Von Frank Thadeusz
Tief unten im Keller des Berliner Medizinhistorischen Museums lagert ein gruseliger Fund: Neben Präparaten von missgestalteten Embryos auf staubigen Regalen steht ein Holzsarg. Darin liegt eine weibliche Leiche ohne Kopf, Hände und Füße. Fleckig und schmutzig grau ist der Körper und fest wie poröses Holz. Klopft man dagegen, tönt der Leib hohl.
Es handelt sich um eine typische Fettwachsleiche - unter hoher Feuchtigkeit, verbunden mit tiefen Temperaturen und mangelndem Sauerstoff, verwandelt sich Körpergewebe nicht in Humus, sondern in eine grauweiße, pastenartige Masse. Mit zunehmender Liegedauer gerinnt die Substanz und härtet aus.
Doch wer war die Tote? Wo kommt sie her? Jahrzehntelang scherte sich niemand darum.
Nun aber hegt Michael Tsokos, Chef des Rechtsmedizinischen Instituts der Berliner Charité, einen ungeheuren Verdacht: Demnach agitierte die Dahingeschiedene einst für die Weltrevolution, sie landete mehrfach im Frauenknast, wurde brutal geprügelt, erschossen, schließlich nächtens in den Landwehrkanal geworfen. Monatelang trieb die Leiche im trüben Gewässer.
Während alljährlich im Januar Zehntausende glaubten, zu ihrem Grab auf dem Friedhof Berlin-Friedrichsfelde zu pilgern, vergammelte ihr Körper womöglich unbeachtet einige Kilometer entfernt im Keller der Berliner Rechtsmedizin - bei der allmählich zerbröselnden Leiche, so Tsokos' Vermutung, handelt es sich womöglich um die sterblichen Überreste von Rosa Luxemburg.
Verblüffend sind die Übereinstimmungen der Toten aus dem Keller mit der realen Rosa. Der Körper misst etwa 1,50 Meter und trägt an beiden Armen die charakteristischen Einschnürungsmale der damals von Luxemburg bevorzugten Kleider. Eine Untersuchung der Wachsleiche im Computertomografen lieferte weitere Details: Die Frau litt zu Lebzeiten an Arthrose, überdies waren ihre Beine unterschiedlich lang - genau wie bei Rosa Luxemburg. Nach Schätzungen von Radiologen war die Frau zwischen 40 und 50 Jahre alt, als sie starb. Luxemburg war zum Zeitpunkt ihrer Ermordung 47.
Das Leibniz-Labor für Altersbestimmung in Kiel hat nun mit der sogenannten C14-Methode untersucht, aus welchem Zeitalter die Unbekannte stammt. Ergebnis: "Bei der Toten könnte es sich durchaus um Rosa Luxemburg handeln", so Laborleiter Matthias Hüls.
Aus dem wächsernen Leib extrahierte Tsokos bereits DNA, doch die Suche nach Vergleichsmaterial gestaltet sich schwierig. Die Briefmarke einer Luxemburg-Depesche lieferte zwar eine winzige Probe, die sich im Labor aber als nicht verwertbar erwies. Der Forensiker fahndet nun nach einer Nichte der Ermordeten, die angeblich geistig umnachtet in Warschau lebt.
Eine Exhumierung der angeblich am 13. Juni 1919 in einem Zinksarg beigesetzten Märtyrerin verspricht keine Hoffnung auf Aufklärung: 1935 fielen die Nazis über die Grabstätte von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht her und ließen offenkundig die dort bestatteten Gebeine verschwinden. Auf Anweisung Wilhelm Piecks, des ersten Staatspräsidenten der DDR, buddelten Friedhofsangestellte 1950 nach den Überresten der beiden berühmten Genossen. Die Suche blieb erfolglos.
Dass die Ereignisse rund um die Ermordung der linksradikalen Kultfigur bis heute so rätselhaft und mysteriös geblieben sind, macht die Detektivarbeit umso spannender. Einzig die Mordtat selbst scheint inzwischen recht gut ausgeleuchtet.
Als Luxemburg und Liebknecht am 15. Januar 1919 in einem Versteck in Berlin-Wilmersdorf verhaftet wurden, war ihr Schicksal bereits besiegelt. Die damalige SPD-Regierung fürchtete nichts so sehr wie eine bolschewistische Revolution. Eben erst hatten die Roten in Russland den Zaren samt Familie liquidiert.
Rettung verhieß einzig ein verwegener Plan: Um das Schicksal Russlands von der jungen Weimarer Republik abzuwenden, sollten die beiden prominentesten Köpfe der kommunistischen Bewegung in Deutschland kurzerhand beseitigt werden.
Dazu verschleppte man die Gefangenen ins Stabsquartier der Garde-Kavallerie-Schützen-Division; dort, im edlen Eden-Hotel zwischen Gedächtniskirche und Zoo, hatte sich der Hauptmann Waldemar Pabst einquartiert. Mit Billigung des SPD-Reichswehrministers Gustav Noske sollte der stramm rechte Militär das Mordkomplott durchführen.
Beinahe entglitt dem Exekutor die Kontrolle über das Kommando. Pabst wollte die Delinquenten möglichst geräuschlos um die Ecke bringen lassen. Seine Truppe allerdings fiel wie ein Haufen Hooligans über die kleinwüchsige Kommunistin her. "Rosa, du alte Hure", brüllte einer der Soldaten, kaum dass Luxemburg das Hotelfoyer betreten hatte. Dann prügelten die Männer auf ihr wehrloses Opfer ein. "Ich werde den Anblick nicht wieder los, wie man die arme Frau niedergeschlagen und umhergeschleift hat", klagte hernach ein Dienstmädchen des Hotels.
Als gesichert gilt, dass einer der Soldaten mit einem Gewehrkolben zweimal auf Luxemburgs Kopf eingeschlagen hat. Anschließend wurde die Halbbewusstlose von einer Handvoll Soldaten mit einem Wagen Richtung Tiergarten gefahren.
"Nicht schießen", flüsterte sie, während man ihr eine Pistole an die Schläfe hielt. Erst klemmte die Waffe, beim zweiten Versuch dann löste sich die Kugel. Gegen Mitternacht warfen die Häscher den Leichnam in den Landwehrkanal.
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Wieviele Köpfe wievieler Leute liegen eingentlich noch in den "Schatzkammern" diverser Institute und Privatpersonen? Man hat vor ein paar Jahren das Gehirn von Baader bei einem Arzt gefunden, der das offenbar für [...] mehr...
Deswegen schrieb ich auch von den Grundsätzen auf denen unsere FDGO steht. Und eine Vorstellung von Demokratie und Menschenrechten gab es damals schon - unter Sozialdemokraten, Liberalen und anderen. mehr...
...nur das es 1919 unsere hochwohlgeborene "FDGO" noch gar nicht gab und sich also auch keiner daran halten konnte... mehr...
Hier einige Infos zu den Kriegskrediten: http://www.zeit.de/1989/12/Die-verdraengte-Schuld Am 4. August hatten noch alle Abgeordneten für die Kriegskredite gestimmt-auch Karl Liebknecht,ein enger Vertrauter Luxemburgs-um die [...] mehr...
Nach meinem Wissenstand stimmte Liebknecht am 4. August 1914 für die Kriegskredite. Fünf SPD-Abgeordnete verließen bei einer erneuten Abstimmung am 22. Oktober 1914 aus Protest den Sitzungssaal. Am 2. Dezember 1914 stimmte [...] mehr...
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