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Ausgabe 16/2009
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11.04.2009
 

Unterhaltung

Schamlos auf Hochglanz

Von Julia Bonstein

Die US-Serie "Gossip Girl" porträtiert die frühreifen Teenager der New Yorker High Society. Eleganter hat sich Boshaftigkeit im Fernsehen selten präsentiert.

Wenn US-Fernsehteenager im Nachmittagsprogramm Cocktailpartys feiern und Intrigen spinnen, waren das bislang gute Zeiten zum Abschalten und Träumen. Reich und schön, poppig-bunt und ziemlich kalifornisch geht es in Serien wie "Beverly Hills, 90210" oder "O.C., California" zu. Weit entfernt vom bundesdeutschen Alltag verhandelten dort verwöhnte Jugendliche Petitessen; irreal und harmlos erschien die zur Schau gestellte Dekadenz.

Wenn am kommenden Samstag nun "Gossip Girl" in Deutschland als neues Prestigeprojekt des Senders ProSieben startet, scheint auf den ersten Blick vieles wie gehabt: Langbeinige 16-Jährige lümmeln sich in viel zu erwachsenen Posen in Bars und elterlichen Schlafzimmern, für Missgunst und Spannung sorgen Fragen nach dem ewig neuen Wer-mit-wem.

Doch "Gossip Girl" ist mehr als die übliche Teenie-Soap; durch ihren satirischen Blick auf die New Yorker Upper East Side wird diese Serie zu einem besonderen Vergnügen. Wunderbar böse und berechnend schmieden hier Privatschüler ihre Liaisons dangereuses und zerstören diese Allianzen je nach Nutzen und Belieben. Um Sex in der City geht es natürlich auch, vor allem aber um Ruchlosigkeit und Macht. Geld und Status allein entscheiden bei diesen Biestern über Freundschaften und Freundlichkeiten. Elitäre Floskeln, Perlenketten und karierte Schulröckchen versehen die Gehässigkeiten der Privilegierten mit einem stets adretten Schein. "Gossip Girl" inszeniert Schamlosigkeit auf Hochglanzniveau.

Rücksichtsloser noch als die Teenager ziehen deren Eltern die sozialen Strippen: Mütter setzen ihre Töchter als Models für die eigene Modelinie ein - und lassen sie wieder fallen, wenn sie dem Fotografen nicht gefallen. Ein kokainschnupfender Vater will über die Liebesbeziehungen seines Sohnes gar die eigene Karriere an der Wall Street steuern. "Wir haben Anspruch auf unseren Treuhandfonds, auf ein Haus in den Hamptons, auf jeden Fall auf ein Drogenproblem, aber Glück steht bestimmt nicht auf der Agenda", formuliert ein Wall-Street-Spross in einem nachdenklichen Moment.

Genauer ließe sich ein Sittenbild der New Yorker Spekulantenschicht kaum zeichnen. Von der Finanzkrise, durch die das Teenie-Drama heute geradezu moralisch-mahnende Untertöne gewinnt, war zum amerikanischen Ausstrahlungsbeginn 2007 allerdings nichts zu ahnen.

Als "Best. Show. Ever" feierte das "New York Magazine" die Serie, die auf einer Bestseller-Jugendbuchreihe beruht, und pries ihre "hintergründige Gesellschaftskritik". Die "New York Times" konstatierte stilprägenden Einfluss in Sachen Mode, und zahlreiche Online-Medien verfolgen bis heute minutiös den Handlungsverlauf der zweiten Staffel.

Seinen Kultstatus verdankt "Gossip Girl" vor allem dem Internet: Während die Serie im amerikanischen Fernsehen nur durchschnittliche Einschaltquoten erreicht, wurde sie im Netz ein wahrer Hit. Der US-Sender CW stellt die Episoden eine Woche nach der Ausstrahlung gratis auf seiner Homepage zur Verfügung. Aber auch im kostenpflichtigen iTunes-Shop der Firma Apple und auf zahlreichen illegalen Seiten rangieren "Gossip Girl"-Folgen unter den meistgefragten Download-Artikeln.

Das Risiko, auf diese Weise Einschaltquoten und Werbeeinnahmen zu verlieren, will ProSieben nicht eingehen: Anders als bei beliebten Shows wie "Germany's Next Topmodel", die beim Münchner Sender nach der Ausstrahlung gratis im Netz zu sehen sind, ist ein solcher Service bei "Gossip Girl" nicht geplant - zukünftige Fans sollen tatsächlich, ganz altmodisch, vor dem Fernseher Platz nehmen.

In der Serie spielt die digitale Welt eine Hauptrolle: Klatsch und Tratsch und Niederträchtigkeiten verbreiten die Jugendlichen am liebsten über Laptops und Handys. Als Sammelstelle für entlarvende Textnachrichten und Handy-Fotos agiert dabei eine Bloggerin - das "Gossip Girl", das die Handlung als allwissende Erzählstimme kommentiert, dabei aber niemals selbst in Erscheinung tritt. Die Allgegenwärtigkeit dieser anonymen Voyeurin sorgt für sinistre Spannung.

Im Hintergrund der ersten Staffel lauert ein weiteres dunkles Geheimnis: Die 16jährige Serena van der Woodsen (Blake Lively) hat die Upper East Side aus mysteriösen Gründen verlassen und kehrt nach einem Jahr im Internat zurück. Die Clique, deren Kopf sie einst war, hat sich inzwischen neu formiert. Die gleichaltrige Blair Waldorf (Leighton Meester) agiert nun als ebenso intrigante wie elegante Anführerin. Aus ehemals besten Freundinnen werden Rivalinnen.

Das Gerangel um Aufmerksamkeit, Boyfriends und College-Bewerbungen ist brutal - und dabei immer hübsch anzusehen: Neben exzessiven Partys veranstalten die Aristokids üppige Maskenbälle und elegante "Soirées" mit Wartelisten; den Hummer im Restaurant bezahlen sie mit den Kreditkarten der Eltern.

Wer bei dieser teuren Maskerade nicht mithalten kann, bleibt Außenseiter. Das zeigt sich am Beispiel von Dan und Jenny Humphrey, einem Geschwisterpärchen aus Brooklyn, das die Privatschule als Stipendiaten besucht. Dan verliebt sich in Serena, er bildet so etwas wie das Mittelklassegewissen der Serie.

Seine Schwester Jenny (Taylor Momsen) dient sich der Mädchenclique mit Botengängen und anderen servilen Gefälligkeiten an. Beim Versuch, die soziale Leiter zu erklimmen, wird Jenny schließlich sogar zum Diebstahl angeleitet - ein Aufstieg in Anstand scheint in Manhattan schlicht unmöglich. In der Fernsehrealität regieren weiterhin Geld und eloquente Gemeinheiten. Eine Besserung ist, zum Glück der Fans, einstweilen nicht in Sicht: Änderungen am Skript aufgrund der Finanzkrise hat der Sender kürzlich ausgeschlossen.

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