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Ausgabe 35/2009
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Mode "Es wird verheerend"

Modebranche in der Krise: "Es wird verheerend"
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2. Teil: "Für die Hoffnung auf eine gewisse Gesundung"


SPIEGEL:
Die aktuelle Krise empfinden Sie als Chance?

Joop: Ja, natürlich.

SPIEGEL: Für was?

Joop: Für die Hoffnung auf eine gewisse Gesundung. Meine Kundinnen sagen, dass die Wunderkind-Sachen sie einfach glücklich machen. Wenn man nur sieht, wie sich weltweit das Handtaschengeschäft entwickelt hat. Mal wurden die Dinger aufgeblasen wie ein Saumagen, dann wieder hatten sie 45 Metastasen. Und die Frauen mussten aufpassen, dass sie ihre "It-Bags" nur ja nicht fünf Minuten zu lange trugen, weil sie dann plötzlich out waren. Mode muss auch schön sein, dauerhaft, nachhaltig, praktisch. Sie muss die Menschen verändern in den Stunden, wenn sie die Mode tragen. Gute Mode ist auch eine Therapie.

SPIEGEL: Warum haben Sie sich das alles eigentlich noch mal aufgehalst mit Wunderkind?

Joop: Weil ich jeden Tag dafür gern aufstehe. Und 2008 hatten wir immerhin ein Umsatzplus von 100 Prozent ...

SPIEGEL: ... auf wie viel Euro?

Joop: Es geht darum, sich zu entwickeln, wirtschaftlich wie auch kreativ. Die Konzentration auf das Produktdesign treibt mich an, aber nur der wirtschaftliche Erfolg macht eine Marke auch sexy. Das ist kein Prozess von heute auf morgen.

SPIEGEL: Wunderkind macht angeblich nur sechs Millionen Euro Umsatz.

Joop: Derartige Zahlen sagen nichts aus. Wir entwickeln uns prächtig, und das ist, was langfristig wichtig ist, ein starkes Potential, auch über die Krise hinaus. In Paris wird mir heute als Couturier die Ehre zuteil, die ich früher nie bekam. Zurzeit arbeite ich an der nächsten Schau für Paris im Oktober. Die Stadt ist kein Paradies, sondern ein Schlachthaus. Es ist eine unglaublich harte, aber auch schöne Arbeit ...

SPIEGEL: ... und teuer. Was kostet so eine Schau?

Joop: 500.000 Euro sind da schnell weg. Aber man kann auch weniger nach mehr aussehen lassen. Ich kann ja durchaus sparen. Es geht darum, schlank zu überleben.

SPIEGEL: Haben Sie Angst, dass die Krise auch Wunderkind voll erwischen könnte.

Joop: Natürlich. Die Angst vor einer Pleite schwingt immer mit in Zeiten wie diesen. Wunderkind soll ja nicht meine Kaktusblüte werden, also der kurze Augenblick zauberhafter Schönheit, der letztlich den Stamm zerstört. Insofern muss ich aufpassen, dass ich mich nicht von meinem eigenen Experiment wegtragen lasse. Außer meinem kleinen Potsdamer Kosmos interessiert mich allerdings zurzeit nicht viel.

SPIEGEL: Trotzdem haben Sie vor einigen Monaten angekündigt, Sie wollten die ebenfalls insolvente Wäschefirma Schiesser übernehmen.

Joop: Das ist anhängig. Schiesser ist so wunderbar deutsch. Ich sehe das fast als patriotische Pflicht. Sobald mein Name allerdings im Frühjahr gefallen war, wollten plötzlich alle möglichen Leute bei Schiesser einsteigen. Das macht es nicht leichter.

SPIEGEL: Woher nähmen Sie das Geld?

Joop: Hier arbeite ich mit finanzstarken Partnern zusammen.

SPIEGEL: Joop als Strohmann?

Joop: Niemals! Ich wäre bei Schiesser nicht das Gesicht, sondern der Kopf. Aber der Insolvenzverwalter hat nun vor allem das Interesse, möglichst viel Geld zu bekommen. Aus seiner Sicht verständlich, auch wenn das dazu führen kann, dass bei Schiesser am Ende jemand das Sagen hat, der überhaupt keine Ahnung vom Geschäft hat.

SPIEGEL: Wie hoch sind Ihre Chancen noch?

Joop: Ich warte ab, zumal ich noch viele andere Anfragen habe für Projekte. Dauernd landen bei mir Bittbriefe notleidender Unternehmer. Ich sehe mich schon als preußische Jeanne d'Arc enden, mit Rüstung und Lanze durch die Ruinen der hiesigen Wirtschaft reitend.

Das Interview führte SPIEGEL-Redakteur Thomas Tuma

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