SPIEGEL: Wo haben Sie Matschiner getroffen?
Hütthaler: In einem Hotel in einer kleinen Seitengasse neben dem Casino in Linz.
SPIEGEL: Sie hatten wieder keine Bedenken?
Hütthaler: Nein, es kribbelte richtig in mir. Ich fühlte mich wie eine Darstellerin in einem Spionagefilm. Ein geiles Gefühl, vergleichbar mit dem Moment, in dem man sich die Spritze setzt. Kurz kommen Zweifel auf, du denkst: Puh, ist das heftig, was du da gerade machst, und in der nächsten Sekunde hast du den Gedanken schon wieder verdrängt. Darin war ich perfekt.
SPIEGEL: Wie verlief der erste Deal?
Hütthaler: Matschiner kam an meinen Tisch und bat mich, ihm ins Hotel zu folgen. Draußen saßen ihm zu viele Gäste. Er hat mir dann die Tüte mit den Epo-Spritzen gegeben. Ich zahlte in bar.
SPIEGEL: Wie viel haben Sie für die Dopingmittel ausgegeben?
Hütthaler: Insgesamt rund 20.000 Euro innerhalb von zwei Jahren.
SPIEGEL: Woher hatten Sie das Geld?
Hütthaler: Es hat gerade so gereicht. Ich habe 2006 schon ein bisschen als Sportlerin verdient. Ein gewisses Niveau musst du schon erreicht haben.
SPIEGEL: Wann haben Sie den Epo-Motor, wie Sie es nennen, zum ersten Mal gespürt?
Hütthaler: Etwa zwei Wochen nach der ersten Injektion konnte ich Intervalle rennen, ohne einen Funken Müdigkeit zu spüren. Ich hängte meine Kumpel am Berg ab und dachte: Wow! Mehr davon. An den Staatsmeisterschaften 2006 nahm ich gedopt teil und wurde Zweite.
SPIEGEL: Hatten Sie keine Angst, erwischt zu werden?
Hütthaler: Nein. Ich dachte, wenn es jemanden erwischt, bestimmt nicht mich, sondern die Profis. Matschiner erstellte mir einen Dopingplan. Notierte, wann ich was nehmen muss, um beim Wettkampf fit zu sein, ohne überführt zu werden. Er sagte, dass man die Form von Epo, ich bekam Dynepo, noch nicht nachweisen könne. Trotzdem wusste ich, dass Blutdoping generell nicht so lange nachweisbar ist, wenn ich es mir intravenös spritze. Das war nicht so einfach, weil ich als Triathletin ja im Badeanzug antrat und man die Einstichstellen am Arm sehen würde. Deshalb habe ich manchmal eine Vene am Fuß genommen.
SPIEGEL: Matschiner hat bisher nur zugegeben, an Bluttransfers für den Radprofi Bernhard Kohl beteiligt gewesen zu sein, aber nicht, dass er mit Dopingmitteln wie Epo gedealt hat.
Hütthaler: Ich erinnere mich genau, dass er mich noch etwa fünfmal in Wien besucht hat, das konnte er mit seinen Reisen in den Osten verbinden. Dort ist er immer hingefahren, ich weiß auch nicht, warum.
SPIEGEL: Meinen Sie, er hat dort Dopingmittel gekauft?
Hütthaler: Ich weiß es wirklich nicht.
SPIEGEL: Wissen Sie von anderen Sportlern, die er mit Doping versorgt haben soll?
Hütthaler: Dazu kann ich nichts sagen. Mir übergab er in Wien Epo, Testosteron und Wachstumshormon und listete auf, wann ich wie viele Einheiten in welcher Kombination spritzen muss. Wachstumshormon in die Fettspalte am Bauch, das Testosteron in die Pomuskulatur.
SPIEGEL: Wie hat ihr Körper reagiert?
Hütthaler: Die Veränderungen durch die männlichen Hormone habe ich schnell bemerkt. Trotzdem habe ich versucht, mir die Bestätigung von meinem Freund zu holen, dass alles okay ist. Er sagte, ich solle mir keinen Kopf machen. Außerdem war ich glücklich, tatsächlich abzunehmen. Wenn ich mit dem Zeug aussetzte, nahm ich nach nur wenigen Tagen sofort zu. Schauen Sie sich manche Ausdauersportler an, die sind im Winter immer viel dicker als im Sommer. Die Leute glauben, die Sportler legen zu, weil sie im Winter zu viel Süßes essen. Das ist Quatsch. Man ernährt sich genauso wie im Sommer, trainiert sogar noch härter im Trainingslager. Aber durch die Dopingpause nimmt man trotzdem zu.
SPIEGEL: Haben Sie andere Nebenwirkungen gespürt?
Hütthaler: Ich weiß bis heute nicht, ob es im Zusammenhang mit den Dopingsubstanzen stand, aber Ende 2006 begann mein Herz auf einmal wie verrückt zu pochen. In einem wahnsinnig hektischen Rhythmus. Die Ärzte stellten mit Hilfe eines EKG eine Tachykardie fest, eine Form von Herzrhythmusstörungen. Ich musste sogar operiert werden. Mittels einer Herzkatheteruntersuchung wurde Gewebe verödet, das die Rhythmusstörungen verursachte.
SPIEGEL: Wussten die Ärzte von den Medikamenten, die Sie spritzten?
Hütthaler: Das konnte ich ihnen unmöglich erzählen.
SPIEGEL: Wie hat Ihre Familie auf die Operation reagiert?
Hütthaler: Natürlich hat sich meine Mutter gesorgt. Aber ich habe immer weitergelogen. Die Familie hält man aus diesem Netzwerk raus.
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