AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 13/2009
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Kino Gute Deutsche, böses Land

Das Genre der Filmbiografie boomt. Neue Leinwand-Epen wollen nationale Ikonen wie Robert Bosch, Albert Schweitzer oder Romy Schneider feiern. Ein Film über John Rabe, der 1937 in China Tausende Menschen rettete, beschreibt die Wandlung eines Nazis zum Wohltäter.

Angstvoll schaut er zum Himmel, zu den Tieffliegern, die ihre Bomben mitten in die flüchtende Menge werfen. Der deutsche Geschäftsmann John Rabe, Vertreter des Siemens-Konzerns im ostchinesischen Nanking, erlebt im Dezember 1937, wie japanische Kampfpiloten das Firmengelände attackieren und hilflose Zivilisten töten.

Im Augenblick der Verzweiflung kommt ihm plötzlich die rettende Idee. Rabe, seit Jahren Mitglied der NSDAP, lässt eilends eine riesige Hakenkreuzfahne, die ihm die Partei nach China geschickt hat, entfalten. Zusammen mit zahllosen Einheimischen kauert er sich unter das Tuch. Und tatsächlich: Die mit Deutschland verbündeten Japaner stellen den Angriff ein.

In dem Film "John Rabe", einer Biografie des "guten Deutschen von Nanking", der 1882 in Hamburg geboren wurde und in China noch heute wie ein Volksheld verehrt wird, setzt Regisseur Florian Gallenberger, 38, eine unerhörte Szene ins Bild. Die ist zwar historisch verbürgt, wirkt aber deshalb nicht weniger beklemmend: Das Hakenkreuz, Symbol der Nazi-Barbarei, rettet unschuldigen Menschen das Leben.

Die 15 Millionen Euro teure deutsch-chinesisch-französische Co-Produktion kommt nächste Woche ins Kino, Ulrich Tukur spielt die Titelfigur. Der Film wagt sich in heikles Neuland vor: Es ist ein Heldenepos über einen Nazi, wenngleich einen wenig fanatischen, der eher widerwillig, durch die Umstände getrieben zum Wohltäter wird. So etwas durften bisher nur Amerikaner zeigen, allen voran Steven Spielberg in seinem Oscar-Gewinner "Schindlers Liste" (1993). Im deutschen Kino dagegen war der "gute Nazi" bislang tabu.

Doch nun entdecken Regisseure auch hierzulande, zuletzt noch ermuntert durch den Erfolg des Stauffenberg-Dramas "Operation Walküre" mit Tom Cruise, das Interesse an zwiespältigen Nationalhelden. Die Produktionsfirma Niama etwa arbeitet an einem Film über Robert Bosch (1861 bis 1942). Der schwäbische Firmengründer, der unter anderem den Magnetzünder erfand, unterstützte im Dritten Reich, auch mit Einnahmen aus der Rüstungsindustrie, den liberalen Widerstand gegen Hitler.

Eine ganze Reihe von Kinowerken über deutsche Ikonen ist bereits abgedreht oder noch in Planung: Filmbiografien, in den USA kurz "biopics" genannt, über Hildegard von Bingen, Johann Wolfgang von Goethe, Albert Schweitzer oder auch Romy Schneider. Deutsches Leben, bislang eher eine Domäne des Fernsehens ("Krupp"), erobert mit Macht die Leinwand. Auf einmal dürfen die herausragenden Gestalten der nationalen Geschichte wieder überlebensgroß auftreten und dafür bewundert werden, dass sie Gutes tun und sich an der deutschen Wirklichkeit reiben.

Jahrzehntelang galt dem deutschen Kino die Idee des Nationalhelden als suspekt. Zu sehr hatten die Nazis fragwürdige Figuren wie echte Heroen für ihre Mythenbildung missbraucht. Regisseure in anderen Ländern dagegen, in den USA, Frankreich oder Großbritannien, drehten Filme über Ludwig van Beethoven, Robert Schumann, Erwin Rommel oder das Fliegerass Manfred von Richthofen, den "Roten Baron". Erst 2008, fast 40 Jahre nach dem amerikanischen Richthofen-Spektakel, folgte das deutsche.

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insgesamt 20 Beiträge
alfons mumm 25.03.2009
Macht ohne Moral - Eine Dokumentation über die SS von Raimund Schnabel Dieses Buch will ein sachlicher Beitrag zur Auseinandersetzung über die Schutzstaffel der NSDAP sein. Sie ist dabei im besten Sinne objektiv, denn sie [...]
Macht ohne Moral - Eine Dokumentation über die SS von Raimund Schnabel Dieses Buch will ein sachlicher Beitrag zur Auseinandersetzung über die Schutzstaffel der NSDAP sein. Sie ist dabei im besten Sinne objektiv, denn sie bringt zur Aufhellung der Geschichte der SS im wesentlichen Selbstzeugnisse dieser Organisation, die im amtlichen Schriftverkehr, in Befehlen, Verordnungen und Originalfotografien ihren Niederschlag gefunden haben. Man kann die vorliegenden Dokumente nicht ohne tiefe Erschütterung zur Kenntnis nehmen, und man muß auf Grund ihres Studiums zu der Schlußfolgerung kommen, daß die SS den Machtanspruch Hitlers besonders brutal verkörperte. Hitlers Macht, ohne jede ethische oder humanitäre Bindung, war unmoralisch. Die SS gehorchte blind jedem Befehl ihres Führers und verwirklichte ihn rücksichtslos - auch den Befehl zu tausenfachem Mord. Die Macht der SS von Hitlers Gnaden war eine Macht ohne Moral. http://www4ru.dr-rath-foundation.org/publication_library/histbooks.htm
Barath 25.03.2009
Ich halte es für wichtig das über den Nationalsozialismus (z.B. in der Schule) aufgeklärt wird, und vielleicht ist es für den ein oder anderen in dieser Hinsicht "unwissenden" Amerikaner oder von der [...]
Zitat von sysopDas Genre der Filmbiografie boomt. Neue Leinwand-Epen wollen nationale Ikonen wie Robert Bosch, Albert Schweitzer oder Romy Schneider feiern. Ein Film über John Rabe, der 1937 in China Tausende Menschen rettete, beschreibt die Wandlung eines Nazis zum Wohltäter. http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,614999,00.html
Ich halte es für wichtig das über den Nationalsozialismus (z.B. in der Schule) aufgeklärt wird, und vielleicht ist es für den ein oder anderen in dieser Hinsicht "unwissenden" Amerikaner oder von der "Erbschuld" genervten Deutschen ja auch etwas gutes, mal von sog. "guten" Deutschen wie Scholl, Rabe, Schindler und Stauffenberg zu erfahren. Was aber die Unterhaltung angeht ist dieses Thema so ausgelutscht und abgedroschen, daß ich mir sowas mittlerweile gar nicht mehr angucke, höchstens nochmal eine der geschätzten 5 Millionen Dokumentationen die dazu zu sehen sind. Ich frage mich manchmal, ob diese Dauerberieselung einem Verständnis dieser Zeit und seiner Menschen nicht eher im Wege steht, nur allein weil es anfängt zu langweilen.
alfons mumm 25.03.2009
Ich wäre Ihnen sehr dankbar wenn Sie mir als "Unwissender" erläutern könnten weshalb Stauffenberg zu den Guten zählt.
Zitat von BarathIch halte es für wichtig das über den Nationalsozialismus (z.B. in der Schule) aufgeklärt wird, und vielleicht ist es für den ein oder anderen in dieser Hinsicht "unwissenden" Amerikaner oder von der "Erbschuld" genervten Deutschen ja auch etwas gutes, mal von sog. "guten" Deutschen wie Scholl, Rabe, Schindler und Stauffenberg zu.....
Ich wäre Ihnen sehr dankbar wenn Sie mir als "Unwissender" erläutern könnten weshalb Stauffenberg zu den Guten zählt.
Barath 25.03.2009
XD Ja, da haben sie recht. Rennen sie keine offenen Türen ein, ich sehe das wahrscheinlich genauso wie sie. Ich kam eher aus Aktualitätsgründen auf den Namen, weil ich anlässlich des Filmstarts von "Operation [...]
Zitat von alfons mummIch wäre Ihnen sehr dankbar wenn Sie mir als "Unwissender" erläutern könnten weshalb Stauffenberg zu den Guten zählt.
XD Ja, da haben sie recht. Rennen sie keine offenen Türen ein, ich sehe das wahrscheinlich genauso wie sie. Ich kam eher aus Aktualitätsgründen auf den Namen, weil ich anlässlich des Filmstarts von "Operation Walküre" ein Interview sah, in dem sich ein erstaunter Amerikaner dazu äußerte, daß er gar nichts von innerdeutschem Widerstand gegen Hitler gewußt habe. Deswegen auch das "in dieser Hinsicht unwissend", welches sie wiederholt haben. Und auch wenn die Motive Stauffenbergs nicht viel mit Menschlickeit zu tun hatten, so war er doch wohl trotzdem ein Widerstandskämpfer gegen Hitler... wenn auch ein etwas später. Ausserdem war vor dem "guten" ein "sog.".
derweise 25.03.2009
Stauffenberg gehört zu den Guten, weil er Hitler töten wollte.
Zitat von alfons mummIch wäre Ihnen sehr dankbar wenn Sie mir als "Unwissender" erläutern könnten weshalb Stauffenberg zu den Guten zählt.
Stauffenberg gehört zu den Guten, weil er Hitler töten wollte.
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