Von John Goetz, Marcel Rosenbach und Alexander Szandar
Zumindest was die Verteidigung der eigenen Behörden-Netze angeht, will die Bundesregierung so lange offenbar nicht warten. Der Gesetzesentwurf aus dem Innenministerium, über den der Bundestag nun beraten soll, sieht vor, das BSI zu einer Art ziviler Cyber-Verteidigungs-Agentur aufzuwerten. Es soll künftig automatisiert die Datenströme etwa des Bundeskanzleramts und der Ministerien überwachen, um Auffälligkeiten schneller erkennen und bekämpfen zu können. Zudem soll die kleine Bonner Behörde widerstrebenden Bundeseinrichtungen nicht nur wie bisher Empfehlungen aussprechen, sondern konkrete "Vorgaben" machen können, etwa die Zahl der offenen Zugänge ins Internet zu reduzieren.
In ihrem bislang unveröffentlichten Bericht zur Lage der IT-Sicherheit in Deutschland 2009 warnen die Sicherheitsexperten, dass nicht nur die Zahl der Angriffe, sondern auch ihre Professionalität stark steigt. Sie prognostizieren nicht nur eine wachsende Gefährdung durch Botnet-Attacken, aber auch durch Angriffe auf große Steuersysteme kritischer Infrastrukturen, etwa von Kernkraftwerken oder Verkehrsleitsystemen.
Die Rheinbacher Netzsoldaten der Bundeswehr haben derweil mit einem besonders tückischen Gegner zu kämpfen: dem deutschen Strafrecht, das eigentlich seit 2007 schon die Vorbereitung von Computersabotage verbietet. Sollten die deutschen Cyber-Krieger tatsächlich Versuchsangriffe auf fremde Netze starten, stünden sie strenggenommen mit einem Bein im Gefängnis. Auf schwere Computersabotage stehen bis zu zehn Jahren Haft.
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© DER SPIEGEL 7/2009
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