Von Thomas Schulz
Das Filmstudio von Jerry Bruckheimer liegt in einer Sackgasse im Gewerbegebiet von Santa Monica. Vor dem langgestreckten Flachbau weist kein Schild auf das Unternehmen hin, das einem der mächtigsten Männer Hollywoods gehört.
Der Empfang könnte auch zu einer Schraubenfabrik gehören, nicht einmal ein Filmplakat vergangener Kassenschlager wie "Armageddon", "Pearl Harbor" oder der "Fluch der Karibik"-Trilogie stört die puristische Atmosphäre aus kahlen Wänden, schweren Ledersofas und weißen Orchideen.
Bombastisch wird es erst im privaten Vorführraum. Bruckheimer, der Action-König des globalen Filmgeschäfts, hat seinen ersten 3-D-Film produziert.
"Jetzt geht es gleich rund", sagt Hoyt Yeatman und setzt sich eine Plastikbrille mit hellgrauen Gläsern auf die Nase. Yeatman ist der Regisseur von Bruckheimers neuestem Film und ebenfalls bereits eine Legende in Hollywood. Er hat einen Oscar für Spezialeffekte gewonnen, einst mit Steven Spielberg an "E. T." gearbeitet und unter anderem dafür gesorgt, dass es in Spektakeln wie "Armageddon" oder "Con Air" besonders wuchtig knallt und kracht.
Kaum erlischt das Licht, lärmt es ordentlich, wie es von einem Bruckheimer-Film zu erwarten ist. Aber dieses Mal ist doch alles anders: Die Explosionen wirken noch realistischer, die Charaktere plastischer, die Szenerie zum Anfassen echt.
Selbst die Geschichte scheint mitreißender. "G-Force", eine der großen Kassenhoffnungen der Disney-Studios und ab Oktober in den deutschen Kinos, zeigt beispielhaft die visuell beeindruckenden neuen Möglichkeiten, die dreidimensionale Technik vor allem dem Action-Kino bietet.
Dabei war "G-Force" ursprünglich als 2-D-Film angelegt. "Der Film war eigentlich schon halb fertig, als Jerry auf einmal zu mir kam und sagte: 'Ich brauche diesen Film unbedingt in 3-D'", sagt Yeatman.
Bruckheimer ist nicht allein mit diesem Wunsch. Ganz Hollywood redet nur noch über das neue Geschäft, das vor allem den Bilanzen der Branche eine neue Dimension verschaffen soll.
"Es ist eine Revolution", jubelt Jeffrey Katzenberg, Chef des Filmstudios Dreamworks Animation. Nach dem Wechsel von Stummfilm zu Ton und von Schwarzweiß zu Farbe stehe nun nichts weniger als der dritte große Epochenwechsel im Kino an. Drunter machen's die Fachleute gar nicht mehr.
"Nahezu jeder Film profitiert von 3-D", schwärmt Peter Jackson, Regisseur des "Herr der Ringe"-Welterfolgs. "Als Filmemacher will ich, dass die Zuschauer sich im Film verlieren, statt nur zu beobachten, und das wird durch 3-D enorm befördert." "Titanic"-Regisseur James Cameron ist sicher: "Das ist die Zukunft des Kinos."
Dreamworks, Macher von Kassenknallern wie "Shrek", hat bereits angekündigt, künftig nur noch 3-D-Filme in die Kinos zu bringen. Auch alle anderen großen Studios produzieren unter Hochdruck einen dreidimensionalen Streifen nach dem anderen. Vergangenes Jahr kamen lediglich vier 3-D-Filme in die Kinos. In den nächsten 18 Monaten dagegen werden es rund 30 sein. "In fünf Jahren werden fast alle Filme in 3-D sein", glaubt Katzenberg.
Noch sind die Studios damit beschäftigt, die Kinozuschauer davon zu überzeugen, dass das heutige 3-D nichts mit den rotgrünen Pappbrillen und schwammigen Bildern jener 3-D-Vorführungen zu tun hat, wie sie schon seit den zwanziger Jahren immer mal wieder in den Kinos auftauchten - und genauso schnell auch wieder verschwanden.
"Früher wurde 3-D mit diesen riesigen Kamerasystemen gefilmt und bei der Vorführung über zwei Projektoren abgespielt, aber die konnte man nie richtig synchron halten, totaler Nonsens eigentlich", sagt Regisseur Yeatman.
Das Prinzip ist heute zwar immer noch dasselbe: Es werden zwei Bilder gesendet, eines für das linke, eines für das rechte Auge, dadurch entsteht wie beim normalen Sehen in der Natur Tiefe. Doch dank digitaler Projektoren kann der Prozess so genau gesteuert werden, dass das Gesamtbild stets scharf bleibt. Brillenträger haben übrigens auch hier keinerlei Nachteile - außer dass sie gleich zwei Gestelle auf der Nase haben.
Die Plastikbrillen mit Polarisationsfilter sorgen dafür, dass in jedem Auge nur ein Teil des Bildes ankommt - beispielsweise auf dem linken Auge nur die horizontal polarisierten Bilder der Leinwand, auf dem rechten Auge lediglich die vertikalen.
Das neue digitale 3-D funktioniert so gut, dass die Kinobesucher bereit sind, bis zu 50 Prozent mehr für eine Kinokarte zu zahlen. Ein glänzendes Geschäft für die Filmstudios, denn die Produktionskosten sind laut Disney-Studio-Top-Manager Mark Zoradi nur fünf bis zehn Prozent höher. Davon profitieren zurzeit jene deutschen Kinos, die den dritten Teil von "Ice Age" in der dritten Dimension anbieten können, weil sie ihre Technik bereits umgerüstet haben.
Noch fehlt es an genügend 3-D-fähigen Kinosälen: In Deutschland gibt es bislang knapp 150 davon, in den USA immerhin bereits knapp 2000. Derzeit kommen deshalb alle 3-D-Filme gleichzeitig auch in der altbekannten zweidimensionalen Version ins Kino. Mit allen Mitteln versuchen die Hollywood-Studios nun weltweit, die Kinobetreiber dazu zu bewegen, möglichst schnell möglichst viele Kinos 3-D-fähig zu machen.
"In Deutschland etwa war ich gerade vor knapp einem Monat und habe vor Kinobetreibern Präsentationen abgehalten", sagt Disney-Mann Zoradi. "Ich habe wirklich Druck gemacht, dass sie schnell an Bord kommen."
Dass gutes Zureden allein nicht hilft, ist den Studiobossen dabei klar: Mehr als eine Milliarde Dollar wollen sie in die Aufrüstung der Kinosäle pumpen. Sie übernehmen zum großen Teil die Kosten für die Umstellung der Kinos von analogen auf digitalen Film - der Voraussetzung ist, um überhaupt in die neue Dimension vorstoßen zu können. Das könne bis zu 80.000 Dollar ausmachen, sagt Zoradi. Den eigentlichen 3-D-Ausbau der Kinos müssten dann die Kinobetreiber übernehmen, der noch einmal 10.000 bis 15.000 Dollar kostet - pro Vorführsaal.
Die Umrüstung geht dennoch langsam voran, auch wenn sich etwa in Deutschland die Zahl der kompatiblen Filmtheater pünktlich zum Start von "Ice Age 3" vorvergangene Woche deutlich erhöhte.
Auf anderen Social Networks posten:
Egal welche Begriffe gewählt werden um zu beweisen das es kein 3-D Kino gibt und wie sehr manche Recht haben wollen....ich finde das 3-D Kino richtig gut, es vermittelt ein Sehgefühl welches ich zuvor noch nicht hatte. Ich [...] mehr...
als bitte keine Oberlehrerantworten!: Also; ich würde mal behaupten dass die Wahrnehmung eines dreiminensionalen Raums eigentlich bereits die einer 4 dimension ist ( Zeit) durch die man als mensch den drei D Raum wohl eher [...] mehr...
es gab da jetzt einen Film im Verleih: Reise zum Mittelpunkt der Erde- in 3D Fassung und mit Brille. Im Gegensatz zu früher waren da auf einem digitalen 3 D Projektor schon 3D Effekte erkennbar wenn auch schwach und unscharf und [...] mehr...
Ja, das ist meine Meinung, hat aber mit Purist nichts zu tun. Ich meine es ernst - auf mich wirkt 3D nicht wie 3D, sondern wie 2D + Tricks. Aber keine Sorge, ich werde das 3D-Kino nicht boykottieren: Ich gehe sowieso nie in [...] mehr...
wie 3d im kino gemacht wird ist schon eine komplexe frage... prinzipiell enteht 3D dadurch, dass das gehirn die bilder beider Augen zusammen bastelt und daraus ein 3D-Bild zusammen baut. Da gibt es verschiedene verfahren: [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Tech | RSS |
© DER SPIEGEL 29/2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH