AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 26/2009
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22.06.2009
 

Hochschulen

Die Bildungsmanager

Von Markus Verbeet

Viele Uni-Präsidenten agieren wie Firmenchefs: Sie bauen ihre Institutionen für den Wettbewerb um. Doch die neuen Macher stoßen auf Widerstand bei Professoren und Studenten.

Um "Geduld und Gelassenheit" werde sie sich bemühen, sagt die Präsidentin, sie wolle "mehr Demut" zeigen, aber da ist es bereits zu spät.

Monika Auweter-Kurtz, 58, sitzt in ihrem Arbeitszimmer und kommt nicht mehr heraus. Die Präsidentin ist gefangen in ihrer eigenen Universität. Seit Wochen schwelt ein Konflikt an der Hamburger Hochschule. 120 Professoren haben in einem Brief gegen ihre Chefin protestiert, eine Kriegserklärung unter Akademikern, und Auweter-Kurtz will jetzt erklären, wie wieder Frieden herrschen könne. Sie gebe ja zu, dass manchem "mein hohes Tempo und mein klarer Ton missfallen", sie wolle gern "versuchen, mit den Kritikern ins Gespräch zu kommen".

Es sind reumütige Töne, die Auweter-Kurtz anschlägt, es klingt wie ein Versuch der Versöhnung nach all den Verletzungen. Doch an diesem Morgen verhallen sie ungehört. Draußen im Flur stampfen Studenten auf den Steinboden, ein dumpfes Dröhnen dringt in das Büro. "Dies ist unser Haus, schmeißt die Präsidentin raus", schreien die Studenten durch die von innen verriegelte Tür. Monika Auweter-Kurtz lässt die Polizei rufen. Noch ist sie hier die Hausherrin. Mit zwölf Wagen fährt die Staatsmacht vor das Portal des Hauptgebäudes, die Chefin wird später durch den hinteren Ausgang zu ihrem Auto eskortiert.

Der Streit um die Hamburger Präsidentin steht für einen typischen Konflikt, der sich an vielen deutschen Hochschulen beobachten lässt. Nicht überall eskaliert er wie in Hamburg, aber vielerorts schwelt er, seit die Universitäten einen radikalen Umbau erleben. An der Spitze stehen nun mächtige Macher, die ihre Institution für den Wettbewerb rüsten wollen. "Vorstandsvorsitzende" nennt das baden-württembergische Hochschulgesetz die neuen Bildungsmanager und stellt ihnen "Aufsichtsräte" zur Seite.

Schon diese neue Sprache ist ein Bruch mit der Tradition, die neuen Strukturen sind es erst recht. In den vergangenen Jahren machen die Hochschulen einen Wandel durch, wie es ihn seit mindestens vier Jahrzehnten nicht gegeben hat, seit der Studentenrevolte von 1968.

Der sichtbarste Teil der Reformen sind die neuen Abschlüsse Bachelor und Master. Sie stehen am Ende eines Studiums, das deutlich verschulter ist als früher. Kritiker sehen die Universität deshalb zu einer "Studenten-Fabrik" verkommen (SPIEGEL 18/2008), Zehntausende zogen in der vergangenen Woche dagegen auf die Straße. Doch der Wandel geht weit über die Studienordnungen und Studienabschlüsse hinaus. Er hat auch die Organisation der Universitäten erfasst. Mehr als 350 Selbstverwaltungsgremien zählte allein die Universität Hamburg noch vor sieben Jahren. Wo früher alle mitreden und auch mitentscheiden durften, herrscht heute eine straffe Führung.

"Entscheidungskompetenzen werden von Gremien und Kommissionen in Präsidien, Rektorate und Dekanate verschoben", sagt Andreas Keller, Hochschulexperte der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Und Bernhard Kempen, Präsident des Deutschen Hochschulverbands, einer Standesvertretung der Professoren, beklagt "die Entmachtung der akademischen Selbstverwaltungsgremien zugunsten einer hierarchischen Steuerung unter erheblicher Beteiligung außeruniversitärer Persönlichkeiten aus Staat und Gesellschaft, vornehmlich der Wirtschaft".

Kein Zweifel: Die Senate, in denen Professoren, Mitarbeiter und Studenten versammelt sind, haben an Bedeutung verloren. Sie tagen zwar an vielen Hochschulen so häufig wie früher und diskutieren über dieselben Themen. Aber sie dürfen in vielen Fällen allenfalls noch Stellungnahmen abgeben, keine Entscheidungen mehr treffen. "In manchen Bundesländern hat der Senat nur noch folkloristische Funktion", sagt Torsten Bultmann vom Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

An der Spitze stehen stattdessen nun Präsidenten und Rektoren, deren Attitüde zuweilen an die rigorosen Sanierertypen großer Konzerne gemahnt. Auch auf der Ebene darunter, bei den Dekanen, geht der Trend zum Wissenschaftsmanager. Viele Hochschulen haben, wie es in der Wirtschaft hieße, ihre Strukturen verschlankt. Die bunte Vielfalt an Fachbereichen verschwindet, größere Fakultäten entstehen. Erste Universitäten bestellen hauptamtliche Dekane, die ihre Managementaufgaben nicht mehr nur nebenbei und für eine kurze Zeit ausüben. Prompt gab es in Mannheim darüber Streit. Die Professoren weigerten sich, unter einem solchen Profi-Dekan zu arbeiten.

Doch aufzuhalten scheint der Wandel nicht: Magnifizenzen werden zu Managern. Es sind längst mehr als nur Einzelfälle wie Wolfgang Herrmann, der seine Technische Universität München schon vor Jahren zur "unternehmerischen Universität" ausgerufen hat und einen Chief Information Officer zu seinen Vizepräsidenten zählt; oder sein Berliner Kollege Dieter Lenzen, der schon als "Campus-König" bezeichnet und zuletzt als "Hochschulmanager des Jahres" ausgezeichnet wurde.

Lenzen hatte vor dem Bildungsstreik der vergangenen Woche zwar erklärt, dass er die Studenten sehr gut verstehe - aber das nutzte ihm nichts. Zornige Protestler besetzten das Präsidialamt. Bilder wurden abgerissen, Lampen zerstört und große Worte an die Wand geschmiert: "Für die Freiheit, für das Leben". Die Polizei rückte an und sorgte für Ruhe und Ordnung, Lenzen klagte über "Vandalismus".

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25.11.2009 von bürger mr: Kurzsichtig

Unsere Gesellschaftsführung ist ganz offensichtlich Kurzsichtig bis Blind , tendenziell korrupt . Wozu braucht es all diese studierten Köpfe, wenn doch schon jeder halbwegs gebildete sehen kann daß "die" zu blöd [...] mehr...

14.11.2009 von discurso:

Oh ich glaube Sie haben mich missverstanden. Ich meinte die Kabarettsendung im zdf, denn dort wäre ihr Statement angebracht. mehr...

13.11.2009 von hjm:

Ich möchte ja wirklich niemandem, der bis vor 20 Jahren Unrecht erlitten hat, das absprechen. Aber ganz ehrlich frage ich mich manchmal, ob wir den Schaden vielleicht wenigstens _etwas_ abmildern könnten, wenn wir dieser Dame [...] mehr...

13.11.2009 von discurso:

Man kann,-) Die Dame sollte in der "Anstalt", anstatt im Parlament auftreten, da könnte sie wenigstens keinen Schaden anrichten. mehr...

13.11.2009 von Don Diego:

Das ist doch aber genau dass Problem nicht? Warum sollte man länger studieren um dass zu lernen was einen nicht nur praktisch zu gute kommt sondern einen auch interessiert. Fakt ist so wie das Bachelor Studium weltweit [...] mehr...

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