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Ausgabe 10/2009
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02.03.2009
 

Kino

Über dem Gesetz

Von Andreas Borcholte

Der finstere Comic-Klassiker "Watchmen" galt als unverfilmbar. Jetzt will Regisseur Zack Snyder das Gegenteil beweisen.

Man sollte nicht unbedingt vermuten, dass Regisseure von Superhelden-Filmen Morddrohungen bekommen. Worum soll es schon gehen? Ein paar Stunden spannender Zoff, spektakuläre Effekte, reichlich Popcorn dazu - wer wird sich darüber aufregen?

Zack Snyder, der Regisseur von "Watchmen", weiß es besser. Seit ihm 2007 mit der visuell beeindruckenden Verfilmung des Schlachtengetümmel-Comics "300" ein Überraschungs-Hit gelang, ist Snyder zwar ein Held in den Kreisen der Geeks und Nerds. Doch jene ebenso picklige wie kaufkräftige Zielgruppe junger Männer, die ihre Lieblingscomics Bild für Bild, Sprechblase für Sprechblase auswendig aufsagen können, beäugt auch jede Umsetzung eines Kultklassikers mit kritischem Furor- und Extremfans schrecken selbst vor Todesdrohungen nicht zurück.

Mit seiner neuesten Comic-Verfilmung macht sich Snyder, 43, nun besonders angreifbar, denn der ehemalige Werbefilmer hat sich an den Heiligen Gral der Szene gewagt: Ende dieser Woche läuft weltweit seine Kinofassung der zwölfbändigen Heftreihe "Watchmen" an. "Watchmen" gilt als Quantensprung des Comic-Genres in eine erwachsenere Kunstform.

Die Reihe wurde 1986 von zwei Briten geschaffen, dem Texter Alan Moore und dem Zeichner Dave Gibbons. Genervt vom Strahlen der üblichen Superhelden und verängstigt durch die atomare Bedrohung, stellte sich Moore die schlichte Frage: Was wäre, wenn es wirklich Menschen gäbe, die sich Masken und Kostüme anziehen und sich über das Gesetz stellen? Wie sähe die Welt dann aus?

Mit einem Wort: grauenhaft. In der Welt der "Watchmen" begeht Präsident Richard Nixon gerade seine fünfte Amtszeit, während die Sowjetunion und die USA erbitterter denn je ihre Kräfte messen. Es gibt eine Gruppe von ehemaligen Superhelden, die per Gesetz in Rente geschickt wurden. Nachdem einer von ihnen ermordet worden ist, nimmt ein Ex-Kollege namens Rorschach die Ermittlungen auf und klappert seine alten Kampfgefährten ab. Bald stellt sich heraus, dass eine gigantische Verschwörung im Gange ist.

Die "Watchmen"-Erfinder schufen ein Panoptikum der Heldenzerrbilder: Die strahlenden Sieger und Gutmenschen, die in Marvel- und DC-Comics das Unrecht bekämpften, wurden zu Psychopathen und Fetischisten, die aufgrund ihres Bürgerwehrtums immer mit einem Latexhosenbein im Faschismus stehen. "Who watches the Watchmen?" - wer guckt den Leuten auf die Finger, die über uns wachen?, so lautete die Frage, mit der "Watchmen" seinen Siegeszug durch die Popkultur antrat. 2005 wurde das Werk als einziger Comic vom Magazin "Time" unter die 100 besten englischen Romane seit 1923 gewählt.

Und jetzt soll diese mit Symbolik, politischer Botschaft und viel popkulturellem Ballast aufgeladene Geschichte auch die Leinwände erobern. Auch hier stellt sich die Frage: Who will watch the Watchmen? Denn um einen Kassenhit wie "300" (weltweites Einspielergebnis: 456 Millionen Dollar) oder "The Dark Knight" (über eine Milliarde Dollar) zu schaffen, muss man auch ganz normale Zuschauer erreichen.

Wie aber lockt man diese Nicht-Fans in einen Film, der rund 160 außerordentlich blutige Minuten lang von einer Bande Antihelden erzählt? Snyders "Watchmen"-Verfilmung ist grandios in ihrer Visualität und ihrem Detailreichtum, zuweilen aber auch sehr anstrengend in ihrem Willen, der erste Superhelden-Film auf Autorenkino-Niveau zu sein.

Nichts hasst Snyder mehr als Comic-Fabrikware wie die "Fantastic Four" oder den jüngsten, arg nostalgischen Superman-Film. Er will "die Subversivität der Vorlage auf die Leinwand transportieren". Ein erwachsenes Publikum wird der Film ohnehin anziehen: Wegen der überbordenden Gewalt dürfen Jugendliche in den USA die "Watchmen"-Vorstellungen nur in Begleitung Erwachsener besuchen. Zu sehen ist unter anderem eine Szene, in der eine schwangere Frau erschossen wird - aber auch die erste echte Sexszene eines Superhelden-Films.

Der "Watchmen"-Erfinder Alan Moore zog seinen Namen übrigens schon früh von dem Filmprojekt zurück. Bereits Ende der Achtziger hatte er verkündet, dass er "Watchmen" für nicht verfilmbar halte. Im Gegenteil: Er habe gerade zeigen wollen, was das Medium Comic dem Kino voraushat. Den Liebesentzug des Meisters nahm Snyder als Ansporn, den Comic so originalgetreu wie möglich umzusetzen. "Außerdem haben wir den Figuren etwas verliehen, was nur Kino wirklich gut kann, nämlich emotionale Tiefe."

Ob das reicht, um "Watchmen" zum ersten richtigen Blockbuster des Jahres werden zu lassen? Die Fans dürfte Snyder zunächst auf seiner Seite haben. Nachdem monatelang die Spannung in den einschlägigen Internet-Foren und Blogs geschürt worden ist, werden die Getreuen dem Film ein hervorragendes Startwochenende bescheren. "Für mich steht dennoch einiges auf dem Spiel", sagt Snyder. "Wenn das hier schiefgeht und die Leute den Film hassen, habe ich meinen Bonus bei den Fans verspielt. Dann muss ich für den Rest meines Lebens romantische Komödien drehen."

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insgesamt 36 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
28.03.2009 von Rockaxe: wie-so

Leider konnt ich den Film bis jetzt noch nicht anschauen, kenne aber die Comic (im Original) sowie die Übersetzungen und finde sie sehr gelungen. Ist halt kein Mainstream. Aber der Autor des Berichtes hätte sich vielleicht auch [...] mehr...

23.03.2009 von Chinasky: Genial

Ich kannte das Comic-Original nicht. Am Freitag aus dem Kino zurückgekehrt, wurde sofort auf amazon gesurft und die Vorlage bestellt. Ich war restlos begeistert von dem Film. Er war überhaupt nicht verwirrend, sondern leicht [...] mehr...

15.03.2009 von Pablo alto: Unverfilmbar?

Das gibt es nicht. "Verfilmen" (alleine schon dieses Wort - wie heißen die Pendants: Verschreiben? Verromanen? Veropern? Verzeichnen?) kannst du alles. Nur zwei Fragen stellen sich: Hat das Ergebnis als Film Bestand? [...] mehr...

15.03.2009 von abgang: Misslungen

Vorab - ich kenne den Comic und konnte die Begeisterung dafür leider nie nachvollziehen. So habe ich mir also den Film, velockt von den optisch und akustisch interessanten Trailern - wieder einmal kommt Philip Glass' Pruit Igoe [...] mehr...

12.03.2009 von nyarlathotep: Ein sehr guter Film und absolut empfehlenswert! (Teil2)

Optisch ist der Film eine wahre Pracht. Einzelne Szenen in "Watchmen" sind dort, wo das Medium Film sie entsprechend präsentieren kann, direkt übernommen. Allerdings wird nicht wie bei "Sin City" diese optische [...] mehr...

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