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Ausgabe 42/2009
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Kernkraft Die Atom-Schlamperei

Atomindustrie: Pannen-Serie beim Bau des finnischen Vorzeigereaktors
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AFP

3. Teil: Renaissance der Reaktoren

Billig wird Atomstrom nur dann, wenn alte Reaktoren lange und komplikationsfrei am Netz sind - und der Staat sich um die ungelöste Endlagerfrage kümmert. Das Berliner Öko-Institut hat ausgerechnet, dass ein Stromkonzern mit einem alten Atommeiler zwischen 800.000 und 2,2 Millionen Euro verdienen kann - an jedem Tag, den das AKW länger läuft als geplant. Bleiben alle deutschen Meiler acht Jahre länger am Netz, streichen die Energieversorger je nach Strompreis bis zu 84 Milliarden Euro ein.

Doch lassen sich die Laufzeiten einfach so verlängern? Bisher galten in der Industrie 40 Jahre als die technische Lebensdauer eines Nuklearkraftwerks. Nach dem noch von Rot-Grün verkündeten Atomausstieg sollten die damals 19 deutschen Reaktoren im Schnitt nur 32 Jahre am Netz bleiben.

"Es gibt null Erfahrungen mit Leistungsreaktoren, die länger laufen als 40 Jahre", sagt Atomexperte Schneider. Doch RWE-Chef Jürgen Großmann meint, die deutschen Meiler würden auch 60 Jahre durchhalten. In den USA, Schweden und Frankreich gibt es ähnliche Ideen - aber auch starke Vorbehalte.

"Wir finden es komisch, dass der französische Energieversorger EDF die Laufzeitverlängerung über 40 Jahre hinaus zum ersten Mal vor Finanzanalysten in London in Aussicht stellte", höhnt der Chef der französischen Atomaufsicht, André-Claude Lacoste. "Vielleicht sollten die uns mal eine technische Mappe vorbeibringen."

"Außer dem Reaktorbehälter kann man eigentlich alles austauschen und erneuern", behauptet Areva-Sprecher Christian Wilson. "Technisch sind 60 Jahre möglich."

Mangelndes Know-how ist eine der Ursachen für die Pannenserie

Schon vor der Bundestagswahl hat Kanzlerin Angela Merkel bei den Energieversorgern durchblicken lassen, dass sie die Laufzeiten nur verlängern werde, wenn die Meiler auf höchste Sicherheitsstandards aufgerüstet werden. Das könnte in Biblis oder Krümmel aber Milliarden kosten und sich am Ende dann vielleicht doch nicht mehr rechnen. Die Stromriesen konzentrieren sich jetzt auf das Naheliegende: Sie wollen das Abschalten der Uraltkraftwerke wie Biblis und Neckarwestheim I, die innerhalb der nächsten zwei Jahre vom Netz sollen, so weit wie möglich hinauszögern.

Doch kann man der Atombranche irgendeine Modernisierung zutrauen, wenn ihr beim Neubau solche Fehler unterlaufen wie in Finnland? Seit über einem Jahrzehnt ist in der westlichen Welt kein AKW mehr errichtet worden. Die Atomaufseher sehen im mangelnden Know-how eine Ursache für die Pannenserie: "Einigen Vorarbeitern fehlt Erfahrung", sagt Ingenieur Tiippana, "viele Firmen sind neu im Nuklearsektor, ihre Leute müssen trainiert werden, sich an die Standards zu halten."

Und das Problem wird sich verschärfen. So gehen 40 Prozent der Beschäftigten in US-Kernkraftwerken demnächst in Rente. Die Branche muss in den nächsten zehn Jahren 26.000 neue Beschäftigte einstellen - selbst wenn sie kein neues AKW baut. Aber nur 841 Nuklearingenieure schlossen 2008 ihr Studium in den USA ab.

In Deutschland ist die Lage noch dramatischer. Zwischen 1998 und 2002 schlossen nur zwei Studenten mit einem Examen in Nukleartechnik ab. Areva hat deshalb in Karlsruhe im Februar einen Aufbaustudiengang Nukleartechnik eingerichtet. Die Studenten werden von Areva bezahlt und erhalten sogar eine Jobgarantie.

Areva-Mann Mouroux glaubt trotz allem fest an eine Renaissance der Reaktoren. Der Ingenieur sitzt im Konferenzraum eines Baucontainers, er trägt einen gutgeschnittenen Anzug und hält nicht viel von Zweifeln: "Wir werden den Reaktor überall auf der Welt bauen", sagt Mouroux. Was mache es schon, wenn die Maschine teurer werde und der Bau etwas länger brauche: "Dafür soll der EPR 60 Jahre laufen."

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insgesamt 7151 Beiträge
walhalla33 06.07.2009
Hallo, die Atomkraft ist nicht zukunftsfähig. Zwei Punkte: Es gibt keine Endlager für den Atomschrott Uns kann jeder Zeit eines davon um die Ohren fliegen. Dann ist das Geschrei groß. Ob das allerdings als [...]
Zitat von sysopWeiterhin Störfälle, weiterhin Diskussionen über die Energie-Zukunft und ihre Kosten: Wie sicher ist die Atomkraft? Wie zukunftsfähig?
Hallo, die Atomkraft ist nicht zukunftsfähig. Zwei Punkte: Es gibt keine Endlager für den Atomschrott Uns kann jeder Zeit eines davon um die Ohren fliegen. Dann ist das Geschrei groß. Ob das allerdings als Wahlkampfthema der SPD dient? Nein, das war ein Thema der Grünen. Und so wird das auch wahrgenommen. Es grüßt alle Foristen Antje
Iggy Rock 06.07.2009
Wenn man sich die Horrorgeschichte der vergangenen Jahre bezüglich Krümmel anschaut, könnte man meinen, aufgrund der geplanten Abschaltung würde Vattenfall wie auch Mitbesitzer Eon keinen Cent mehr in die Anlage stecken, die [...]
Wenn man sich die Horrorgeschichte der vergangenen Jahre bezüglich Krümmel anschaut, könnte man meinen, aufgrund der geplanten Abschaltung würde Vattenfall wie auch Mitbesitzer Eon keinen Cent mehr in die Anlage stecken, die ohnehin schon immer Probleme machte. Zukunft? Nur wenn es übermäßig strenge Kontrollen, genauste Studien über den Gesundheitszustand der Anwohner, und echte Konzepte für die Endlagerung gibt, aber anscheinend ist das Utopie. Gammelreaktoren gehören vom Netz, in Krümmel reicht es schon lange.
eeg-gegner 06.07.2009
Da das bekanntlich mit den sog. "Erneuerbaren Energien" nie klappen wird, den Energiehunger der wachsenden Menschheit auch nur zu Bruchteilen zu befriedigen - welches Land im Wüstengürtel der Erde kann schon 300 Mill. [...]
Zitat von sysopWeiterhin Störfälle, weiterhin Diskussionen über die Energie-Zukunft und ihre Kosten: Wie sicher ist die Atomkraft? Wie zukunftsfähig?
Da das bekanntlich mit den sog. "Erneuerbaren Energien" nie klappen wird, den Energiehunger der wachsenden Menschheit auch nur zu Bruchteilen zu befriedigen - welches Land im Wüstengürtel der Erde kann schon 300 Mill. € pro 50 MW Nennleistung für maximal 14 Stunden Strom ausgeben? -, wird der Menschhhjeit nix anderes übrig bleiben, als Kernreaktoren zu bauen und mit den möglichen "Brennstoffen" Uran, Plutonium und Thorium Energie zu erzeugen. Die Einzigen, die das nicht kapieren können, sind eine lautstarke und gewaltbereite Minderheit von technisch-physikalisch schlecht gebildeten Deutschen.
LumpY 06.07.2009
bevor keiner eine lösung für den atommüll hat braucht man gar nicht diskutieren. desweitern sollten mir die befürworter erklären, warum wir andere menschen für unser uran überall auf der welt verrecken lassen, statt es selbst zu [...]
bevor keiner eine lösung für den atommüll hat braucht man gar nicht diskutieren. desweitern sollten mir die befürworter erklären, warum wir andere menschen für unser uran überall auf der welt verrecken lassen, statt es selbst zu fördern.. die nachteile werden global verteilt und die vermeintlichen vorteile (die es nicht gibt) behalten wir. p.s. nein deutschland hat ohne atomkraft keinen energieengpass, wir exportieren strom. und nein atomstrom ist nicht billig, nur weil die betreiber die zusätzlichen kosten auf den steuerzahler abladen
Rainer Girbig 06.07.2009
schwierige Frage. Die Diskussion gehört wohl eher in den Politikbereich, denn es ist sicher keine Frage der Wissenschaft. Ob Kernkraft Zukunft hat, ist eine politische Entscheidung. Die derzeitigen Ausstiegsfristen und [...]
schwierige Frage. Die Diskussion gehört wohl eher in den Politikbereich, denn es ist sicher keine Frage der Wissenschaft. Ob Kernkraft Zukunft hat, ist eine politische Entscheidung. Die derzeitigen Ausstiegsfristen und Restlaufzeiten erscheinen mir wie eine Aktion von Börsenspekulanten. Man schließt eine Wette ab, dass in dreissig Jahren dieses und jenes passiert bzw. technisch möglich sein wird, obwohl man keine Ahnung hat wie man dahin kommen wird. Eine typische Schwachsinnsleistung der ehemaligen rot-grünen Regierung. Ist Atomkraft sicher? Das hängt wohl vom jeweiligen Betreiber ab. Bei Vattenfall ganz "sicher" nicht. Die Energieversorgung ist (neben anderen Dingen) zu wichtig, als dass man sie verantwortungslosen (weil nur gewinnorientierten) Privatunternehmen überlassen sollte
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Heft 42/2009 Auftrag: Weltfrieden Die unmögliche Mission des Barack Obama


Kernreaktoren
DPA
In einem Kernreaktor kommt die Kettenreaktion durch Neutronen zustande, die bei der Kernspaltung entstehen und ihrerseits weitere Urankerne spalten. Dazu müssen sie allerdings abgebremst werden. Dazu ist ein sogenannter Moderator notwendig, bei dem es sich in den meisten thermischen Reaktoren um gewöhnliches Wasser handelt, manchmal auch um sogenanntes schweres Wasser oder Grafit.

Vor-/Nachteile der Energieträger
Die Energiewirtschaft befindet sich im Umbruch - SPIEGEL ONLINE zeigt die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Energieträger.



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