen einige tausend Hacker beisammen, die sich gegenseitig gern etwas beweisen wollen. Für angegriffene Unternehmen unterhält der Club eine eigene Beschwerdestelle.

Im Grunde aber geht es auch auf den Kongressen vor allem um Datenschutz, um die Gesundheitskarte, um Anonymität im Netz oder um das Ausschalten von Überwachungskameras.

Constanze Kurz, die Sprecherin des Clubs, hält die Sorge vor dem Überwachungsstaat nicht für übertrieben. Die meisten Politiker, sagt sie, seien im Grunde "merkbefreit", sie hätten ihren PC nur, damit ihre Sekretärin ihnen die E-Mails ausdrucken könne - und wer von Computern nichts verstehe, dem könne sie auch kaum klarmachen, was an Vorratsdatenspeicherung oder Online-Durchsuchung so schlimm sei.

Vielleicht ist das paranoid. Viele Hacker wittern Verfolgung, Kontrolle und Geheimdienste, wo möglicherweise gar keine sind. Aber vielleicht ist das auch ein ganz natürlicher Prozess: Je mehr einer über die Lücken und Möglichkeiten der digitalen Welt weiß, desto größer seine Sorgen.

Vor der vermeintlichen oder tatsächlichen Bedrohung schützt sich Constanze Kurz also selbst: Sie telefoniert mit einem abhörsicheren Handy, das von vertrauenswürdigen Menschen entwickelt und vertrieben wird, nämlich von Veteranen des CCC. Sie verschlüsselt ihre E-Mail, gibt ihren Rechner nicht aus der Hand, lässt Wachprogramme laufen und verschlüsselt die Festplatte. "Hier kommt Schäubles Bundestrojaner nicht drauf", sagt sie.

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