Montag, 23. November 2009

Kultur



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25.05.2009
 

Entertainment

"Ich will immer gewinnen"

Fernsehmoderator Stefan Raab über die Grenzen zwischen Sport und Unterhaltung, unbändigen Ehrgeiz und seine neue Rolle als Mannschaftskapitän des 1. FC Köln

SPIEGEL: Herr Raab, Ihre Sendung "TV total Turmspringen" ist kürzlich bei einer Abstimmung unter 10.000 Sportlern zur drittbesten Sportsendung im deutschen Fernsehen gewählt worden, hinter der "Sportschau" und dem "Aktuellen Sportstudio". Ihr TV-Event, bei dem Prominente in einem Wok durch den Eiskanal fuhren, wurde Achter. Missverstehen die Zuschauer einen Witz als ernsten Sport?

Raab: Auf keinen Fall. Ich wiederhole immer wieder gebetsmühlenartig, dass es Sport ist, und sage allen, die dabei sind: Wenn ihr mitmacht, müsst ihr gewinnen wollen. Sonst bringt es keinen Spaß.

SPIEGEL: Am kommenden Freitag, einen Tag vor dem echten Pokalfinale in Berlin, lassen Sie in Köln erstmals den Deutschen Eisfußball-Pokal ausspielen, bei dem Bundesliga-Altstars auf einer Eishockeyfläche in Bowlingschuhen Fußball spielen. Das klingt nach Parodie, nach Slapstick.

Raab: So fängt es bei mir immer an. Erst haben wir den Eurovision Song Contest parodiert, aber wenn die Ironie mal klar ist, lässt sie sich nicht wiederholen, weil dann niemand mehr lachen würde. Deshalb gibt es inzwischen den Bundesvision Song Contest als ernsthafte Musik-Veranstaltung. Eine Parodie trägt nicht den ganzen Abend, deshalb muss es eine anständige Wettkampfveranstaltung sein.

DER SPIEGEL 22/2009


TITEL
Der Tod, die Linke und die Stasi
Die Wahrheit über den Schuss, der die Republik veränderte

SPIEGEL: Und Eisfußball ist ernst gemeint?

Raab: Absolut. Die Idee dazu hatte ich im Januar während der Show "Schlag den Raab". Da musste ich in einer Disziplin gegen den Publikumskandidaten Fußball auf Eis spielen. Ich wusste sofort: Das ist es. Wir haben uns in der Woche danach mit der Produktionsfirma eine Eishalle gemietet und ausprobiert, ob das funktioniert. Und dann haben wir beim 1. FC Köln angefragt, ob sie interessiert sind.

SPIEGEL: Warum machen die mit?

Raab: Wie wir schon eben festgestellt haben, ist ein Großteil der Leistungssportler davon überzeugt, dass wir tatsächlich Sport machen. Diese Erkenntnis gibt es wohl auch bei den Managern der Vereine. Zugesagt haben noch Hamburg, Wolfsburg, Stuttgart, St. Pauli, Frankfurt, Schalke und sogar der FC Bayern, was mich wirklich überrascht hat. Für Bayern werden Thomas Helmer, Andreas Herzog und Mario Basler spielen.

SPIEGEL: Für wen spielen Sie?

Raab: Selbstverständlich für den 1. FC Köln, neben Matthias Scherz, Dirk Lottner und Toni Polster. Ich bin natürlich Mannschaftskapitän.

SPIEGEL: Die sind doch alle viel besser.

Raab: Es funktioniert trotzdem, weil sogar ein Ex-Profi auf dem Eis seine Überlegenheit verliert. Das Handicap Eis nivelliert die Unterschiede und produziert viele komische Momente. Es wird aber auch auf Taktik und Passgenauigkeit ankommen und auf die Einstellung: Es kann nicht angehen, dass Toni Polster da einen müden Hobbykick abliefert. Ich will gewinnen, ich will, dass der 1. FC Köln in diesem Jahr einen Titel nach Hause bringt. Das meine ich wirklich ernst, und genau das versuche ich den anderen klarzumachen. Das ist mehr als nur ein Promi-Spiel.

ZUR PERSON

Stefan Raab ist einer der erfolgreichsten deutschen Fernsehmacher. Seine Karriere begann er als Produzent von Werbejingles, er war Moderator beim Musiksender Viva und trat 2000 beim Eurovision Song Contest für Deutschland an. Seit 1999 ist er für den Privatsender ProSieben tätig. Er moderiert dort die Late- Night- Show "TV total" und organisiert unterschiedliche Showveranstaltungen wie "Wok- Weltmeisterschaft", "Schlag den Raab" oder "TV total Turmspringen", in denen er auch als Akteur auftritt.

Raab, 42, ist in Köln aufgewachsen. Er hat fünf Semester Rechtswissenschaft studiert, seine Ausbildung zum Metzger im elterlichen Betrieb beendete er mit einem "Sehr gut".
SPIEGEL: Die Landesmedienanstalten betrachten einige Ihrer Shows aber nicht als Sportübertragungen, sondern als Dauerwerbefernsehen. Bekommt auch Ihr Eisfußball eine Einblendung?

Raab: Ja, und das kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Da wird mit unterschiedlichen Maßstäben gemessen. Beim Eisfußball sind diesmal sogar richtige Fußballvereine dabei, mit ihren richtigen Sponsoren auf dem Trikot, es geht um einen sportlichen Wettbewerb. Die Bundesliga-Vereine können ihre Stadien mit Plakaten zukleistern, und nur weil wir eine neue Sportart erfinden, dürfen wir das nicht.

SPIEGEL: Ist es Sport, wenn Ex-Profis auf dem Eis rumrutschen oder Reiner Calmund im Wok den Eiskanal hinunterfährt?

Raab: Was würden Sie sagen, wenn ich Ihnen erzähle: "Ich habe eine neue Sportart erfunden, da hängen Körbe wie Mülleimer oben an einem Brett und in die muss man Bälle werfen"? Basketball erscheint heute als eine völlig normale Sportart, weil es sie schon seit mehr als hundert Jahren gibt. In 20 Jahren wird niemand mehr sagen: "Wokfahren ist ein Funsport." Als Rodel-Olympiasieger Georg Hackl bei seinem Karriereende in Turin vor gut drei Jahren bei Waldemar Hartmann im Studio sitzt, wird er gefragt, ob er traurig sei, dass die große Karriere jetzt zu Ende sei. Da sagt der Hackl: Wieso das denn? Er müsse doch noch seinen Wok-Weltmeistertitel verteidigen. Genau darum geht es: Man muss die Zuversicht haben, dass ein neuer Sport diesen Weg nimmt. Das ist eine Frage der Konstanz. Irgendwann in 15 Jahren gibt es eine Eisfußball-Liga und ich bin der Liga-Präsident.

SPIEGEL: Es geht Ihnen um Sportgeschichte?

Raab: Das ist nicht mein Ansatz. Ich mache Sachen, die mir Spaß machen. Und irgendwann wird aus Ironie Ernst. Beim ersten Mal sind die Vierer-Woks noch maximal 86 km/h gefahren, beim letzten Mal schon 115 km/h. Damit liegen wir nur 25 km/h hinter den besten Bobs.

SPIEGEL: Sie haben mit Ihren großen Shows wie "Wok-WM" oder "TV total Turmspringen" eine neue Form von TV-Unterhaltung erfunden. Können Sie uns den Unterschied zwischen Sport und Entertainment erklären, oder sind Sie damit beschäftigt, die Unterschiede zu verwischen?

Raab: Der Unterschied ist nicht groß, deswegen passt es auch wunderbar. Von Fiktion und Information abgesehen sind erfolgreiche Formate immer auch eine Art Wettkampf. Bei "Wetten, dass ...?", "Wer wird Millionär?" oder "Deutschland sucht den Superstar" geht es darum: Wer kann was besser als der andere?

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