Bislang sichten die Ermittler das umfangreiche interne Material. Noch ist kein offizielles Ermittlungsverfahren eingeleitet worden.
Aber das, glaubt man im Unternehmen, dürfte allenfalls eine Frage der Zeit sein. Sollte nur ein Bruchteil der Vorwürfe zutreffen, ginge es um etliche Straftatbestände: vom Bruch des Fernmeldegeheimnisses bis hin zu Bestechung oder auch Erpressung.
Viele Indizien sprachen vergangene Woche dafür, dass es tatsächlich zumindest Schnüffelaktionen gegen mehrere Aufsichtsräte der Arbeitnehmerseite gegeben haben muss, darunter vermutlich auch gegen den Konzernbetriebsratschef Wilhelm Wegner; dass es tatsächlich Verträge mit der Berliner Firma gab, die sich im Februar wegen vermeintlich unbezahlter Rechnungen im sechsstelligen Bereich an den Konzern gewandt hatte. Und vieles deutet zudem darauf hin, dass sich der frühere Konzernchef Ricke und sein Aufsichtsratsboss Zumwinkel ein ums andere Mal von Presseberichten düpiert gefühlt haben mussten, die damals aus vertraulichen Gremiumsitzungen immer wieder an die Öffentlichkeit drangen.
Also wurde die Berliner Beratungsfirma offenbar im Frühjahr 2005 beauftragt, diskret nachzuforschen, wo das Leck ist. Sie sollte die Telefonverbindungsdaten von Aufsichtsräten vergleichen mit den Anschlussdaten von bekannten Wirtschaftsjournalisten, die über die Telekom berichteten.
Die Schnüffelaktion gegen den Betriebsratschef ereignete sich in einer für die Telekom turbulenten Phase. Etliches im Konzern ging damals drunter und drüber - wieder einmal.
Nach dem dramatischen Absturz der T-Aktie von ihrem Höhepunkt im März 2000 war im Juli 2002 schließlich der vom Großaktionär Bund erzwungene Rücktritt von Konzernchef Ron Sommer erfolgt. Im November übernahm Ricke.
Er krempelte den Vorstand um und verabschiedete sich von den globalen Visionen seines glamourösen Vorgängers. Mit harten Sparmaßnahmen und dem Verkauf von einigen Konzernteilen stellte Ricke, dessen Vater einstmals auch schon die Telekom geleitet hatte, den Konzern wieder auf ein finanziell durchaus solides Fundament.
Selbst Analysten und Aktionäre begannen, den ebenso schlaksigen wie grauen Top-Manager zu schätzen. Intern jedoch brodelte es gewaltig.
Grund: Bei den Mitarbeitern wuchs die Sorge um die Zukunft ihrer Jobs. Schon Anfang 2005 hatte Ricke verkündet, dass die Telekom die Stellenzahl künftig um mindestens 8500 Posten pro Jahr reduzieren müsse.
Als dann unter Betriebsräten sogar von rund 45.000 Stellen die Rede war, die bis 2008 gestrichen werden sollten, kündigte die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di erstmals harten Widerstand an. Von "Kahlschlag", "Riesensauerei" und "beschäftigungspolitischem Skandal" war die Rede.
Ricke schreckte zurück. In seiner Vorstandsrunde belauerten sich die Manager ohnehin argwöhnisch und agierten oft eher als Rivalen denn als Kollegen - allen voran René Obermann, damals Chef der Mobilfunksparte, sowie Walter Raizner, Boss der T-Com genannten Festnetzsparte.
Von einer gemeinsamen und stringenten Strategie war in dem Führungszirkel nicht viel zu sehen. Umso genüsslicher berichtete die Presse immer wieder ausführlich aus internen Sitzungen.
Das Umfeld des Konzerns veränderte sich in jener Zeit dramatisch. Das Festnetzgeschäft litt zunehmend unter der Konkurrenz von kleinen Neulingen, die Preise brachen ebenso wie der Umsatz ein. Der Boom bei schnellen DSL-Internet-Anschlüssen hatte gerade erst begonnen und brachte noch nicht den erhofften Ausgleich. Selbst das Mobilfunkgeschäft schaffte nicht mehr die Wachstumsraten früherer Jahre. Doch während die großen europäischen Konkurrenten als Konsequenz aus der neuen Lage damit begannen, die klassischen Grenzen zwischen Mobilfunk, Festnetz und Internet aufzuweichen, kam die Bonner Runde zu keiner Entscheidung darüber, wie es weitergehen sollte.
Ständige Endlossitzungen sorgten für Dauerfrust. Am Ende standen meist nur halbherzige Lösungen, mit denen die Telekom ihre Probleme kaum lösen konnte.
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