Von Beat Balzli und Michaela Schießl
Da dämmerte dem Wirt offenbar, dass mit solchen Nebengeschäften viel mehr zu holen ist als mit der bloßen Kocherei. Dass seine Sansibar das Zeug zur bundesweiten Marke hatte, wie sie vor ihm allenfalls die Bussi-Bussi-Käfers aus München hinkriegten. Und dass der Vermarktung kaum Grenzen gesetzt sind.
Das große Säbelrasseln jedenfalls hat begonnen. Seckler wirft ein Produkt nach dem anderen auf den Markt. Wer einen guten Vorschlag hat, darf vorsprechen. Mit den meisten Lizenznehmern geht alles reibungslos.
Viele Ideen entwickelt Seckler direkt am Tresen. Die Designerin Iris von Arnim etwa ließ sich jüngst von "meinem Freund Seckler" zu einer Sansibar-Kollektion in edlem Kaschmir überreden, die Ende Juli an den Start gehen soll.
Seckler bietet an, was sein Völkchen gern trägt: T-Shirts, Taschen, Sonnenbrillen. Besonders wertvoll, weil auf 333 Exemplare limitiert, ist das Sansibar-Fahrrad ,"mit sanddichten Radlagern". Oder die Damenuhr für 6800 Euro. Und wenn Frauchen alles hat, kriegt ihr Rassehund ein Lederhalsband im Piratenlook. All das ist versehen mit dem Sansibar-Logo, das Seckler ordentlich Lizenzgebühr einbringt.
Kaum passt das Sortiment mehr in den kleinen Bretterverschlag neben dem Restaurant. Und die Geschäfte, in denen die Sachen neben vielen anderen Waren feilgeboten wurden, schienen auch keine gute Lösung. Also wagte Seckler vergangenes Jahr erstmals den ganz großen Wurf. Er vergab eine Lizenz für den Einzelhandel. In Berlin öffnete der erste Sansibar-Store. Seither sind drei weitere dazugekommen: im nahen Westerland, in Hamburg und in Münster. Mit 40 weiteren Läden will er seine Vermarktungsmaschine bald auf Hochtouren bringen.
Doch was wird sein, wenn Hans und Franz dann die Säbel auf der Brust tragen? Wenn das Logo nicht mehr nur auf noblen Porsche Cayenne prangt, sondern auf Opel Astra? Ist das dann die Sozialisierung des Luxus, oder gefährdet derlei Geschäftstüchtigkeit nicht den Zauber, dem Seckler ja seinen Aufstieg verdankt?
Der Schwabe glaubt nicht an einen Imageverlust. Ein warnendes Beispiel hat er allerdings vor Augen: Delikatessen Gosch, ebenfalls ein Sylter Eigengewächs, ist an seiner Expansionsstrategie fast zugrunde gegangen. Für alle Fälle hat Seckler seine Marke, die er einst von einem Freund übernommen hat, vor kurzem in eine Immobilienfirma mit beschränkter Haftung überführt.
Vielleicht kommt es deshalb zu den Gerüchten, er sei neuerdings auf dem Immobilienmarkt aktiv. Auf seiner Homepage wirbt er für das unglamouröse Hotel Hellner garni in Westerland. Zumindest die Webdomain gehört ihm. Ob er den unscheinbaren Drei-Sterne-Laden besitzt, wie manche Immobilienhändler behaupten, dazu möchte sich Seckler nicht äußern.
Überhaupt möchte er sich zu gar nichts äußern, was die heile Welt der Sansibar belasten könnte. Etwa den ärgerlichen Säbelstreit. Als Seckler versuchte, die Markenrechte für Europa anzumelden, erlebte er eine Überraschung. Ausgerechnet ein sächsisches Landesunternehmen schickt sich an, seinen Feldzug als fröhlicher Marken-Pirat in eigener Sache zu bremsen: Die Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen hat beim EU-Harmonisierungsamt für den Binnenmarkt Widerspruch eingelegt.
Begründung: Bei den Säbeln im Sansibar-Logo bestehe Verwechslungsgefahr mit den berühmten Meissen-Säbeln. Die aber malen die Porzellan-Profis schon seit fast 300 Jahren auf ihre Produkte, um sie vor Plagiaten zu schützen. Neben solch altehrwürdiger Tradition wirkt der 56-jährige Sansibar-Boss wie ein Halbstarker.
Man befinde sich mit den Verantwortlichen auf Sylt "in konstruktiven Gesprächen", sagt eine Meissen-Sprecherin vornehm. Will heißen: Solange Seckler nicht darauf verzichtet, sein Logo auf Porzellan zu drucken, ziehen die Sachsen den Widerspruch nicht zurück. Seit über einem Jahr ist die Sache bereits anhängig. Für Meissen sitzt der Schuldige in den Dünen.
Am besten wäre es wahrscheinlich, wenn Seckler Meissen als neuen Geschirrsponsor gewinnen könnte. Dann hätten alle Säbel ihre Berechtigung - und der Promi-Wirt ein paar neue Freunde mehr. Davon kann einer wie er nie genug haben.
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