Von Martin Wolf
Wenn in Hollywood mal wieder die Welt untergeht, steckt oft Michael Bay dahinter. Seine Filme heißen "Armageddon" oder "Pearl Harbor"; sie sind laut und bunt und teuer; auch Grundschüler verstehen die Plots. Oscars gewinnt man so nicht, aber man verdient recht gut: Für seinen letzten Film kassierte der Regisseur rund 80 Millionen Dollar Gewinnbeteiligung.
An einem Sonntag im Juni sitzt Bay, 44, grauer Anzug, blaues Seidenhemd, in einer Suite des Hotels Ritz-Carlton am Potsdamer Platz in Berlin, eine Station der weltweiten Werbetour für seinen neuen Kinofilm "Transformers - Die Rache". Vor ihm auf dem Tisch liegt ein grünes Spielzeugauto aus Plastik, das man mit ein paar Handgriffen in einen kleinen Roboter verwandeln kann. "Ich", sagt der Regisseur und lächelt, "habe das Ding erfunden."
Ein Satz wie eine Szene aus einem Bay-Film, also arg übertrieben. Denn in Wahrheit gibt es diese Sorte wandelbarer Spielzeugroboter, sogenannte Transformers, schon seit den achtziger Jahren. Damals beherrschten die Plastikungetüme, entwickelt vom US-Spielzeugkonzern Hasbro, Millionen von Kinderzimmern in aller Welt.
Das Wettrüsten im Kalten Krieg, auf Erden und im Weltall, hatte auch das Spielzeug erreicht: Die Transformers waren schwer bewaffnet und latent aggressiv. Ihr Anführer Optimus Prime etwa sei ein "Meister im Nahkampf", lobt der Hersteller, bereit zu "praktisch unaufhaltsamer Attacke" und bewaffnet mit einer "Ultraaxt mit Plasma-Feuerstrahl". Es war der Charme des Schunds, der sogar pazifistisch gesinnte Erziehungsberechtigte vor kindlicher Begeisterung resignieren ließ. Später verloren die Roboterwichte ihre Durchschlagskraft - gegen den Zeitgeist sowie die Konkurrenz der Computerspiele.
Dass die Transformers jetzt mit großem Radau wiederauferstehen, verdanken sie der Ausdauer von Hasbro sowie Hollywoods Bedarf an bekannten Helden. Auf Anregung seines Kollegen Steven Spielberg hatte Regisseur Bay vor zwei Jahren die alten Transformers zu Stars eines neuen Kinospektakels erkoren ( SPIEGEL 30/2007).
Die Kampfmaschinen wurden am Computer zum Leben erweckt, ein paar Schauspieler dienten als Staffage, und natürlich ging im Film beinahe die Welt unter. Das Werk wurde von den meisten Kritikern verhöhnt, spielte aber über 700 Millionen Dollar ein, eine der erfolgreichsten Produktionen des Jahres 2007.
Diese Woche kommt nun die unvermeidliche Fortsetzung in die Kinos: "Transformers - Die Rache", eine zweieinhalbstündige Leistungsschau zum aktuellen Stand der Tricktechnik. Sogar die altägyptischen Pyramiden werden darin von Robotern demoliert. Kosten der Materialschlacht: 195 Millionen Dollar, der teuerste Film in der Geschichte der Paramount-Studios, Nostalgie auf Hochglanz.
Ein Gewinner der Investition steht bereits fest: Hasbro, nach dem Barbie-Puppen-Imperium Mattel der zweitgrößte Spielzeugkonzern der Welt. Denn der Werberummel zum Filmstart pusht nicht nur den Absatz von Transformers-Figuren, er etabliert Hasbro auch als neue Macht in Hollywood.
Firmenchef Brian Goldner, Co-Produzent des neuen "Transformers"-Films, ist gerade dabei, den Konzern zur multimedialen Entertainment-Fabrik aufzurüsten. So hat Hasbro mittlerweile eine eigene Filmabteilung, geleitet von Bennett Schneir, einem ehemaligen Mitarbeiter von "Zurück in die Zukunft"-Regisseur Robert Zemeckis. Im April stieg das Unternehmen zudem für 300 Millionen Dollar beim US-Kabelsender Discovery Kids ein. Wenn Hasbros Strategie aufgeht, dürfte es bald überall in Hollywood noch kindischer zugehen als ohnehin schon - der endgültige Triumph des Marketing über traditionelle Filmkunst.
Die Hasbro-Manager jedenfalls sind gut gerüstet. Von der Konzernzentrale im US-Bundesstaat Rhode Island aus herrschen sie über ein riesiges Sortiment, Umsatz 2008: vier Milliarden Dollar. Hasbro gehört zum Beispiel, über die Marke Parker Brothers, die Schlossallee: Der Spekulantenklassiker "Monopoly" ist das bekannteste Produkt des Konzerns.
Neben weiteren Brettspielen wie dem Detektiv-Quiz "Cluedo" produziert Hasbro eine Heerschar von Actionfiguren: die Transformers, den Kraftprotz "Stretch Armstrong" und die Soldatenpuppe "G.I. Joe", die seit Generationen kleine und große Amerikaner für Armee und Vaterland begeistert. Kleine Mädchen erfreut Hasbro mit "My Little Pony", einem ästhetischen Alptraum in Pink. Die wohl populärste Reihe des Konzerns ist jedoch das "Star Wars"-Spielzeug. Nur: Dafür muss Hasbro hohe Lizenzgebühren zahlen. Rund 20 Prozent der Einnahmen kassiert der Regisseur George Lucas.
1977 hatte Lucas, Erfinder der "Star Wars"-Mythologie, dem Studio Twentieth Century Fox angeboten, für weniger Gage zu arbeiten. Im Gegenzug verlangte er die Markenrechte an den "Stars Wars"-Figuren, um damit etwa Spielzeug auf eigene Rechnung produzieren lassen zu können.
Kinderkram, dachte man bei Fox und stimmte zu - eine der teuersten Fehlentscheidungen der Unternehmensgeschichte. Denn mit den Lizenzen für Jedi-Ritter-Spielzeug, T-Shirts mit Sternenkrieger-Aufdruck und anderem Nippes verdiente Lucas bald mehr als mit den Filmen selbst; er wurde Milliardär.
Die unendliche Verwertungskette von "Star Wars" - seit kurzem ergänzt durch eine TV-Zeichentrickserie samt neuen Merchandising-Produkten - hat Hollywood für immer verändert. Seitdem gilt das sogenannte Franchise als Krönung des Kinogeschäfts: ein Film als Markenname, mit Drehbuchcharakteren, die auch als Spielfigur, Computerspiel oder Schlüsselanhänger für fette Profite sorgen, im Idealfall noch Jahre nach dem Start des Films - oder zumindest so lange, bis die Fortsetzung des ersten Hits im Kino für einen neuen Aufmerksamkeitsschub sorgt.
Dieses Geschäft will Hasbro jetzt revolutionieren, nämlich teilweise umkehren. Statt nur hohe Lizenzgebühren an Lucas und Co. zu zahlen, entwickelt man selbst Filme, die auf Hasbros eigenen Kreationen wie den Transformers beruhen. So könne man auch "die Mythologie der Marken wahren", hofft Hasbro-Boss Goldner.
Bereits Anfang August kommt eine weitere Produktion, die dieser Logik folgt, in die Kinos: "G. I. Joe - Geheimauftrag Cobra", ein Haudrauf-Spektakel, in dem der Eiffelturm gesprengt und - Überraschung - die Welt gerettet wird. "Pures Adrenalin, knallharte Action und heiße Protagonisten", jubelt die Werbeabteilung. 2011 ist dann "Stretch Armstrong" dran.
Doch auch uralte Brettspiele will Hasbro entschlacken. Das Wissensspiel "Trivial Pursuit" etwa soll als Fernsehquiz bei Discovery Kids laufen. Andere Spiele will man mit Hilfe prominenter Regisseure in neue Filme für die Universal-Studios verwandeln. So arbeitet Gore Verbinski ("Fluch der Karibik") an einer Kinoversion von "Cluedo", Peter Berg ("Hancock") wurde für "Schiffe versenken" angeheuert.
Für die wohl prestigeträchtigste Aufgabe verpflichtete Hasbro den britischen Action-Routinier Ridley Scott ("Blade Runner"): Er soll Monopoly die Weihen des Kinos verleihen. Details sind noch geheim; fest steht, dass Scott gern viel Geld ausgibt, selten weniger als 100 Millionen Dollar pro Film. Nur: Wo ist die Geschichte?
Die aktuelle Wirtschaftskrise werde nicht vorkommen, so Schneir, Hasbros Hollywood-Manager, zum SPIEGEL. Stattdessen soll "Monopoly" laut Schneir "universelle Themen wie Liebe, Reichtum und Einsamkeit behandeln". Mit vier Bahnhöfen und einem Gefängnis bietet Monopoly dafür zumindest die passende Großstadt-Kulisse.
Doch hat Hasbro überhaupt das letzte Wort bei den Drehbüchern, die auf den Spielen des Konzerns beruhen? Schneir will solche Details mit Rücksicht auf seine Geschäftspartner nicht verraten.
Die Geschäftspartner selbst haben da weniger Skrupel. "Hasbro ist eine tolle Firma", stichelt "Transformers"-Regisseur Bay, "die lassen mir völlig freie Hand. Niemand redet mir rein."
Und sie zahlen gut. Für den neuen "Transformers"-Film hat Bay nämlich nicht nur dem Paramount-Studio, sondern auch Hasbro eine Gewinnbeteiligung abgetrotzt. Acht Prozent der Einnahmen von jeder verkauften Transformers-Figur gehen künftig an Michael Bay, den Großmeister der Apokalypse.
Mit weiteren Spielzeugfilmen darf gerechnet werden.
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Im Kino sowieso nicht. Aber ansonsten liegen Sie mit Ihrer Kritik nicht falsch. Der, wie ich fand, qualitativ sehr gute Zweiteiler 'Public Enemy Number 1' kam in der Großstadt, in der ich lebe in nur einem Kino von 20, 25? Der [...] mehr...
Irgendwie driftet dieser Thread sehr stark in Richtung "Hollywood ist schlecht, und Actionfilme sind der letzte Dreck" ab. Ich mag auch keine schnulzigen Liebeskomödien, und? Einige Leute fühlen sich offenbar vor allem [...] mehr...
Filme von - Paul Thomas Anderson - den Coen Brüdern - Ang Lee - Paul Haggis - Clint Eastwood - Michael Mann - Martin Scrosese usw. usf. Es gibt sie. Aber hilft natürlich nicht, wenn man einfach mal wieder über [...] mehr...
Effekte im Film sind toll, aber wenn diese nicht nur Technikdemo sind, noch besser. Ich kenne nur den ersten Teil, aber die Story hätte man in drei Sätzen wiedergeben können, und dise hat sich anscheinend an den Käufern des [...] mehr...
Noch was... so eine Enttäuschung... das muss man sich vorstellen, eine Gruppe von (hffentlich) hoch engagierten und motivierten Profis tut sich zu sammen, und heraus kommt... Tatataaa Indiana Jones IV - schlechte Tricks [...] mehr...
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