Erstmals seit 1996 wird es bei den Olympischen Spielen wieder Geschlechtstests für teilnehmende Athleten geben. Bis zu den Spielen in Atlanta waren Massentests üblich, die Ergebnisse erwiesen sich als uneindeutig.
Acht Athletinnen konnten 1996 zunächst nicht einwandfrei dem weiblichen Geschlecht zugeordnet werden und sollten disqualifiziert werden, alle bekamen aber nach ihrem Einspruch recht.
Sieben von ihnen waren, wie sich herausstellte, als Hermaphrodit auf die Welt gekommen. Genetiker kritisierten die damals übliche "gender verification" als oberflächlich, weil ausschließlich die Chromosomen ermittelt wurden. Als kritikwürdig wurde zudem die öffentliche Bloßstellung zweigeschlechtlicher Sportler empfunden.
Nun werden bei den neuen Tests auch Gene und Hormonprofile untersucht. Zu den Tests werden ausschließlich Teilnehmer gebeten, bei denen "ernsthafte Zweifel" an ihrem angegebenen Geschlecht aufgekommen seien, sagt der zuständige Laborchef Tian Qinjie.
Welche Folgen diese öffentlichen Debatten haben können, zeigt der Fall der deutschen Tennisspielerin Sarah Gronert. Nach monatelangen Gerüchten, sie sei ein Mann, hatte sich die Westfalenmeisterin, vor 22 Jahren mit männlicher und weiblicher Geschlechtsausprägung geboren, im Juli am Universitätsklinikum Aachen untersuchen lassen. Dort wurde festgestellt, dass sie weiblichen Geschlechts ist.
Nun darf Gronert zwar weiter an Turnieren der Frauen-Tennisorganisation WTA teilnehmen, doch die Profispielerin hat sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. In einer Presseerklärung beklagt sie einen "Rufmord".
© DER SPIEGEL 32/2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH