Mittwoch, 10. Februar 2010

Wirtschaft



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29.12.2008
 

Ökonomie

"Die Welt hat viel zu sehr auf Pump gelebt"

Hasso Plattner ist Multimilliardär. Im Jahr 2008 hat auch er sehr viel Geld verloren. Dennoch verteidigt der SAP-Mitbegründer das System - den Kapitalismus, den Aktienmarkt und sogar die hohen Manager-Boni.

Die zwei Gesichter des Hasso Plattner zeigen sich nirgends so anschaulich wie in Potsdam. Am einen Ende des Universitätscampus steht das nach ihm benannte und von ihm finanzierte Hightech-Institut. Am anderen Ende liegt seine Risikokapitalfirma, mit der Plattner sich an neuen, Zukunft und Gewinn versprechenden Firmen beteiligt.

Dort der Wohltäter Plattner, hier der Kapitalist. Mal Spender, mal Investor. In beiden Fällen muss er Abenteurer sein. Einer wie Plattner hat für beide Seiten Geld, viel Geld. Der gebürtige Berliner gehört zu den fünf Gründern des Software-Giganten SAP und ist damit einer der wenigen Deutschen, die es innerhalb nur einer Generation zu Milliardenvermögen, aber auch zu weltweiter Reputation gebracht haben. Seit seinem Rücktritt als SAP-Chef verbringt Plattner, 64, einen Großteil des Jahres in den USA oder in Südafrika, wo er ein Golf-Hotel betreibt.

Der frühere IBM-Manager ist ein Freund schneller Autos, lässt sich schon mal von Microsoft-Gründer Bill Gates für seine Kunstsammlung loben, liefert sich mit seinem Intimfeind, Oracle-Boss Larry Ellison, wilde Segelduelle - und kehrt doch immer wieder nach Potsdam zurück.

Es ist ein schmutzig-nasser Mittag. Unten auf dem Parkplatz schimmert Plattners silbergrauer Ferrari, dessen Scheiben morgens immer furchtbar beschlagen seien, erzählt er in Hemd und dickem Pullover. Zurzeit sucht er eine Wohnung in der Nähe. Er will nicht immer im Hotel sitzen, wenn er im Großraum Berlin zu tun hat. Ein paar Tage später fliegt er wieder auf die Bermudas. Dort ist wenigstens das Wetter besser. Die Wirtschaftskrise holt ihn ohnehin überall ein.


SPIEGEL: Herr Plattner, wir wollen mit Ihnen über Geld reden.

Plattner: Hm.

SPIEGEL: Ein für die Weltwirtschaft dramatisches Jahr geht zu Ende. Wissen Sie, wie viel Sie persönlich 2008 verloren haben?

Plattner: Was allein meine SAP-Aktien heute weniger wert sind, habe ich - ehrlich gesagt - bisher nicht ausgerechnet. Ist aber nicht schwer. Und es ist sicher viel.

SPIEGEL: Deutlich mehr als eine Milliarde Euro.

DER SPIEGEL 1/2009


TITEL
Eine Prognose
Was läuft 2009 ... und was nicht

Plattner: Zum Glück sind das ja erst mal nur Papierwerte. Die meisten Sorgen mache ich mir in solchen Momenten um meine Stiftung ...

SPIEGEL: ... die hier in Potsdam ein komplettes Universitätsinstitut trägt mit mehreren hundert Millionen Euro. Weil sie mit SAP-Aktien unterfüttert ist?

Plattner: Ja, und natürlich verliert die Stiftung einfach Kapital, wenn die Kurse einbrechen. Auf diese Weise verschwinden eben doch ganz reale Werte.

SPIEGEL: Jemand, der so viel Geld hat wie Sie, wird es zumindest nicht selbst anlegen.

Plattner: Ich habe einen Vermögensberater, der nur für mich arbeitet. Und ich habe ihn in den vergangenen Monaten auch mal gefragt, ob wir zum Beispiel Derivate besitzen. Wir hatten sie nicht. Ich verstehe die nämlich nicht. Das ganze Geschäftsmodell. Das habe ich sogar mal im Konzern gesagt, als das Thema dort aufkam. Da haben manche noch gelächelt.

SPIEGEL: Sie wollen noch wissen, wie ein Geschäft funktioniert?

Plattner: Vor vielen Jahren habe ich mal Geld in Immobilien angelegt, die ich gar nicht kannte. Das ging ziemlich schief. Und wissen Sie was: Ich war selbst schuld. Ich hätte mich ja vorher besser informieren können. Der Unterschied zwischen Reklamefotos im Prospekt und der Realität kann verdammt groß sein. Aber meinem Vater erging es da noch schlimmer.

SPIEGEL: Erzählen Sie!

Plattner: Er hat mal ein Grundstück in Florida gekauft. Gesehen hatte er es nur bei Ebbe. Bei Flut stand es unter Wasser, und ab und zu schwamm ein Krokodil vorbei.

SPIEGEL: Haben Sie selbst sich schon mal richtig verzockt - wie etwa der Ratiopharm-Besitzer Adolf Merckle, der erst mit vielen Millionen Euro gegen die VW-Aktie gewettet hat und am Ende sogar dreist Staatsbürgschaften forderte?

Plattner: Das ist schon eine besondere Art des Spekulierens. Und ich kann für Herrn Merckles Verlust kein Bedauern aufbringen ...

SPIEGEL: ... weil jemand, der auf fallende Kurse setzt, ein Unternehmen schlicht schlechtredet?

Plattner: Nicht unbedingt. Andere sagen, mit Methoden wie diesem sogenannten Shortselling würde man Unternehmen ja auch kontrollieren, denn nur die anfälligen reagieren auch darauf. Letztlich ist aber jede Spekulation eine Wette. Akzeptiert man die Spekulation, muss es auch egal sein, ob auf fallende oder steigende Kurse gesetzt wird. Nur: Wenn ich dabei Geld verzocke, kann ich nicht nach dem Staat rufen wie Herr Merckle.

SPIEGEL: Aktuell ist der SAP-Kurs ziemlich hart abgestürzt. Die übliche ungerechte Flattrigkeit des Marktes?

Plattner: Keine Ahnung. Vielleicht war die SAP ja in früheren Jahren überbewertet.

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