Wirtschaft


AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 22/2009
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Konzerne Angst vorm Hexensabbat

Schon im März drohte Porsche eine Insolvenz. Nur eine dramatische Rettungsaktion half. In den nächsten Wochen könnte sich die Lage der hochverschuldeten Firma zuspitzen.

In Märchen erscheint gelegentlich eine Fee, wenn es hart auf hart kommt. Man hat drei Wünsche frei, kann sich aus diversen Notlagen retten und anschließend immerwährendem Glück entgegensehen.

Porsche-Chef Wiedeking: Ausgebremster Turbo-Kapitalist
DDP

Porsche-Chef Wiedeking: Ausgebremster Turbo-Kapitalist

Im Wirtschaftsdrama um Porsche besetzt die Rolle der guten Fee zurzeit ein Scheich. Man befinde sich in guten Verhandlungen mit dem Emirat Katar, verbreiten Porsche-Manager.

Ein Investor könnte sich direkt an Porsche beteiligen oder dem klammen Unternehmen seine vertrackten Kontrakte mit VW-Aktienoptionen abkaufen. Auf jeden Fall würde er Porsche mehrere Milliarden Euro zuführen und das Unternehmen damit von allen Problemen befreien.

Aber auch das ist bislang nur ein Märchen. Denn kein Staatsfonds, der sein Geld sicher anlegen will, dürfte sich derzeit an Porsche oder VW beteiligen. Beide Unternehmen bieten ein Bild totalen Durcheinanders.

Die Gespräche über ein Zusammengehen wurden erst unterbrochen, dann weitergeführt. Die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch zoffen sich. Porsche-Betriebsrat Uwe Hück lässt seine Belegschaft gegen Miteigentümer Ferdinand Piëch demonstrieren. Der wiederum will Porsche-Boss Wendelin Wiedeking loswerden.

Vor allem aber: Porsche braucht frisches Geld, sonst droht ein Totalschaden. "Die Insolvenzgefahr ist nicht gebannt", sagt ein VW-Manager. Porsche-Boss Wiedeking sagte im Aufsichtsrat der Porsche Automobil Holding SE: Die "kritische Situation" halte auch nach Verlängerung eines Zehn-Milliarden-Euro-Kredits an. Und Miteigentümer Piëch sagt: "An einer Insolvenz kann keiner der Beteiligten ein Interesse haben."

Dass Piëch das Wort "Insolvenz" überhaupt verwendet, gibt einen Hinweis darauf, wie ernst die Lage ist. Einen Eindruck, gegen den das Unternehmen mit offiziellen Stellungnahmen heftig ankämpft. "Wir stehen keineswegs im Hemd da", sagen Unternehmenssprecher. Porsche zahle seine Zinsen aus dem laufenden Geschäft, die Beschäftigten erhielten im Gegensatz zu anderen Autofirmen ihre Tariferhöhung pünktlich. Erst im März nächsten Jahres müsse Porsche für 3,3 Milliarden Euro eine neue Finanzierung finden.

Das ist allenfalls ein Teil der Wahrheit. Tatsächlich benötigen die Zuffenhausener zusätzlich zu diesen 3,3 Milliarden schon in Kürze weitere Kredite über 2,5 Milliarden Euro. Gerade mal 750 Millionen davon konnten sie sich bislang sichern In ihrer Not haben sich die Porsche-Manager sogar bei der staatseigenen KfW-Bankengruppe nach Hilfen erkundigt (SPIEGEL 21/2009). Dies wurde vorerst abgelehnt. Nun bringt Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger Landesbürgschaften ins Gespräch.

Der Turbo-Kapitalist und einstige Subventionsverächter Wiedeking ("Luxus und Stütze passen nicht zusammen") muss froh sein, wenn er nun diese Art von Staatshilfe erhalten sollte. Private Banken, die Porsche ohne staatliche Absicherung weiteren Kredit gewähren, sind offenbar keine in Sicht. Und nicht nur das.

In den drei Tagen vom 22. bis 24. März dieses Jahres musste Porsche nach übereinstimmenden Aussagen mehrerer Beteiligter gegen eine drohende Insolvenz kämpfen. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel schaltete sich ein.

Ein Porsche-Sprecher sagt zwar, eine Insolvenz habe nie zur Debatte gestanden. Aber die Ereignisse waren dramatisch.

Es begann am Sonntag, 22. März, um 17 Uhr mit einer Krisensitzung in der Staatskanzlei in Hannover. Porsche-Boss Wiedeking und sein Finanzchef Holger Härter berichteten Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff, wie ernst die Lage bei Porsche sei.

Die Banken zögerten, einen bis zum 24. März laufenden Zehn-Milliarden-Kredit zu verlängern. Die Porsche-Manager sprachen nicht davon, dass dann eine Insolvenz drohe. Aber mehrere der Anwesenden verstanden die Botschaft so.

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