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Ausgabe 22/2009
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Astrophysik Geister als Geburtshelfer

2. Teil: Rätselhafte Phantomgalaxien

Alles spricht dafür, dass sich hinter der Dunklen Materie noch unentdeckte Teilchen verbergen. Anders als Neutrinos sollen diese sogenannten Wimps ungeheuer schwer und eher träge sein.

Um diese Vermutung zu überprüfen, hat der Astrophysiker in seiner Computersimulation denn auch eine Sorte Dunkler Materie eingespeist, die genau solche Eigenschaften aufweist: massereiche, langsame Partikel, zwischen denen nur die Gravitationskraft wirkt. Springel: "Und herausgekommen ist dabei tatsächlich ein Universum, das unserem eigenen verblüffend nahe kommt."

Nur: Ist das schon ein Beweis für die Existenz der Wimps? Nicht ganz: Es gibt da einen Befund, der die Astrophysiker irritiert. In seiner jüngsten Kosmos-Simulation hat Springel einen kleineren Ausschnitt gewählt, um sich die vom Rechner erzeugten Galaxien einmal genauer anzusehen. Und diese Nahaufnahmen fördern überraschende Details zutage.

Auf den ersten Blick sehen die virtuellen Galaxien den echten erstaunlich ähnlich. Und doch gibt es einen entscheidenden Unterschied. Springel: "In unserer aktuellen Simulation führt die Verklumpung dazu, dass Galaxien von der Größe der Milchstraße stets von riesigen Schwärmen aus Minigalaxien umkreist werden."

Dabei gibt es bloß ein Problem: Im real existierenden Universum ist von derartigen Trabanten der Milchstraße nichts zu sehen.

Wurden die Phantomgalaxien bislang nur deshalb nicht entdeckt, weil in ihnen gar keine Sterne leuchten? Ist die Massedichte in ihnen einfach zu gering, um das Sternenfeuer zu entzünden? In diesem Fall handelt es sich bei ihnen lediglich um gigantische lichtlose Wolken aus Gas und Dunkler Materie.

Was aber, wenn diese Phantomgalaxien überhaupt nicht existieren? Dann steckt in den Gleichungen der Kosmologen vermutlich noch ein gravierender Fehler. Springel: "Vielleicht verbirgt sich hinter der Dunklen Materie doch etwas ganz anderes, als alle glauben."

Bereits in diesem Sommer will der Max-Planck-Forscher nun einen weiteren, noch spektakuläreren Versuch unternehmen, um die Geburt der Sterneninseln zu enträtseln.

"In unserer nächsten Computersimulation wollen wir sogar rund eine Milliarde Galaxien erzeugen, die bis zu zehn Milliarden Lichtjahre voneinander entfernt sind", sagt Springel. "Das entspricht fast dem gesamten sichtbaren Teil des Universums."

Möglich machen soll das ein neuer Supercomputer, in dem 8.000 Prozessoren parallel rechnen. Am Ende wird der Zahlenfresser über 60 Terabyte ausspucken - das wäre dann eine größere Datenmenge als in sämtlichen Büchern der amerikanischen Nationalbibliothek, der größten der Welt.

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