Von Susanne Beyer und Julia Amalia Heyer
Vier Jahre werden es am Ende gewesen sein, vier volle Jahre für die Suche nach einem kleinen Haus. Das hatte sich Andrea Möller ein wenig anders vorgestellt.
Als sie und ihr Mann 2004 beschlossen, aus ihrer Altbauwohnung auszuziehen, die an einer vierspurigen Straße im ohnehin krawalligen Hamburger Stadtteil St. Pauli liegt, da waren sie sicher, dass sie bald etwas finden würden. Ein Häuschen sollte es sein, aber nicht im Vorstadtidyll, sondern mitten in der Stadt, nahe an jenem urbanen Leben, das sie in ihren Zwanzigern genossen hatten und nicht einfach so aufgeben wollten, nur weil auf einmal ein Kind da war.
Warum sollte das so schwierig sein? Es wurde doch eine Renaissance der Städte vorausgesagt, die wieder so familientauglich werden sollten wie einst, als die Innenstädte buntgemischt waren und alle zusammen wohnen, arbeiten, einkaufen, lernen, ausgehen und spielen konnten.
Überall in den Feuilletons und Immobilienteilen hatte es schließlich gestanden: zurück in die City.
Doch das ist alles nicht so einfach, wie es noch vor ein paar Jahren wirkte. Viele junge, mittelständische Familien wollen in den Städten bleiben, aber die allermeisten stoßen auf nahezu unüberwindbare Widerstände: Zum einen gibt es ohnehin wenig familientauglichen Wohnraum, und zum anderen haben die Anlagen, die doch neu entstehen, häufig den ästhetischen Reiz eines Kaninchenstalls. Wer nicht in einer solchen Box-an-Box-Retorte wohnen will, sieht sich in Top-Lagen mit Kaufpreisen von bis zu 6000 Euro pro Quadratmeter in einer Stadt wie Stuttgart, 12.000 Euro in Hamburg oder gar 15.000 Euro in München konfrontiert, die für Normalverdiener völlig unerschwinglich sind.
"Wir sind fast verzweifelt bei der Suche", sagt Andrea Möller, die nach jahrelanger Hausjagd mit ihrer Familie gerade erst fündig geworden ist. "Ich habe die verwunderten Fragen, warum wir denn immer noch nichts gefunden haben, irgendwann nicht mehr ausgehalten."
Die "attraktiven, citynahen Standorte" seien "zum großen Teil von alten, häufig alleinstehenden Einwohnern besetzt", sagt Marie-Therese Krings-Heckemeier, eine Expertin vom Rat der Immobilienweisen. Am Beispiel Berlin zeigt eine aktuelle Studie des Potsdamer Instituts für soziale Stadtentwicklung, wie schwer sich Familien tun, in diesem Umfeld Fuß zu fassen.
Die "Suburbanisierung" - der Wegzug in die Vororte - verlangsame sich zwar, sei aber alles andere als gestoppt, heißt es da. Zwar zögen viele junge Leute in beliebte Stadtviertel wie Friedrichshain oder Prenzlauer Berg, und es würden dort auch überdurchschnittlich viele Kinder geboren, dennoch gelinge es nicht, die jungen Familien langfristig zu binden. Letztlich zögen doch mehr weg als hin.
Kein Wunder - nur 48,5 Prozent der Wohnungen taugen in Berlin überhaupt für Familien, wie das Sozialforschungsinstitut Prognos in einer weiteren neuen Studie rügt. Weil die Familien in den Städten keine Wohnungen finden, "gehen sie notgedrungen ins Grüne vor die Stadt", sagt Krings-Heckemeier, "und nicht etwa deshalb, weil sie das unbedingt möchten".
"Aus stadtentwicklungspolitischer Sicht ist die Abwanderung von Familien in das Umland nicht erwünscht", so erklärt auch eine Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik aus dem Jahr 2005, und diese sei "von den Familien auch nicht gewollt, sondern zumeist erzwungen".
Von wegen City-Renaissance also: In der Stadt leben wollen, aber nicht können - das ist zumindest für Familien der neue Trend.
Die jungen Paare mit ihren Kindern sind unter anderem Leidtragende der Tatsache, dass zurzeit in Deutschland insgesamt zu wenig Wohnungen gebaut werden. Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts sind 2007 rund 157.000 Baugenehmigungen für Wohngebäude erteilt worden, im Vorjahr waren es noch fast 216.000. Tatsächlich benötigt werden 250.000 bis 350.000 neue Wohneinheiten.
Doch selbst wenn nicht jede Jungfamilie genau da leben kann, wo sie gern würde: Wo ist das gesellschaftliche Problem? Stellen die Familien nicht unrealistische Ansprüche?
Der Münchner Nachwuchsfilmemacher Florian Falterer, 30, ist heilfroh, dass er mit Freundin Eva Schatz und Baby nach einer "sauschwierigen" Wohnungssuche nun im ehemaligen Arbeiterviertel Obergiesing gelandet ist. "Das passt schon", sagt Falterer, eben weil hier "alles noch so herrlich normal ist". Hier gibt es noch Metzger, die nicht "bio" sind, und Schuster, die sich nicht als Kunsthandwerker verstehen.
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Ja schon, aber zur Arbeit fährt der Vater ja meist allein. Aber danke für die Auskunft. Wenn die Fahrkarte so teuer ist, kann die Familie auch gleich in einer teureren Wohnung in der Nähe des Arbeitsplatzes wohnen bleiben. mehr...
Aachen Hbf - Frankfurt (Main) Hbf, je nach Streckenvariante 530 bis ca. 590 € im Monat - oder für 3.500 € im Jahr (!) eine BahnCard 100, was auf der Strecke also schon viel billiger kommt. Bis zu vier Kinder unter 15 fahren dann [...] mehr...
Da wäre dann aber noch die Frage, was eine Monatskarte kostet. Käme wahrscheinlich für einen Feld-, Wald- und Wiesenarbeitnehmer nicht in Frage. Schon eher für höhere Einkommensklassen. mehr...
Schon, aber dann wohl missinterpretiert... mehr...
Den Smiley am Ende des Postings haben Sie aber schon gesehen, oder nicht ? mehr...
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© DER SPIEGEL 31/2008
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