Von Alexander Osang
Am Morgen stand in den Zeitungen, dass der AC Mailand Ronaldinho gekauft hat, und jetzt, am Mittag, erklärt Uli Hoeneß bereits, warum ihn die Bayern gar nicht gewollt haben.
"Der FC Bayern hat ein großartiges Mittelfeld. Wir haben Ribéry, Schweinsteiger, Zé Roberto, van Bommel und Altintop, der gerade in die EM-Auswahl gewählt wurde. Wir haben vor ein paar Minuten Tim Borowski vorgestellt, und was soll ich dem Toni Kroos erzählen?", sagt Hoeneß.
Aber gab es denn jemals die Überlegung, Ronaldinho zu holen?
Uli Hoeneß sieht Karl-Heinz Rummenigge an, der neben ihm auf einem Korbstuhl sitzt. Rummenigge schaut auf sein Handy, als sei von da mit einer Antwort zu rechnen. Er sagt: "Ronaldinho wird die Ticketpreise in Mailand in die Höhe treiben. In der Zeitung steht, er kriegt sechs Millionen im Jahr. Da kannst du locker noch mal drei raufpacken."
"Komm, Kalle, das weißt du doch gar nicht genau", sagt Uli Hoeneß.
"Ach", sagt Rummenigge und tippt irgendetwas in sein Handy.
Die beiden sitzen im Arbeitszimmer von Uli Hoeneß, einem Raum, zu dem der Weltname Ronaldhino gar nicht passen will, ein warmer, heimeliger Raum, vollgestellt mit Korbmöbeln, auf denen karierte Kissen liegen, sowie Tischen und Regalen aus Nadelholz. Es gibt ein paar Fußballfotos und Pokale, ein silbernes Modell der Allianz-Arena, Plüschtiere in Bayern-Trikots, über der Rattancouch hängt ein Foto vom Meazza-Stadion in Mailand, wo der Club zum letzten Mal die Champions League gewann, auf dem Schreibtisch liegt eine Tafel Schokolade neben einer Tüte aus dem Fanshop. Es sieht aus wie das Wohnzimmer eines Bayern-Fans und nicht wie die Schaltzentrale eines erfolgreichen Fußballmanagers. Uli Hoeneß' Hemd ist am Bauch ein bisschen nass, er hat sich gerade einen Tee zubereitet.
"Mich regt auf, dass die Medien schon wieder nach neuen Spielern schreien", sagt er. "Dabei sind die alten noch nicht mal bezahlt. Toni und Ribéry werden vier Jahre lang abgeschrieben. Jedes Jahr 25 Millionen, so funktioniert das in der Wirtschaft."
Hoeneß pumpt, sein Hals schwillt. Er hat schon wieder Zeitung gelesen, obwohl ihm Jürgen Klinsmann gleich nach seinem Amtsantritt gesagt hat: Uli, du liest zu viel Zeitung. Unterm Couchtisch liegt der "Kicker", auf der Fensterbank hinterm Schreibtisch die "Abendzeitung", er kann nicht anders, er stopft das Zeug in sich rein wie Schokolade. Luca Toni fordert mehr Stars, steht da. "Bild" schreibt, Butt und Borowski reichen nicht für die Champions League. Und dann noch Matthäus mit seinen Empfehlungen in der "Sport Bild". Eine hieß: Was ein Trainer alles falsch machen kann.
So einen laden sie natürlich nicht mehr zur Weihnachtsfeier ein, sagt Hoeneß.
Er hätte es auch ein bisschen weit jetzt, sagt Rummenigge.
Jürgen Klinsmann liest das alles nicht, er lässt sich nur auf den Tisch legen, was Entwicklungen aufzeigt. Er hat festgestellt: "Du denkst, dass es wichtig ist, was die Öffentlichkeit über dich sagt. Aber es ist nur wichtig, was du selbst aus dir machen möchtest."
Uli Hoeneß ahnt, dass er recht hat, aber so schnell ändert sich ein Mensch nicht. Er drückt sich ein bisschen Honig in den Tee. Ruhig, Uli.
"Die meisten Sportjournalisten haben nicht mitbekommen, was wirtschaftlich in den letzten Jahren passiert ist. Wir können mit manchen Vereinen, die immer reicher werden, wenn der Ölpreis steigt, geldmäßig nicht mithalten. Oder wir gehen pleite wie die halbe spanische Liga. Valencia, Sevilla. Alle mausetot", sagt Hoeneß.
"Ja, aber nur die Witzvereine", sagt Rummenigge.
"Witz? Valencia stand gegen uns im Finale, Kalle", sagt Hoeneß und schaut auf das Plakat überm Rattansofa. 2001, Champions League. Sieben Jahre her. Deswegen haben sie ja Jürgen Klinsmann geholt. Weil er versprochen hat, die Spieler besser zu machen. Den rechten Fuß, den linken, den Kopf, je nachdem. Das klang, als würde endlich jemand in dieses sich immer schneller drehende Rad greifen.
"Jürgen hat nicht sofort von neuen Spielern geredet, er wollte nur das Trainingsumfeld mitbestimmen. Er hat uns das alles erklärt, und im Erklären ist Jürgen ja sensationell. Wir haben natürlich nicht gewusst, welche Ausmaße das annimmt", sagt Uli Hoeneß und strahlt.
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Eher tanzt der Papst beim CSD in Köln ! mehr...
Das waren schon einige Tausender, genau weiss ichs nicht mehr. Aber auf jeden Fall genug, dass ich am nächsten Sonntag gnadenlose Kopfschmerzen beim Aufwachen hatte. mehr...
Man kann wohl nur auf das setzen, was angeboten wurde.. Und Dänemark war zu der Zeit nicht dabei. mehr...
Wieso, wenn man drauf wetten will, dann machen sie einem schon die Quote. Man kann ja angeblich sogar drauf wetten, dass Jesus wieder auf die Welt kommt. Wenn die Buchmacher Geld sehen machen sie für alles eine Quote, sogar [...] mehr...
In diesem Fall konnte lgischerweise vor Teilnahme Dänemarks noch keine Quote bei den Buchmachern sein. mehr...
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