Von Michaela Schießl
Das Paar aus Deutschland war in bester Urlaubsstimmung, als es auf Gran Canaria landete. Vergnügt checkten die 76-Jährigen in ihrem Hotel ein und beschlossen, sogleich die Umgebung zu erkunden.
Kurz darauf sprach sie auf der Promenade von Maspalomas ein junger Mann an. Er werbe für einen Ferienclub, sagte er und überreichte den beiden ein Rubbellos. Und tatsächlich: Die Frau gewann den Hauptpreis von 600 Euro. Der Gewinn müsse allerdings in der Zentrale abgeholt werden. Ein Taxi stand bereit, und bevor sie sich versahen, waren die Touristen auf dem Weg nach Playa del Inglés.
Dort jedoch wartete statt des Hauptgewinns ein Mitarbeiter der Firma Canary Bussines auf sie, er setzte das Paar in ein Café und verwickelte es in ein aggressives Verkaufsgespräch. Vier Stunden später waren die Pensionäre Mitglied in dem Urlaubsclub "Club Select Holidays" - und um 4000 Euro ärmer. Das Geld wurde sofort auf ihrer Kreditkarte belastet.
Mit dieser "Aufnahmegebühr" sind sie noch billig davongekommen. Bis zu 10.000 Euro nehmen Touristenabzocker ihren Opfern für sogenannte Holiday-Packs oder Urlaubsclubs ab, warnt das Bundeskriminalamt. Zwar haben viele Urlaubsgemeinden die Anmache auf öffentlichen Straßen verboten, doch die Hintermänner kümmert es wenig. Wenn der Druck von Offiziellen oder Kunden zu groß wird, schließen sie ihre Firma und eröffnen tags darauf unter neuem Namen.
Bei britischen Verbraucherschützern gehen etwa 70 Beschwerden in der Woche ein, auch im Europäischen Verbraucherschutzzentrum (EVZ) in Kiel stapeln sich Anschreiben der Übertölpelten. "Die Verkäufer sind psychologisch erstklassig geschult", sagt die EVZ-Juristin Andrea Sack. Die Geprellten fühlten sich "wie in Hypnose versetzt". Von einer Art "Gehirnwäsche" spricht auch die Pensionärin.
Anders sind die Vertragsabschlüsse auch kaum zu erklären. Denn für ihr Geld bekommen die Kunden nicht etwa einen garantierten Urlaubsanspruch, sondern nur die Mitgliedschaft in einem Vacation-Club. Über den, so lautet das Versprechen, könne man Luxusreisen bis zu 60 Prozent billiger buchen. Anscheinend jedoch existieren viele dieser Clubs gar nicht oder können - Überraschung - die Angebote ausgerechnet zu den gewünschten Reisetagen nicht anbieten. Stattdessen wird eine andere Bleibe angedient, die mit dem versprochenen hochwertigen Angebot nicht viel gemein hat.
Oft erhalten die Kunden für ihre Einlage gerade mal Zugang zu einer Reisebuchungsseite im Internet. Die dortigen Angebote jedoch sind auf dem freien Markt ähnlich günstig zu haben, ohne Mitgliedsbeitrag oder Zusatzgebühren. Canary Bussines und Club Select Holidays wollten sich zu den Vorwürfen nicht äußern.
Wer sein Geld zurückhaben will, hat wenig Chancen. Durch umfangreiche Vertragsbedingungen versuchen sich die Anbieter rechtlich abzusichern. So unterschrieben die Pensionäre, den Vertrag "ohne Ausübung von Zwang" abzuschließen. Rücktrittsrecht? Fehlanzeige. Dafür räumten sie dem Club ausdrücklich das Recht ein, alternative Angebote zu machen für den Fall, "dass wir aufgrund fehlender Verfügbarkeit nicht in der Lage sind, die von Ihnen getroffene Wahl anzubieten".
Dass die Firma Club Select Holidays nicht etwa in Europa, sondern auf den Seychellen registriert ist, können Kunden erst merken, wenn sie nach Wochen Zugang zur Mitgliederseite bekommen.
Auch die versprochenen vier Testwochen, mit denen sie gelockt wurden, stellten sich beim Studium des Kleingedruckten als Mogelpackung heraus. Man kann sie nur einzeln in ausgewählten Vertragshotels nehmen, muss in den meisten Fällen unter 69 Jahre alt sein und verpflichtet sich, während des Aufenthalts eine 90-minütige Promotionveranstaltung über sich ergehen lassen.
Die Masche mit den Ferienclubs ist aus dem Time-Sharing entstanden, dem Geschäft mit Teilzeitwohnrechten für Feriendomizile. "Mit Urlaubspaketen werden oftmals ungenutzte und leerstehende Wohnungen in Time-Share-Anlagen gefüllt", sagt der Heidelberger Rechtsanwalt Hans Witt, der die Interessengemeinschaft Time-Sharing-Geschädigter betreut. Weil mit Time-Sharing von jeher eher halbseidene Geschäfte gemacht werden, hat die EU schon vor Jahren gesetzliche Regeln erlassen. Seither besteht bei einer Laufzeit von über drei Jahren ein Rücktrittsrecht.
Dieses Recht wird durch den Clubtrick umgangen: Hier dauern die Verträge maximal 35 Monate und sind nicht örtlich gebunden. Diese Lücke hat die EU nun geschlossen. Anfang dieses Jahres trat die Richtlinie 2008/122 in Kraft, die den Mitgliedern von Holiday-Clubs die gleiche Rücktrittsfrist einräumt wie den Time-Sharern. Allerdings haben die Länder mit der Umsetzung Zeit bis Februar 2011.
Bis dahin wollen die Ferienclubanbieter offenbar noch ordentlich Kasse machen. "Seit Anfang des Jahres wird das Problem täglich größer", sagt Hartmut Reinhard, Herausgeber von "Info Canarias", des größten deutschsprachigen Wochenmagazins der Kanaren.
Den Opfern rät das BKA, Strafanzeige zu erstatten. Doch an ihr Geld kommen sie auf diese Art kaum: Zwar können die Verträge oft wegen Sittenwidrigkeit aufgehoben werden, doch dann sind die Anbieter meist über alle Berge.
Erfolgversprechender ist es, sofort einen Widerruf an die Vertrags- und die Kreditkartenfirma zu senden. Viele Kreditkartenfirmen können Beträge innerhalb von zehn Tagen vorläufig zurückbuchen. Und auf einen Streit mit einem Geldinstitut lassen sich die meisten Drückerfirmen lieber nicht ein.
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Ob Geldanlagen, Spendenabzockereien, Mitgliedschaft in "karitativen" Vereinen, Sekten, ob Abonnements jeder Art, Rabatte, "Freeware" im Internet, "Gewinne", Preisausschreiben..... nicht nur auf [...] mehr...
Man wird nicht nur in den Medien ausgiebig darüber informiert sondern auch bei Antritt der Reise. Ich war schon oft auf den Kanaren und habe dort einige Zeit gelebt. Die Warnhinweise der Veranstalter wie Neckermann z.b. sind mehr [...] mehr...
.... Fehler macht jeder´, keine Frage. Aber: Dummheit ist kein Fehler den man macht, sondern schlicht und ergreifend unendschuldbar. mehr...
Au weia, that was a good one. Seien Sie froh, dass Sie nicht auf diesen miesen Kanaren und dem Massentourismus waren. Madeira ist exklusiver, schoener, hat Stil und gutes Essen. Auch wenn man da Portugiesisch spricht. Da ist [...] mehr...
Naja, so arm werden die nicht gewesen sein, wenn 4000 Euro durch die Kreditkarte gedeckt und abbuchbar waren. Bei dem Betrag sollte es immer erstmal *klick* machen. Wenn nicht: selbst schuld. Das bedeuted nicht, dass das [...] mehr...
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