AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 8/2009
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16.02.2009
 

Union

"Populist ist kein Schimpfwort"

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer, 59, über seinen Freund Michael Glos, Fehler der CSU und die Lernfähigkeit der Kanzlerin.

SPIEGEL: Herr Seehofer, was haben Sie eigentlich dem armen Michael Glos getan?

Seehofer: Überhaupt nichts. Wie kommen Sie denn darauf?

SPIEGEL: Glos hat Sie mit seinem völlig überraschenden Rücktritt als Wirtschaftsminister ziemlich blamiert.

Seehofer: Es gab keinen Dissens. Im Gegenteil: Er hatte in allen zentralen Vorstellungen meine volle Unterstützung. Wir haben etwa die Steuersenkungen gemeinsam durchgesetzt.

SPIEGEL: Dass er sofort eine Zeitung über sein Rücktrittsgesuch informiert hat, ohne Ihnen die Gelegenheit zu geben, mit ihm zu reden, ist ein klarer Affront.

Seehofer: Ich rate zur Gelassenheit. Mich jedenfalls kann in der Politik kaum noch etwas verwundern. Ich bin auch nicht so feinfühlig, dass ich deswegen noch mehr graue Haare bekomme.

SPIEGEL: Zerstört die Art, wie Glos zurückgetreten ist, das Vertrauen in die Politik?

Seehofer: Nein. Ich habe ein sehr persönliches Gespräch mit ihm geführt und kenne die gesamten Begleitumstände. Die sind komplexer, als sie gelegentlich in der öffentlichen Darstellung erscheinen.

SPIEGEL: Uns kam es so vor, als habe Glos Rache genommen an einem, von dem er sich schlecht behandelt fühlte.

Seehofer: Mir kam es nicht so vor.

SPIEGEL: Der frühere Staatskanzleichef Eberhard Sinner erzählt, Sie seien "nicht optimal in der Menschenführung".

Seehofer: Ich kann Ihnen gern eine Liste von Menschen geben, die etwas Kritisches über mich sagen werden. Mit Telefonnummern, da können Sie dann anrufen.

SPIEGEL: Danke, die haben wir schon.

Seehofer: Aber nicht von mir.

SPIEGEL: Franz Müntefering nannte die Umstände der Glos-Entlassung "unwürdig".

Seehofer: Wenn ich mich an die Umstände des Rücktritts von Müntefering als Parteivorsitzender selbst erinnere, wenn ich mich an den Umstand des Rücktritts von Kurt Beck erinnere, dann denke ich an den alten bayerischen Grundsatz: Er soll vor der eigenen Haustür kehren.

SPIEGEL: Michael Glos wirkte nicht nur amtsmüde, er wirkte hundemüde. Warum haben Sie ihn nicht gleich nach Ihrem Amtsantritt von seiner Aufgabe erlöst? Er hatte das im Herbst selbst angeboten.

Seehofer: Es war ja nicht so, dass Michael Glos keine gute Führung seines Amtes vorzuweisen hätte. Er hat viel erreicht.

SPIEGEL: Früher galt die CSU mal als stabilste und solideste Partei in Deutschland.

Seehofer: Wieso, bitte schön, früher?

SPIEGEL: Würden Sie bestreiten, dass dieser Ruf ruiniert ist?

Seehofer: Liebe Leute, jetzt macht mal schön langsam. Wir hatten ein turbulentes Wochenende. Es ist schnell entschieden worden, und inzwischen ist die CSU die jüngste, frischeste und kompetenteste Partei in Deutschland.

SPIEGEL: Auf viele Beobachter wirkte sie lange wie ein Verein für Dilettanten und Intriganten.

Seehofer: Wollen Sie mich für die Beobachter verantwortlich machen?

SPIEGEL: Wir wollen mit Ihnen darüber reden, wie die CSU in solche Schwierigkeiten geraten konnte.

Seehofer: Wir hatten unbestreitbar ein schlechtes Ergebnis bei der letzten Landtagswahl. Ich weiß aber, dass dieses Wahlergebnis kein Versehen der Bevölkerung war. Wir waren einfach nicht mehr gut genug. Das zwingt uns zu Veränderungen.

SPIEGEL: Und wie konnte es so weit kommen?

Seehofer: Das lag - so seltsam das klingen mag - auch an diesem grandiosen Wahlsieg aus dem Jahr 2003, nach dem wir im Landtag über eine Zweidrittelmehrheit verfügten. Danach ging es stetig bergab.

SPIEGEL: Der Erfolg hat Sie gemütlich und selbstzufrieden werden lassen?

Seehofer: Ja. Manchmal ist der Erfolg Feind des Erfolges. Er spornt nicht mehr zu Höchstleistungen an. Es entstand plötzlich der fatale Eindruck, wir stünden über den Dingen. Die Bürger hatten das Gefühl: Die sind überheblich. Das war ein schlechter Politikstil. Zudem haben wir zehn Jahre lang auf eine personelle, zukunftsorientierte Erneuerung verzichtet. Bei vielen Themen fehlte uns auch die alte Trittfestigkeit. Manchmal haben wir überzogen, wie beim Rauchverbot, oder wir haben zu wenig gemacht, wie in der Bildungspolitik. Ich will das alles korrigieren, damit die CSU wieder Extraklasse wird. Wir sind da schon ganz gut in der Spur.

SPIEGEL: In Berlin ärgern sich viele über Sie und Ihren Populismus. Sie seien eine Belastung für die Bundesregierung, heißt es, weil Sie nur an die eigene Partei und an Bayern, aber nicht an Deutschland denken. Warum sind Sie so egoistisch?

Seehofer: Diese Melodie habe ich schon oft gehört. Es stimmt: Die Erbschaftsteuer ist so umgesetzt worden, wie wir das wollten. Das BKA-Gesetz ist so gekommen, wie wir es wollten. Im Konjunkturprogramm stehen unsere Positionen. Die Steuersenkungen wären ohne uns nie gekommen. Wir haben uns eben mit unseren Argumenten durchgesetzt. Wieso bin ich deswegen ein Querulant oder ein Egomane?

SPIEGEL: Und jetzt geht alles hopplahopp. Karl-Theodor zu Guttenberg ist 37, Ihr neuer Generalsekretär und seine Stellvertreterin sind ebenfalls unter 40. Muss man jung und unerfahren sein, um es in der CSU unter Seehofer zu etwas zu bringen?

Seehofer: Bei uns gibt es keine Altersgrenze, aber wir haben zu lange die Erneuerung verschlafen. Das wird jetzt so offenkundig wahrgenommen, weil die Erneuerung auf einen Schlag stattfindet. Alle anderen Parteien haben das noch vor sich. Die ehemals so junge grüne Truppe schaut alt aus, die SPD schaut noch älter aus - alles andere zu bewerten ist nicht meine Sache.

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Der neue Wirtschaftsminister ist der alte ... der sich ja noch schnell kurz vor der Wahl gründlich blamiert hat. Und sicher inzwischen nicht noch schnell ein Volkswirtschaftsstudium abgeschlossen hat, wodurch ausgeschlossen ist, [...] mehr...

05.10.2009 von ergoprox:

Na immer hin dutzt er sich mit Thomas Gottschalk, hat also die Rentnergeneration auch schon "eingefangen", dann noch die Techno-Generation mit seiner netten Geschichte des "zufälligen Kennenlernens" der von und [...] mehr...

04.10.2009 von blackfellow: Wenn ich Guttenberg sehe,

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03.10.2009 von babblefish: Guttenberg die/der Allzweck(w)affe

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