SPIEGEL: Seit kurzem müssen bei Ihnen alle Passagiere über das Internet einchecken und auch ihre Bordkarte selbst ausdrucken. Sonst zahlen sie am Flughafen 40 Euro Strafgebühr. Ab Oktober akzeptieren Sie Kunden ohne einen solchen Ausweis überhaupt nicht mehr. Sind speziell ältere Leute damit nicht hoffnungslos überfordert?

Ryanair-Chef Michael: "Wir wollen euer zweites und drittes Gepäckstück nicht, lasst es zu Hause"
SPIEGEL: Als Nächstes wollen Sie nun angeblich auch noch eine Toilettengebühr an Bord einführen. Ist das Ihr neuster PR-Gag, nachdem Sie die Idee verworfen haben, von übergewichtigen Passagieren eine sogenannte Fat-Tax zu kassieren?
O'Leary: Das hat durchaus einen ernsten Hintergrund. Wir diskutieren zurzeit mit Boeing, wie man an den Türen Münzgeräte für einen Euro oder Schlitze zum Durchziehen der Kreditkarte anbringen kann. Die durchschnittliche Flugdauer bei uns beträgt nur gut eine Stunde. Wir wollen die Passagiere dazu ermuntern, vorher oder hinterher am Flughafen auf die Toilette zu gehen. Das verhindert an Bord lange Schlangen vor den WC-Türen und das ständige Aufstehen und Hinsetzen in der Kabine.
SPIEGEL: In Deutschland fliegen Sie seit kurzem auch den Allgäu-Airport in Memmingen an. Welche weiteren Flughäfen wollen Sie hierzulande in Ihren Routenplan aufnehmen?
O'Leary: Wir verhandeln derzeit mit vier Flughäfen in Deutschland, die wir bislang noch nicht ansteuern. Mehr sage ich dazu nicht. Ich gebe der Lufthansa doch nicht unnötig Tipps, wo wir als Nächstes auftauchen.
SPIEGEL: An Ihrem deutschen Stammsitz in Frankfurt-Hahn sollte Anfang des Jahres eine Terminalgebühr von drei Euro pro Passagier eingeführt werden, um die Verluste für den Steuerzahler zu verringern. Der Plan wurde fallengelassen, nachdem Sie gedroht hatten, einige Ihrer Flugzeuge dort abzuziehen. Können Sie verstehen, dass einige der Manager und Politiker vor Ort sich erpresst fühlten?
O'Leary: Das kann ich mir nicht vorstellen, ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu denen. Dort wurde so getan, als ob das Passagiergeschäft für die Verluste verantwortlich wäre. Das stimmt nicht, sie stammen aus dem Frachtgeschäft, das aus Frankfurt dorthin verlagert wurde. Wir haben genug Alternativen und gehen immer dorthin, wo die Konditionen am günstigsten sind. Das machen McDonald's und Ikea jeden Tag, sie suchen sich auch die günstigsten Lieferanten aus.
SPIEGEL: Eigentlich wollten Sie demnächst auch Langstreckenflüge anbieten. Haben Sie das immer noch vor?
O'Leary: Im Moment haben wir das erst mal für zwei bis drei Jahre aufgeschoben. Wir brauchen dafür günstige Flugzeuge. Bei den kleineren Jets ist der Markt schon jetzt massiv eingebrochen. Bei den größeren Maschinen aber ist die Nachfrage noch erstaunlich stabil, weil Boeing und Airbus mit der Auslieferung einiger Langstreckenjets Probleme hatten und insbesondere Airlines aus dem Nahen und Mittleren Osten nach wie vor bestellen. Wir müssen deshalb erst einmal abwarten, bis es auch dort zu einem Einbruch kommt.
SPIEGEL: Wie lange wollen Sie selbst denn noch an der Spitze von Ryanair stehen? Seit Jahren heißt es immer wieder, Sie würden sich bald aus der Geschäftsführung zurückziehen, um sich mehr um Ihre Familie zu kümmern. Nachdem Sie gerade noch einmal Nachwuchs bekommen haben, wäre doch jetzt ein geeigneter Zeitpunkt.
O'Leary: Na ja, das wäre ja eher ein Grund, den geplanten Ruhestand noch etwas hinauszuschieben - bis die Kleine aus dem Gröbsten raus ist. Ich denke, in drei Jahren werde ich die Führung an ein neues Management übergeben. Dann schläft meine Tochter durch, Ryanair wird mit 80 Millionen Passagieren die mit Abstand größte Fluggesellschaft Europas sein - und für mich gibt es nicht mehr viel zu tun.
Das Interview führte SPIEGEL-Redakteurin Dinah Deckstein.
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© DER SPIEGEL 27/2009
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