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Ausgabe 3/2009
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Geschichte Giftspur ins Sternenschloss

3. Teil: Wurde ein Mord vorbereitet?

Richtig ist, dass manche Renaissance- Könige aus weit geringeren Anlässen ins Nichts stürzten - auch durch Gift. In der Gruft des 1577 verstorbenen Schwedenherrschers Erik XIV. fand man Arsen.

Einige Literaturforscher glauben gar, dass Shakespeare von dem Seitensprung und der heimlichen Vaterschaft Brahes Wind bekam - und das Thema zu seinem größten Drama verarbeitete. Ebenso wie der reale Dänenkönig lebt sein "Hamlet" auf Schloss Helsingør.

Die neue Mordtheorie stützt sich indes auf härtere Indizien. Immer wieder hat Andersen das merkwürdige Tagebuch Erik Brahes geprüft. Es ist eine bräunliche Lederschwarte, über 600 Seiten dick, die er in der Reichsbibliothek in Stockholm aufstöberte. Das Werk ist angefüllt mit Geheimkrakeln. Die meisten Notizen sind in Latein verfasst.

Eindeutig belegt der Kalender, dass sein Verfasser Anfang 1601 eine große Mission vorbereitete. Überstürzt verließ er sein Schloss in Schweden und traf sich mehrfach mit dem Bruder und anderen Vertrauten des rachewütigen Dänenkönigs, zuerst in einem Hotel in Kopenhagen, dann in Danzig.

Im April reiste Erik Brahe nach Prag und schmeichelte sich sogleich bei dem Astronomen ein, den er bis dahin nicht kannte. Zugleich traf er sich im Dampfbad mit dessen dänischen Feinden.

Seinem Tagebuch vertraute der "Gesandte" derweil schwerste Gewissensbisse an. "Mea culpa", heißt es dort mehrfach ohne weitere Erklärung. Am 4. Juni notierte er: "mea maxima culpa" - meine allergrößte Schuld.

Wurde ein Mord vorbereitet? Tatsache ist, dass Erik Brahe damals in Geldsorgen steckte und offenbar wenig Skrupel kannte. Im Jahr zuvor hatte er sich dazu missbrauchen lassen, den eigenen Schwager durch ein fingiertes Gerichtsurteil zu töten.

Verdächtig ist, dass der Mann auch die Einladung zu jenem Festessen einfädelte, auf dem Tycho Brahe erkrankte. Gastgeber der Gala war Baron Peter Vok von Rosenberg, ein verschwenderischer Wüstling, der neben dem Palast des Kaisers wohnte. Die Recherchen zeigen, dass dem Adligen finanziell das Wasser bis zum Hals stand. Andersen ist überzeugt: "Rosenberg war in die Intrige eingeweiht."

Noch heute sind die Festsäle erhalten, in denen der lebenslustige Firmamentvermesser final tafelte. Zu Cembaloklängen, umgeben von türkischen Teppichen und Damen in Seide, griff er nach Wein und Braten. Dann wurde ihm schlecht.

Erik Brahe schrieb derweil in sein Tagebuch: "Ich war stark, bis ich nicht länger stark sein konnte."

Kaum zurück vom Bankett, litt der Schlemmer Höllenqualen. "Fünf Nächte lang fand er keinen Schlaf", schreibt sein Gehilfe Kepler, "schließlich konnte er unter fürchterlichen Schmerzen mit größter Mühe ein paar Tropfen herauspressen." Hinzu kam "innere Hitze".

Doch der 54-jährige Astronom besaß eine robuste Natur, er erholte sich.

Weil der erste Anschlag scheiterte, so Andersen, folgte der zweite Teil der Giftintrige. Ausweislich seines Tagebuchs erschien der vermeintliche Auftragskiller am 20. Oktober im Haus des Vetters. "Zum Mittagessen bei T. Brahe", notierte er. Den Namen seines Verwandten schrieb er komischerweise mit Geheimzeichen - als wollte er die neuerliche Kontaktaufnahme verdunkeln.

Auch am 22. und am Abend des 23. Oktober betrat er wieder die Stube des langsam Genesenden. Nutzte er den Moment, um ihm Quecksilbersalz ins Glas zu schütten? Zum Todestermin vermerkte er nur das "Ausatmen" Brahes um neun Uhr morgens.

Keine Frage: Der Germanist Andersen hat das Sterbedrama des skandinavischen Planetenmeisters neu ausgeleuchtet. Ob die Fährte tatsächlich zum Mörder führt, bedarf allerdings weiterer Prüfungen.

Alles blickt jetzt zu Brahes Modergruft, deren Grabplatten demnächst beiseitegeschafft werden sollen. Mehrere Fernsehanstalten haben bereits Interesse an der Exhumierung angemeldet.

Vor allem die Dänen sind gespannt. Aber sie bibbern auch.

Der Grund: Der als Drahtzieher unter Verdacht stehende König Christian IV. steht bei unseren nördlichen Nachbarn hoch im Kurs. Er gilt als Beschützer des Vaterlands.

Seine Kriegstaten werden in der Nationalhymne besungen.

Anmerkung der Redaktion: In die Bilderstrecke hatte sich ein Fehler eingeschlichen. Bei dem abgebildeten Observatorium handelt es sich um die "Stjerneborg" nicht um die "Uraniborg". Wir haben inzwischen korrigiert und bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

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