Von Wolfgang Höbel
In der Auswahl von potthässlichen Verkleidungen und Kopfbedeckungen hat es Christian Ulmen zu schöner Meisterschaft gebracht: Seine Fans finden seine Idiotenkostüme derart zum Brüllen komisch, dass sie sich schon beim Anblick des Meisters schier wegwerfen wollen vor Begeisterung. Seine Verächter aber möchten angesichts seiner schlichten Travestie am liebsten schreiend das Weite suchen.
Mit wippendem Karl-Lagerfeld-Zopf, tropfenförmiger Sonnenbrille und Spazierstock spielt Ulmen, 33, beispielsweise einen steinreichen adligen Schnösel, der einer Familie von Hartz-IV-Proleten eine Riesenwohnung anmietet und sich als zynischer edler Spender aufspielt. Mit schwarzem Schlapphut, Schmuddelmähne und umgehängter Gitarre gibt er einen verkrachten Hamburger Liedermacher.
Und unterm Baseball-Käppi, im Holzfällerhemd und mit schiefem Dauergrinsen im kassenbebrillten Gesicht verkörpert er den geistig herausgeforderten Sonderling Uwe, der diverse schöne Frauen (er nennt sie "goile Elsen") und alle Welt durch sein infantiles Gehabe vor den Kopf stößt.
So, in wechselnder Staffage, hat es Ulmen geschafft, von deutschen Medienkritikern als derzeit subversivster Entertainer im Fernsehgewerbe gefeiert zu werden.
Mit dem Schönheitsfehler, dass man seine - natürlich mit dem Adolf-Grimme-Preis gekürten - Künste seit einiger Zeit nicht mehr in einem der gängigen Fernsehsender, sondern nur im Internet bewundern kann.
Weil die Quoten von Sendungen wie "Mein neuer Freund" und "Dr. Psycho" zu schlecht waren, sendet Ulmen jetzt auf Netzseiten wie "MySpass" und "Youtube" unter der Marke "ulmen.tv". Zu bestaunen gibt's dort eine Parade von Freaks, die narzisstisch (und zuverlässig als "Kult" gepriesen) in ihren Binnenwelten kreisen.
Insofern ist es schon eine erfreuliche Neuigkeit, dass Ulmen nun in einer Kinorolle weitgehend unkostümiert vor die Kameras tritt. In der am Donnerstag nächster Woche startenden Bestsellerverfilmung "Maria, ihm schmeckt's nicht!" spielt er einen deutschen Normalo, der ohne große soziale Auffälligkeiten durchs Leben stromert und seinen Verstand offenbar völlig beieinanderhat. Wie erholsam!
Zur Herbeiführung allerlei komischer Verwicklungen reicht es hier völlig, dass der junge Held die Tochter eines seit vielen Jahren in Deutschland lebenden Italieners heiraten will und nach Süditalien reist.
Mit staunend aufgerissenen Augen, wuscheligen Haaren und so tapsig ungelenken Bewegungen, als wäre er immer erst vor zwei Minuten aufgewacht, stolpert er in das lärmende, dabei durchaus klischeehaft ausgemalte Lebensfreude-Chaos einer italienischen Großfamilie.
Der Kerl, den Ulmen spielt, kämpft nicht nur mit einer Meeresfrüchte-Allergie und seiner Zuneigung zu einer süßen, aber komplizierten Frau (Mina Tander), sondern vor allem mit der eigenen Trägheit und Durchschnittlichkeit. Das macht ihn im Film der Regisseurin Neele Leana Vollmar zu einem unerwartet interessanten Charakter.
Ulmen hat zwar schon in Filmen wie "Herr Lehmann" (2003) oder "FC Venus" (2006) große Rollen gespielt, bei seinen Umtrieben als Spaßunternehmer aber ist ziemlich in Vergessenheit geraten, dass er als Schauspieler offenkundig viel aufregender und begabter ist als im Spazierenführen seiner diversen Klamaukmasken.
Vor Jahren hieß es, in Ulmen stecke vielleicht ein neuer Heinz Rühmann. Stattdessen macht er seit einiger Zeit penetrant auf neuer Didi Hallervorden.
Jüngstes Zeugnis dieses unbedingten Willens zur Blödelei ist das Buch "Für Uwe", in dem Ulmen die Geschichte seiner Lieblingsfigur Uwe Wöllner schildert.
Der außer mit Holzfällerhemd und Baseballmütze auch mit einem Überbiss ausgestattete halbdebile junge Mann berichtet darin, wie seine Mutter mit einem Hockeyball totgeschossen wurde und es ihn selber ins wüste Berlin verschlug, wo er unter anderem in einem Puff Limo trinkt und beim Leichenschrubben zusieht.
Stiller Höhepunkt des Buchs ist die Szene, in der Wöllner erfährt, dass man eine Trauergemeinde nicht als "liebe Zurückgebliebene", sondern als "liebe Hinterbliebene" anspricht.
Nach den ehemaligen Musiksender-Moderatorinnen Charlotte Roche und Sarah Kuttner musste nun offenbar auch der ehemalige Musiksendermoderator Ulmen dringend ein Buch schreiben. "Ein eigenes Buch! Voll der Becher!", lässt er seinen Uwe schwärmen, der pausenlos Anlass zum Fremdschämen bietet. Dabei gilt: Ulmens Uwe Wöllner ist wie Spaß-Flasche leer.
Im "Maria"-Film zeigt Ulmen dagegen ganz lässig, wie sein Held sich selber schämt und sich stets im Weg steht: ob er in einer Kleinstadtgasse mit den Einheimischen radebrecht oder mit den Schwiegereltern am Tisch sitzt, während sich sein Inneres verknotet.
Die durch TV-Clips gestählten Freunde des Christian-Ulmen-Kults werden die großen Brüller vermissen. Dafür ist es öfter richtig komisch.
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"Die durch TV-Clips gestählten Freunde des Christian-Ulmen-Kults werden die großen Brüller vermissen. Dafür ist es öfter richtig komisch." Wolfgang Höbel hällt sich selbst offenbar für befähigt, zu beurteilen, was [...] mehr...
Auch wenn Ulmen in Sachen Talent, Subversivität und Herangehensweise sicherlich mit Sacha Baron-Cohen zu vergleichen ist, so hat "Maria, ihm schmeckt's nicht" nun wirklich überhaupt nichts mit Borat, Brüno und [...] mehr...
Na ihr seit ja gaaaaanz von der schnellen Truppe ^^ Ich habe ihn das erste mal in den Film: Elementarteichen gesehen (Moritz Bleibtreu, Franka Potente u.a.) Da war er auch sehr gut. mehr...
... dass er nicht bei den ganzen Lustig-Comedy-Sendern darf, weil er zu oft da witzelt, wo's den Programmchefs ein bisschen zu sehr weh tut. Clowns, die Clowniges von sich geben, haben's im Privatfernsehen einfach leichter, [...] mehr...
Also, wenn ich die Storyline sehe, hört sich das ganze nach ein schlechtes Abklatsch von ein sehr schlechten Film an. ist echt Schade für ein Grimme Preisträger. mehr...
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