SPIEGEL: Die Grundfrage des Sports also.
Raab: Genau. Als ich 2001 das erste Mal gegen Regina Halmich boxte, waren wir selbst vom Erfolg überrascht. Dann hat mich die Eisschnellläuferin Claudia Pechstein zu einem Rennen herausgefordert, das hatte 32 Prozent Marktanteil in unserer Zielgruppe. Emotionen können im Entertainment nur entstehen, wenn man mitfiebern kann.
SPIEGEL: Was kann der Sport vom Entertainment lernen?
Raab: Nicht viel. In erster Linie muss er immer Sport sein. Fußball ist auch deshalb eine der unterhaltsamsten Sportarten, weil das Spiel so wenig unterbrochen wird. Wenn Entertainment im Wettkampf einen zu großen Stellenwert einnimmt, schadet das der Spannung. Wir haben öfter mal Teilnehmer, die zum Beispiel beim Turmspringen ein Häschenkostüm anziehen wollen. Das finde ich gar nicht lustig, und das wird denen auch ausgeredet, weil diese Mätzchen den Wettbewerb verwässern.
SPIEGEL: Bei Ihrem ersten Fight gegen Regina Halmich waren Sie übergewichtig und untrainiert. Das war kein richtiger Sport.
Raab: Natürlich haben wir das ganze Drumherum des Kampfes extrem übertrieben, aber der Deal war: Wir werfen uns im Ring keine Sahnetorten ins Gesicht, sondern boxen richtig. Weil sie aber eine Frau ist und ich 30 oder 40 Kilo mehr wiege, habe ich damals auf Training verzichtet. Wäre ich fit gewesen, hätte ich sie natürlich zerlegt.
SPIEGEL: Das sieht Frau Halmich anders.
Raab: Na klar. Sie hat schwerste Mühe gehabt und von mir auch wirklich ein paar rein-genietet bekommen. Wahrscheinlich glaubte sie wirklich, dass sie mich k. o. schlägt.
SPIEGEL: Sie hat Ihnen immerhin die Nase gebrochen. Und sie sagte: Der sportliche Wert des Kampfes sei gleich null.
Raab: Das muss sie ja, um ihren Sport zu schützen. Aber ehrlich gesagt, war es für sie der wichtigste Kampf ihres Lebens.
SPIEGEL: Warum?
Raab: Frauenboxen hätte in Deutschland nie eine Chance gehabt ohne dieses Event. Das wird Ihnen sogar Regina Halmich bestätigen. Ohne diesen Kampf wäre sie wahrscheinlich 14 Jahre lang Weltmeisterin gewesen, und niemand hätte es gemerkt.
SPIEGEL: Eine anerkannte Sportlerin macht bei so einer Kirmesveranstaltung mit, und am Ende ist ihr Sport populärer als zuvor. Wie soll das gehen?
Raab: Die Frage ist, ob das überhaupt ein richtiger Sport ist. Wenn etwas dem Entertainment besonders nahe ist, dann ist das Boxen.
SPIEGEL: Für den zweiten Kampf haben Sie aber trainiert, oder?
Raab: Ja. Zusammen mit Felix Sturm.
SPIEGEL: Sie haben trotzdem verloren.
Raab: Ich bin ja, auch wenn mir das niemand glaubt, von Natur aus kein gewalttätiger Mensch. Man muss sich tatsächlich überwinden, eine Frau zu schlagen. Im Nachhinein habe ich das Gefühl, es wäre noch härter gegangen, aber irgendetwas Menschliches in mir hielt mich zurück. Ohne dieses Stück Gutmütigkeit hätte ich gewonnen, und zwar durch K. o.
SPIEGEL: Im "Munzinger", einem biografischen Archiv über Personen der Zeitgeschichte, werden Sie als Schlagersänger, Moderator, Plattenproduzent, Clown, Rockmusiker und Pantomime geführt.
Raab: Pantomime?
SPIEGEL: Das steht da.
Raab: Wenn da Pantomime steht, müsste da eigentlich auch Leistungssportler stehen.
SPIEGEL: Sie fühlen sich als Sportler?
Raab: Ja. Sportler zu sein, das ist mehr als nur gewisse körperliche Fähigkeiten zu haben. Sport passiert im Kopf. Sport hat mit Ehrgeiz zu tun, und ich bin immer ehrgeizig. Ich will immer gewinnen.
SPIEGEL: Trainieren Sie regelmäßig?
Raab: Nein. Ich laufe hin und wieder, spiele Tennis oder fahre Rad. In der Jugend habe ich mal als Torwart im Verein gespielt. Mein Vorbild war Toni Schumacher.
SPIEGEL: Ihre erfolgreichste Show heißt "Schlag den Raab". Da tritt ein Kandidat aus dem Publikum gegen Sie in unterschiedlichen Disziplinen an. Wissenstests gehören dazu, Geschicklichkeitsspiele und sportliche Wettkämpfe. Man könnte sagen, dass das so eine Art modernes Gladiatorentum ist. Einer der wenigen Gegner, die Sie besiegt haben, bekam 2,5 Millionen Euro. Kurz vor Schluss haben Sie vor Wut über eine falsche Antwort mit Ihrer Hand einen Bildschirm zertrümmert. Sie können nicht verlieren.
Raab: Ich habe mir sogar die Hand aufgeschnitten und blutete. Das war eine Disziplinlosigkeit, für die ich mich beim Publikum entschuldigt habe, auch wenn es diese Authentizität in gewissem Maße mag. Ich hatte mich total darüber geärgert, dass ein Gegner, den ich eigentlich schon besiegt hatte, an mir vorbeizieht. In diesem Moment ist man in einer schwierigen mentalen Verfassung, die eben Kurzschlussreaktionen zulässt. So wie Ballack im Halbfinale gegen Barcelona nach einem nicht gegebenen Elfmeter dem Schiedsrichter in die Backe beißen will.
SPIEGEL: Ihre Gegner bei "Schlag den Raab" können mit einem Sieg ihr Leben verändern. Ist es Ihnen nie peinlich, so besessen dagegen zu kämpfen?
Raab: Ich lerne die Leute erst eine halbe Stunde vor der Sendung kennen und sage: "Gebt alles, es geht um viel Geld. Aber erwartet nicht von mir, ein Almosen zu bekommen." Natürlich gönne ich ihnen das Geld, aber wenn ich nur eine Minute daran denken würde, einen Punkt zu verschenken, kann man es mit der Show auch sein lassen. Das wollen die Zuschauer nicht sehen. Außerdem fand ich es schon als Kind blöd, wenn die Erwachsenen mich gewinnen ließen.
SPIEGEL: Sie sind Fan des 1. FC Köln. Für jemanden mit Ihrem Siegeswillen dürfte das eine ziemlich trübe Angelegenheit sein.
Raab: Ja, aber man sieht schon am Wappentier, dass es hier in Köln eine andere Haltung gibt. Anderswo gibt es Löwen oder Adler, der FC schmückt sich mit dem Geißbock.
SPIEGEL: Beim FC Bayern wären Sie besser aufgehoben.
Raab: Meinen Sie als Fan oder als Trainer?
SPIEGEL: Wie Sie wollen.
Raab: Ich kann mir durchaus vorstellen, Teamchef einer Profi-Mannschaft zu sein. Fußball ist doch kein so komplexer Sport, dass ein aufnahmefähiger Mensch wie ich das nicht durchschauen könnte.
SPIEGEL: Sie sind größenwahnsinnig.
Raab: Im Ernst. Das ist alles eine Frage des Delegierens. Fußballspieler sind Fußballspieler, weil sie Fußball spielen können. Dass die fit sind, dafür sorgt jemand anders. So eine Mannschaft braucht wie ein Unternehmen jemanden, der sagt: "Leute, vorwärts. Ich will etwas erreichen, und das ist meine Idee." Man muss die Leute begeistern können, und dann geht alles.
SPIEGEL: Klinsmann hat das auch geglaubt.
Raab: Sind wir doch ehrlich, bei Klinsmann ist es zwischendurch mal nicht so gut gelaufen, aber das, was Heynckes geschafft hat, hätte auch er geschafft. Er hat delegiert, die Arbeit haben andere gemacht. Ein paar Buddhas aufstellen kann ich auch. Klinsmann sucht nur die falsche Musik aus. Es kommt halt auf Kleinigkeiten an.
SPIEGEL: Wäre es eigentlich sinnvoll, wenn Sie für die ARD nach dem Debakel von Moskau den deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest übernehmen?
Raab: Der NDR hat uns um Hilfe gebeten. Wir haben ein schlüssiges Gesamtkonzept vorgelegt. Die Entscheidungswege in der ARD sind aber derart kompliziert, dass sie mit unserer Arbeitsweise nicht vereinbar sind. Unser Song Contest heißt Bundesvision Song Contest.
SPIEGEL: Herr Raab, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
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Machen schlimme Musik, zahlen aber Steuern in Deutschland! mehr...
Ich habe mich früher immer wahnsinnig üner Raab aufgeregt. Seine Sendungen haben eigentlich nur davon gelebt, dass er sich über Andere lustig macht. Das war sehr mager und seine Leistungen als Entertainer - naja wohl auch eher [...] mehr...
Tv Total ist nur da um die "tollen" Events zu promoten. Ich gucke das nicht mehr. TvT ist eine Dauerwerbesendung. Die immer gleichen Gäste und gefühlte 18 mal ein Trailer für eine weitere Dauerwebesendung. Und, weils [...] mehr...
Nur mal eine Frage an Sie: Was halten Sie von Dieter Bohlen und Heino? mehr...
Stimmt, es gibt auch Menschen, die schlafen bei einem Konzert ein, aber zumindest können sie sagen, dass sie dort gewesen sind;-) Also bei mir hat Herr Raab auf jedenfall einen Stein im Brett. mehr...
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