Wirtschaft


AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 32/2008
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Autoindustrie "Es geht um Machtspiele"

Porsche-Betriebsratsboss Uwe Hück, 46, über die Traumgage seines Chefs und den Ärger mit seinen Arbeiterkollegen von VW

SPIEGEL: Herr Hück, Porsche-Chef Wendelin Wiedeking dürfte im laufenden Geschäftsjahr rund hundert Millionen Euro verdienen. Was sagen die Porsche-Arbeiter zu so einem Gehalt?

Porsche-Betriebsrat Hück
DPA

Porsche-Betriebsrat Hück

Hück: Das ist doch eine Phantasiezahl - und sie bleibt es, auch wenn diese verwegene Prognose im SPIEGEL stand. Das Geschäftsjahr ist erst am 31. Juli abgelaufen. Die endgültigen Zahlen kennen wir also noch gar nicht.

SPIEGEL: Tatsache ist, dass Ihr Boss schon im vergangenen Jahr über 60 Millionen verdient hat. Gibt es eine Grenze, von der an Managereinkünfte unanständig werden?

Hück: Unanständig ist es, wenn Manager Werke schließen, Mitarbeiter entlassen und dann persönlich noch enorme Gehälter kassieren. Da gehe ich auf die Barrikaden. Wir haben eine ganz andere Situation. Als Porsche 1992 in der Existenz bedroht war, wollten die Banken die anstehende Kapitalerhöhung nur begleiten, wenn Herr Wiedeking persönlich mit seinem Privatvermögen haftet. Wir Arbeitnehmervertreter haben ihn bedrängt: Machen Sie das! Er hat damit ein Risiko auf sich genommen, das in der deutschen Wirtschaft seinesgleichen sucht. Der Aufsichtsrat hat Wiedeking dafür später eine Gewinnbeteiligung zugesichert - und das ist völlig okay.

SPIEGEL: Seither sind die Gewinne in unglaubliche Höhen gestiegen, und der Porsche-Chef kassiert mehr als alle anderen Manager. Ist das auch okay?

Hück: Zu dem, was wir im Aufsichtsrat damals beschlossen haben, stehe ich. Die Arbeit des Herrn Wiedeking hat sich für die Belegschaft ohne jede Frage gelohnt. Viele Konzerne streichen Arbeitsplätze. Wir stellen neue Leute ein. Wir haben einen Standortsicherungsvertrag, dem zufolge ein großer Teil der Gewinne als Investitionen in die Werke fließt. Und wir haben eine Gewinnbeteiligung für die Arbeitnehmer. Wofür sollten wir uns verprügeln lassen?

SPIEGEL: Vor allem VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh schlägt munter auf Porsche ein, weil im Betriebsrat der neuen Porsche-Holding 20 Vertreter von Porsche und 20 für den 30-mal größeren VW-Konzern sitzen sollten. Können Sie das nicht nachvollziehen?

Hück: Ich habe Bernd Osterloh schon gesagt, dass das nicht richtig war. Wenn er in der Porsche-Holding 34 Betriebsräte braucht, dann bekommt er 34.

SPIEGEL: Wo liegen denn dann noch die Knackpunkte?

Hück: Das Problem ist, dass es ständig neue Knackpunkte gibt. Wir waren schon oft ganz nah an einer Lösung, aber dann kam immer noch eine Nachforderung. Es sieht gerade danach aus, als würde jemand im Hintergrund alles torpedieren, weil er keine Einigung will.

SPIEGEL: Wer sollte denn der Dunkelmann sein, der frühere IG-Metall-Chef und VW-Aufsichtsrat Jürgen Peters etwa?

Hück: Ich glaube, Jürgen Peters will keine Einigung. Es geht um Machtspiele. In der IG Metall muss deshalb geklärt werden, wer jetzt bei den Verhandlungen dazustößt. Wenn man Jürgen Peters dafür braucht, soll er dazukommen. Dann müsste aber auch Berthold Huber als amtierender Vorsitzender der IG Metall mit an den Verhandlungstisch. Und ich möchte, dass auch die Konzernbetriebsräte von VW und die Betriebsräte der VW-Standorte dabei sind. Das wurde bislang abgelehnt.

SPIEGEL: Der VW-Betriebsrat droht damit, eine neue Klage einzureichen, wenn Porsche seinen VW-Anteil auf 51 Prozent erhöht. Sollte er recht bekommen, müsste die ganze Mitbestimmungsvereinbarung noch einmal neu verhandelt werden. Was machen Sie dann?

Hück: Ich bin überzeugt davon, dass er damit scheitern wird, so wie er bisher vor Gericht schon zweimal gescheitert ist. Für mich gilt: Wir müssen das Problem am Verhandlungstisch lösen. Ich werde meinen Teil dazu beitragen und Kompromisse eingehen. Denn ich möchte mit den Kollegen von VW gut und professionell zusammenarbeiten.

SPIEGEL: Ist das nicht vor allem deshalb so schwierig, weil VW-Betriebsräte fürchten, Porsche könnte den VW-Konzern nur noch auf Profit trimmen, unrentable Marken und Werke einfach schließen?

Hück: Wie kommen die auf so etwas? Wir haben in Deutschland, in Leipzig, eine neue Fabrik gebaut. Und wir haben seit 1994 die Belegschaft verdoppelt. Das finden Sie in der Autoindustrie so schnell nicht wieder.

SPIEGEL: Vielleicht rührt das Misstrauen auch daher, dass man Ihnen eine zu große Nähe zum Porsche-Chef nachsagt. VW-Betriebsräte erwecken den Eindruck, Sie schlügen geradezu die Hacken zusammen, wenn Herr Wiedeking etwas wolle.

Hück: So was ärgert mich granatenmäßig. Ich war gestern beim Thaiboxen. Wer mir vorwirft, ich sei ein Weichei, der sollte mal mit mir in den Ring steigen. Ich kämpfe für die Mitarbeiter. Wir haben gerade den Entgelt-Rahmentarifvertrag bei Porsche ohne Lohnsenkungen durchgesetzt, das gilt auch für neueingestellte Mitarbeiter, und die Lohnsumme wurde sogar erhöht. Das gibt es in der Metallindustrie sonst kaum. Wenn Sie das als "Hackenzusammenschlagen vor Wiedeking" bezeichnen, dann schlage ich die Hacken gerne zusammen.

Das Interview führte Dietmar Hawranek

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