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Ausgabe 9/2009
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23.02.2009
 

Prominente

Das Projekt Davorka

Von Dialika Krahe

Jetzt, in der Zeit der Filmbälle, ist die Hochsaison für Starlets. Frauen wie Davorka Tovilo bewegen sich auf roten Teppichen, als wären sie auf dem Weg nach oben. Dabei sind sie nur die Statisten eines Geschäfts, das nach Nachschub giert.

Donnerstagabend, kalt, aber trocken, die Geschäfte rund um die Münchner Bayerstraße machen gerade Feierabend, als Davorka Tovilo, gläubige Katholikin, mal wieder beschließt, ihre Brüste an die Medien zu verkaufen.

Mit kleinen Schritten stöckelt sie auf den roten Teppich, der an diesem Abend ihre Bühne sein soll. Sie trägt ein transparentes Stück Stoff, das an einem Halsband aus rotem Lackleder befestigt ist. Tovilo nennt es Kleid, darunter ist sie nackt, bis auf ein paar Glitzer-Leggins, die an ihren Beinen kleben. Der rote Teppich führt in ein Kino, Multiplex, in dem gleich eine Filmpremiere stattfinden soll. Wenn das Geschäft gut läuft für sie, führt der Teppich auch in den "Münchner Merkur", in die "tz", in die "Bild"-Zeitung, vielleicht sogar in die überregionale Ausgabe. Führt auf die Startseiten von münchen.de, gmx.de und bild.de. "Davorka klickt gut", sagt sie, 10.000 Klicks am Tag, "das ist 'ne gute Quote."

"Denk dran, Davo", ruft ihr jetzt Peter von Schall, der Manager, hinterher und macht eine Geste, die ihr zeigt, sie solle ein Hohlkreuz machen, schön das Kinn hoch und die Brust raus, damit man sie im Blitzlicht besser sehen kann. Sie rollt die Augen, genervt, tut dann aber wie befohlen. Schließlich ist er der Manager, er weiß, was gut ist für das "Projekt Davorka".

Tovilo und ihr Manager leiten, wenn man so will, ein kleines Unternehmen. Eines, das auf rote Teppiche spezialisiert ist, auf Galaveranstaltungen und Filmpremieren. Das Produkt, das sie verkaufen, ist eine Busenphantasie, die nur existiert, sobald es Fotografen gibt und Fernsehteams.

Sie dreht sich in die Kamera, lasziv, lächelt ihr Scarlett-Johansson-Lächeln, und dann passiert es: Das Blitzlicht verschlingt sie. Von vorn, von der Seite, von unten und oben: "Schau noch mal über die Schulter", rufen die Fotografen, "hierher!", sagen sie und "wunderschön". Am nächsten Tag ist ihr Bild in den Zeitungen.

Davorka Tovilo, 30 Jahre alt, hat es in der Film- und Medienwelt zu dem gebracht, was man ein Starlet nennt. Jene Sorte Frau, der es auf wundersame Weise gelingt, berühmt zu sein für etwas, von dem niemand genau weiß, was es ist. Davorka Tovilo kann nicht singen, kann nicht tanzen, kann nicht gut schauspielern. Eigentlich hat sie nur ein geheimnisvolles Lächeln und ein paar Silikonbrüste zu bieten in Größe 75 D. Und die Bereitschaft, sich zu inszenieren, mal selbstbewusst, mal unterwürfig, manchmal hemmungslos, aber immer akribisch vorbereitet.

Es ist früh am Nachmittag vor der Premiere, Davorka Tovilo hockt, Gänsehaut auf dem nackten Rücken, auf einem Klappstuhl in einem Münchner Kelleratelier.

"Wenn man in die Zeitung will", sagt sie, "muss man denen was Besonderes bieten." Eine Idee müsse man haben, ein verrücktes Outfit für die Fotografen. Busenzeigen sei hilfreich, ja, aber es sei auch wichtig, wie man den Busen präsentiere. Deshalb soll ihr der Tätowierer heute "ein heißes Bodypainting malen, passend zum Film".

Starlets sind Geschäftsfrauen, ihre Schönheit ist ihr Kapital, die Inszenierung ihr Businessplan, ihre Währung die Aufmerksamkeit. Davorka Tovilo wird nie eine Paris Hilton sein, und doch: Beide arbeiten in demselben Gewerbe. Die eine ganz oben, die andere ganz unten.

Ganz oben, da steht man in New York auf dem roten Teppich, in Hollywood und L. A., und ein geübter Schlafzimmerblick reicht, um auch mal den bestbezahlten Schauspielern der Welt die Show zu stehlen. Ganz oben, da verlangt man geschätzte 150.000 Dollar "Appearance-Fee" für die Anwesenheit auf einer Party.

Ganz unten, da springt man in einem Dirndl aus 3.600 Meter Höhe und lässt sich dabei von Sat.1 filmen. Da ist man Teilnehmer der Wasserrutsch-WM auf ProSieben und erzählt den Fernsehzuschauern, ob es weh tut. Ganz unten, da bekommt man an einem guten Tag 500 bis 1.000 Euro, von Privatsendern, dafür, dass sie mit der Kamera dabei sein dürfen, ganz nah.

"Du siehst müde aus", sagt ihr Manager und begutachtet Tovilos Körper von der Seite. "Über die Augenringe, da müssen wir aber auch noch drübermalen." Von hinten zieht ihr der Tätowierer Linien auf die Schulter, erst ganz klein, Konturen nur, dann immer größer, bis ein schwarzer Rabe über ihren Rücken fliegt.

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