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Ausgabe 25/2008
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Bundeskanzlerin "Det is keen Bild hier!"

2. Teil: Schwierigkeiten "mit ihrer Körperlichkeit"

Zuständig für die Kanzlerinnenoptik sind neben der persönlichen Stylistin Petra Keller, die Merkel permanent begleitet, insbesondere die Medienberaterin Eva Christiansen und Beate Baumann, die Büroleiterin. Wichtig ist auch Regierungssprecher Ulrich Wilhelm, der mit seinem sonnigen Lachen das Berliner Kommentariat selbst dann bei Laune halten soll, wenn einer wieder einmal Unbotmäßiges geschrieben hat.

Merkel, so analysiert ihr Biograf Gerd Langguth, habe lange Schwierigkeiten gehabt "mit ihrer Körperlichkeit". Die habe sie aber überwunden. Fotografen staunen seit einiger Zeit über ihr Motiv. Früher reagierte Merkel allergisch auf die Leute mit den langen Objektiven. "Ich hasse Fotografen!", entfuhr es ihr da noch des Öfteren. Inzwischen kommen die Kollegen von der abbildenden Zunft zu einem Interviewtermin, und Merkels erste Frage lautet: "Wo wollen Sie mich haben?"

Jenseits dessen gelten aber drei eiserne Regeln: nicht von der Seite, nicht von unten, nicht beim Gehen. Und wer sich nicht an die Regeln hält, wird angeschnauzt. So einfach, so übersichtlich ist das System Merkel.

Auffällig ist nicht nur, welche Bilder es von Merkel gibt. Auffällig ist auch, welche es nicht gibt. Sie versteht es, keine Belege zu hinterlassen, wenn es um unangenehme Dinge geht. So schickte sie seinerzeit Arbeitsminister Franz Müntefering allein vor die Presse, um die Rente mit 67 zu verkünden. Bei einem solchen Einschnitt wäre ein Doppelauftritt von Kanzlerin und Vizekanzler durchaus angemessen gewesen.

Einem Kanzler, egal ob er Schröder oder sie Merkel heißt, gibt das Amt automatisch einen großen Stab an die Hand, der die eigene PR mit Steuermitteln zu optimieren hilft. Diese Propagandamaschine heißt Bundespresseamt und kostet das Volk rund 80 Millionen Euro im Jahr. Dort werden zum Beispiel die Reisen der Journalisten organisiert, die den Regierungschef ins Ausland begleiten. Auch hier wird im Hause Merkel nichts dem Zufall überlassen. Als die Kanzlerin zuletzt nach Lateinamerika reiste, bemühte sich das Bundespresseamt darum, die Korrespondenten führender Tageszeitungen mit an Bord zu haben. Die Wochenpresse war nicht erwünscht. Das Kalkül dahinter ist einfach: Manche Tageszeitungsjournalisten stehen unter höherem Druck, die Reisespesen mit Artikeln zu rechtfertigen, und sei es mit belanglosen Reisebeschreibungen in Ermangelung von ernsthaftem politischem Stoff. Das Ergebnis ist Gefälliges über Merkel: Die Weltenwandlerin im Einsatz für Deutschland.

Auf die Spitze trieb Merkel ihre Selbstinszenierung mit dem Einsatz ihres weit ausgeschnittenen dunklen Ballkleids beim Opernbesuch in Oslo Mitte April. Vize-Regierungssprecher Thomas Steg, ein Augenzeuge von Oslo, musste bei der nächsten Bundespressekonferenz Stellung nehmen und erklärte nach Rücksprache mit Merkel, die Kanzlerin habe sich gewundert, wie viel Aufhebens um ihr Outfit gemacht worden sei. Dabei habe es sich doch nur um "ein Neuarrangement aus dem Bestand der Bundeskanzlerin" gehandelt. Sie habe das "Basismodell" einmal vor ihrer Zeit als Kanzlerin getragen, und darüber habe sich "niemand aufgeregt". Das stimmt, ist aber nicht die ganze Wahrheit. Es gibt ein Foto aus dem Jahr 2000, auf dem sie mit Thomas Gottschalk in Bayreuth zu sehen ist. Das Kleid ist in seiner Wirkung allerdings nicht im Entferntesten mit dem Auftritt von Oslo zu vergleichen.

In der Neuauflage seines Buchs über Merkel stellte Gerd Langguth im vergangenen Jahr zwölf Thesen auf. These elf lautet: "Stärker als alle ihre Vorgänger" arbeite Merkel mit den Medien. Sie habe "schon als stellvertretende Regierungssprecherin der letzten DDR-Regierung gelernt, dass nur der die öffentliche Meinung gewinnt, der auch die Veröffentlicher von Meinung überzeugen kann".

Er fühle sich in allem bestätigt, sagt der Politologe heute. Merkel mache nichts ohne Kalkül. Es sei völlig ausgeschlossen, dass sie vor der Reise nach Oslo einfach so in den Schrank gegriffen habe. "Sie weiß, welche symbolhafte Wirkung von einem solchen Auftritt ausgeht. Das war ganz gezielt eingesetzt."

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