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Ausgabe 42/2009
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Buchmesse Ein Lächeln aus Beton

Buchmessen-Gast China: Dissidenz und dicke Brieftaschen
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AP/ Xinhua

4. Teil: "Kein Vormarsch ist so schwer wie der zurück zur Vernunft"

Vielleicht ist das Land zu groß, um es völlig kontrollieren zu können. Vielleicht ist es Zufall, dass Yu Hua heute reich ist und berühmt und Chinas Literatur in Frankfurt vertritt, während andere im Gefängnis sitzen oder Bücher schreiben, die nie veröffentlicht werden in China. Schwer zu kapieren ist, wo die Grenze verläuft zwischen normaler Aufmüpfigkeit und Dissidenz.

Auch der Schriftsteller Yan Lianke ist eigentlich kein Dissident, trotzdem hat er ein ziemliches offenes, mutiges Buch geschrieben. Es heißt "Der Traum meines Großvaters", es ist ein Buch über einen realen Skandal, bei dem vor Jahren Zigtausende Menschen durch verschmutzte Spritzen und verseuchte Blutkonserven mit HIV infiziert wurden, verantwortlich waren Bluthändler, deren Taten von korrupten Parteifunktionären gedeckt wurden. Natürlich ist es in China verboten worden.

Yan Lianke war bis Mitte der Neunziger beim Militär, als Berufssoldat, er wohnte im Rang eines schreibenden Offiziers in einer Armeesiedlung. Bis er wegen unliebsamer Texte und Interview-Auftritte seine Uniform ausziehen musste. Seit kurzem ist er Literaturprofessor an der Pekinger Volksuniversität und lehrt klassische Literatur des 20. Jahrhunderts.

"Der Traum meines Großvaters" ist nicht das erste Buch von Yan Lianke, das verboten wurde. In einem früheren, das er 2005 schrieb, treibt es die Frau eines hohen Offiziers mit dem Untergebenen ihres Mannes so heftig, dass Mao-Büsten zu Bruch gehen: nicht lustig, fanden die Zensoren.

Buchzensur oft erst nach Veröffentlichung

Jede Diskussion oder gar ein Einspruch sind in der Regel ausgeschlossen. Das Verbot eines Buchs kann teuer werden. Anders als im Filmgeschäft, wo bereits die Drehbücher zur Genehmigung vorgelegt werden müssen, findet die Buchzensur oft erst nach der Veröffentlichung statt. Yan Liankes "Der Traum meines Großvaters" zum Beispiel lag drei Tage lang in den Buchläden. Dann mussten die Verleger die gedruckten Exemplare einsammeln. Wegen des Verlusts stritten sie mit dem Autor um das Honorar. Es ist dieses finanzielle Risiko, oft verschärft durch von der Behörde verhängte Strafen, das die chinesische Zensur so effektiv macht. "Die Selbstzensur ist viel schlimmer als alle Eingriffe der Kontrolleure", sagt Yan Lianke. "Auch ich habe jahrelang Kompromisse gemacht! Und was hat es genützt? Nichts! Chinas Autoren haben die Zensur in ihrem Blut."

Dann verkündet Yan Lianke mit einem sarkastischen Lächeln, dass sich die Situation der chinesischen Autoren in Wahrheit dennoch enorm gebessert habe. "Vor 30 Jahren hat man unliebsame Schriftsteller gefoltert und umgebracht. Als man vor 15 Jahren zum ersten Mal einen Roman von mir verboten hat, musste ich ein halbes Jahr lang regelmäßig aufs Amt kommen und Selbstkritik schreiben. Heute lässt man mich privat in Ruhe."

Yan Lianke wurde verwehrt, als Teil der offiziellen Delegation nach Deutschland zu kommen; als Ullstein-Autor hätte er trotzdem reisen dürfen, aber er will nicht: "Es ist besser, nicht zu fahren und still zu bleiben." In Frankfurt veranstalte man "einen Tempel-Rummel" wie beim chinesischen Frühlingsfest, er würde dort nur den anreisenden chinesischen Politikern und Funktionären widersprechen, das sei gefährlich. "Ich muss in China leben. Ich bin nicht sehr stark, manchmal sogar feige. Ich muss an meine Mutter, meine Frau, meine Tochter denken. Ich will sie nicht in Schwierigkeiten bringen."

Der gute Mensch Bertolt Brecht sagte: "Kein Vormarsch ist so schwer wie der zurück zur Vernunft."

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insgesamt 316 Beiträge
sysop 12.09.2009
Schon beim Vorab-Symposium zur Frankfurter Buchmesse kommt es zum Eklat. Die Diskussionen über Meinungsfreiheit mit dem diesjährigen Ehrengastland drohen hitzig zu werden.Wird es Ihrer Meinung nach zu ählichen Situationen kommen? [...]
Schon beim Vorab-Symposium zur Frankfurter Buchmesse kommt es zum Eklat. Die Diskussionen über Meinungsfreiheit mit dem diesjährigen Ehrengastland drohen hitzig zu werden.Wird es Ihrer Meinung nach zu ählichen Situationen kommen? Diskutieren Sie mit!
KLMO 12.09.2009
Ich wüste nicht, was es über Meinungfreiheit zu diskutieren gäbe...
Zitat von sysopSchon beim Vorab-Symposium zur Frankfurter Buchmesse kommt es zum Eklat. Die Diskussionen über Meinungsfreiheit mit dem diesjährigen Ehrengastland drohen hitzig zu werden.Wird es Ihrer Meinung nach zu ählichen Situationen kommen? Diskutieren Sie mit!
Ich wüste nicht, was es über Meinungfreiheit zu diskutieren gäbe...
Akka1 12.09.2009
Wer mit dem Teufel aus einem Topf essen will, braucht einen langen Löffel! Es ist immer wieder bemerkenswert wie - schon bei der Olympiade - der chinesischen Regierung auf den Leim gegangen wird. Widerlich, diese Kriecherei!
Wer mit dem Teufel aus einem Topf essen will, braucht einen langen Löffel! Es ist immer wieder bemerkenswert wie - schon bei der Olympiade - der chinesischen Regierung auf den Leim gegangen wird. Widerlich, diese Kriecherei!
Jotan 12.09.2009
...nimmt man eigentlich auf diese Diktatur aus China dermaßen Rücksicht? Sagt den Chinesen endlich mal die Wahrheit! Ihr Land ist eine D I K T A T U R und endsprechend nicht zu hofieren.
Zitat von sysopSchon beim Vorab-Symposium zur Frankfurter Buchmesse kommt es zum Eklat. Die Diskussionen über Meinungsfreiheit mit dem diesjährigen Ehrengastland drohen hitzig zu werden.Wird es Ihrer Meinung nach zu ählichen Situationen kommen? Diskutieren Sie mit!
...nimmt man eigentlich auf diese Diktatur aus China dermaßen Rücksicht? Sagt den Chinesen endlich mal die Wahrheit! Ihr Land ist eine D I K T A T U R und endsprechend nicht zu hofieren.
Ludwig Schmidt 12.09.2009
Der eigentliche Eklat ist, dass dies ein Eklat sein soll. Hier in DEU herrscht die freie Rede nach Art 5 GG. Diese findet gewisse Einschränkungen in den anderen unveränderlichen Grundrechten, nicht aber in den [...]
Zitat von sysopSchon beim Vorab-Symposium zur Frankfurter Buchmesse kommt es zum Eklat. Die Diskussionen über Meinungsfreiheit mit dem diesjährigen Ehrengastland drohen hitzig zu werden.Wird es Ihrer Meinung nach zu ählichen Situationen kommen? Diskutieren Sie mit!
Der eigentliche Eklat ist, dass dies ein Eklat sein soll. Hier in DEU herrscht die freie Rede nach Art 5 GG. Diese findet gewisse Einschränkungen in den anderen unveränderlichen Grundrechten, nicht aber in den Befindlichkeiten der VR China. Die Chinesen sind unsere Gäste. Man soll sie gut und anständig behandeln-vor ihnen kuschen gehört da aber nicht zu. Ich habe hohen Respekt vor der jahrtausendealten Kultur der Chinesen, wie vor den Menschen in China. Es ist ihr Land. Sie sollen es gestalten, wie sie es möchten. Es wäre schön, wenn die Chinesen diesen Respekt umgekehrt auch zeigen könnten. Und wenn nicht: Good bye!
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Heft 42/2009 Auftrag: Weltfrieden Die unmögliche Mission des Barack Obama

Gastland der Messe
DPA
... ist in diesem Jahr China. Die Entscheidung hatte früh Debatten über die Situation der Künstler in diesem Land provoziert. Nun sollen in Frankfurt am Main - die Messe beginnt an diesem Mittwoch und endet am Sonntag - verfolgte und dem Staat genehme Autoren mit Offiziellen den Dialog üben. Überstrahlt wird diese Diskussion von der Auszeichnung der rumäniendeutschen Schriftstellerin Herta Müller ("Atemschaukel"), die in diesem Jahr den Nobelpreis für Literatur bekommt. Der SPIEGEL würdigt zur Buchmesse ihr wichtiges Werk, beschreibt die Lage der Literatur in China und erklärt, warum in Deutschland das Geschäft mit den E-Books lahmt. Außerdem beschäftigt sich der Publizist Georg Diez ("Der Tod meiner Mutter") in einem Essay mit der Frage, ob es legitim ist, über Krebs und Sterben zu schreiben.
Buchtipps

Yan Lianke: "Der Traum meines Großvaters"

Ullstein Verlag GmbH; 364 Seiten, 22,90 Euro.

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Yu Hua: "Brüder"

Fischer S. Verlag GmbH; 768 Seiten, 24,95 Euro.

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Guo Xiaolu: "Ein Ufo, dachte sie"

Knaus Albrecht; 220 Seiten, 18,95 Euro.

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