Von Isabell Hülsen
Auf vielen Zeitungsseiten im Netz finden sich die immer gleichen Meldungen der Nachrichtenagenturen. Oder Bildergalerien, die den einzigen Grund, weshalb man sie angucken soll, nicht mal verschleiern: Klick mich! Online gilt einigen Verlagen - von den publizistischen Flaggschiffen abgesehen - noch immer als zweitklassiger Journalismus, auch und gerade, weil er im Netz verschenkt wird.
Bezahlte Inhalte, hofft Ex-"Time"-Chef Isaacson deshalb, sind auch eine "Chance, den Kompass wieder richtig zu justieren, auf das, was die Leser für wertvoll halten".
Deshalb reicht es jetzt, in Zeiten von Wirtschafts- und Werbekrise, kaum aus, nur rasch das Kassenhäuschen woanders aufzubauen. "Herauszufinden, was Lesern lieb und teuer ist, kostet mehr Zeit und Mühe, als mancher glaubt", sagt Ridding.
Das Experiment dauert auch bei der "FT" an. Das Blatt denkt gerade darüber nach, wie es Kunden, die kein Jahres-Abo wollen, zum Zahlen bewegen kann.
Inspiration liefert Apples Online-Shop iTunes: Für 99 Cent gibt es hier fast jeden Song einzeln, ein einziges Passwort macht den Einkauf bequem. Die Kunden wehren sich nicht, online zu zahlen, sie wollen nur keinen Stress, glaubt Ridding. Wer erst in zehn Schritten seine Kreditkartendaten eingeben muss, findet im Zweifel, dass der Artikel doch nicht so wichtig sei.
Bisher fehlt es den Verlagen aber an einer ähnlich simplen Technik. Eine Lücke, die der Unternehmer Steven Brill und der frühere Herausgeber des "Wall Street Journal", Gordon Crovitz, mit einem ehrgeizigen Projekt schließen wollen.
Ihre New Yorker Firma Journalism Online hat eine Bezahlplattform entwickelt, die es den durchs Web surfenden Lesern ermöglicht, auf verschiedenen Nachrichtenseiten mit demselben Kennwort einzukaufen. Vergangene Woche vermeldeten die Gründer, dass sich schon 506 Zeitungen und Zeitschriften an dem Vorhaben beteiligen, das im Herbst starten soll.
Jeder Verlag kann selbst festlegen, ob er pro Artikel oder im Monats-Abo abrechnet. Aber auch eine All-you-can-read-Flatrate für alle Zeitungen wäre denkbar. "Wir haben die Frage hinter uns gelassen, ob die Verlage Paid Content wollen, es geht jetzt um das Wie und Wann", sagt Brill.
Und auch Murdoch hat seinen Konzern zum Labor erklärt: Eine Arbeitsgruppe fahndet gerade nach Bezahlideen für sämtliche Zeitungen seines Imperiums. "Paid Content heißt nicht, um jede Seite einen hohen Zaun zu ziehen und Geld für den Eintritt zu verlangen", sagt Gordon McLeod, Manager der Internetsparte des "Wall Street Journal", das seit zwei Jahren zu Murdochs Imperium gehört. Mancher könne viel umzäunen, mancher fast nichts. Er glaubt an "Freemium", also die Mischung aus Free- und Premium-Inhalten.
Den Kardinalfehler des Internets hat sein eigenes Blatt vermieden: Seit 1997 ist die Web-Seite des "Wall Street Journal" zum Teil kostenpflichtig, vor allem das, was das Blatt ausmacht: Finanz- und Technologieberichte. Abonnenten haben freien Zugang zu allen kostenpflichtigen Geschichten. Eine Million Online-Abos bringen heute rund hundert Millionen Dollar Umsatz.
Noch 2007 hatte Murdoch laut darüber nachgedacht, die Web-Seite freizugeben. Er war klug genug, es zu lassen. Nun sollen demnächst auch hier Kleinstbeträge pro Artikel erhoben werden.
Gegen die Experimente in New York und London nehmen sich die deutschen Ideen noch zögerlich aus. Das hat auch einen erfreulichen Grund: Es fehlt die nackte Not. In Großbritannien mussten seit vergangenem Jahr über 50 kleinere Blätter aufgeben. In den USA wanken selbst Flaggschiffe wie die "New York Times".
Die deutschen Verlage haben sich bisher eher auf die Defensive verlegt. - Axel Springer-Chef Mathias Döpfner brachte die Idee gesetzlicher Leistungsschutzrechte auf, die Verlagen eine Abgabe für die Verbreitung ihrer Inhalte im Netz sichern sollen. Die Verleger klemmten sich hinter eine gemeinsame Erklärung, von der kaum jemand voll verstand, was drinsteht. Und Verleger Hubert Burda prügelte stellvertretend für die Branche auf Google ein: Die Suchmaschine enteigne Verlage, weil sie sich an deren Inhalten vergreife (siehe Interview). Zukunft hört sich irgendwie anders an. Seit Murdoch aus der Deckung kam, weiß man auch wie.
Springer-Chef Döpfner verkündete vergangene Woche plötzlich, bis zum Herbst wolle sein Konzern für Regionalzeitungen wie das " Hamburger Abendblatt" ein Mischmodell aus Gratis- und Bezahlinhalten entwickeln. Auf dem iPhone gibt es Bild.mobil und Welt.mobil zudem nur noch gegen Gebühr. Auf dem Handy, so die begründete Hoffnung auch anderer Verlage, zahlen Nutzer selbst für Inhalte, die sie am Computer gratis bekommen.
Das System ist alles andere als ausgereift, und ob es klappt, wagt selbst Döpfner nicht zu sagen: "Aber wenn wir nicht mal selbst überzeugt sind, dass wir Inhalte haben, für die die Leser zahlen, sollten wir das Verlegen gleich lassen."
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Das WSJ ist schon ok, hat Murdoch noch nicht kaputt bekommen. Aber der Rest ...! mehr...
Zitat Murdoch "Qualitätsjournalismus kostet". Das ist eine richtige Feststellung, dagegen wird niemand widersprechen wollen. Das mit Qualitätsjournalismus Produkte aus dem Meinungsimperium Murdoch gemeint sind, wird zwar [...] mehr...
Tageszeitungen, aber auch Magazine wie Spiegel, drucken heute doch lediglich Agenturmeldungen ab, welche wiederum aus nichts anderem bestehen, wie aus den Pressemitteilungen der Unternehmen und Verbände. Wer soll hierfür [...] mehr...
Dass ein Verlag für seine Publikationen (ob gedruckt oder im Internet) Geld fordert, ist sein gutes Recht. Schließlich muss sich jeder eingestehen, dass Arbeit Geld kostet. Andersherum darf sich natürlich auch jeder Konsument [...] mehr...
geschaltet (ist er eh immer)! Dafür einfach den Cache und alle Cookies nach Beenden vom Firefox einfach löschen. Und nun zum Test: ft.com Artikel gelesen, 2. Artikel gelesen und tatsächlich im 3. Artikel fehlt 90 % vom Text. [...] mehr...
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