Energie
Größer als Schwarzenegger
Von Clemens Höges
Clemens Höges
REUTERS
Clemens Höges
Die dänische Insel Samsö ist ein Mekka für Klimaschützer, denn die Insulaner erzeugen mehr Energie, als sie brauchen - mit Windrädern, Solaranlagen, Strohbrennern und Kuhmilch-Wärmetauschern. Das kleine Ökotopia soll auf dem Klimagipfel in Kopenhagen als Vorbild dienen.
Vor sechs Jahren dachte sich Paul Erik Wedelgaard, es sei höchste Zeit für eine ganz andere Zukunft, obwohl er da schon 70 Jahre alt war. Sonne, Kälte und das Meer haben scharfe Furchen in sein Gesicht gegraben. Sein hölzerner Fischkutter "Kyholm" pflügt durch die Ostsee Kurs Süd, dorthin, wo vor Samsö die Symbole dieser Zukunft stehen: die Windräder.
Noch heute turnt Wedelgaard über die Decksplanken, fast wie damals mit 14, als er anfing zu fischen. Doch seit Jahren schon gehen kaum noch Dorsche in die Netze, und auch die kleine Lachsfarm, die er mit einem Kollegen betrieb, warf nicht genug ab. Aber dann gab es da diese jungen Männer, die so etwas wie eine Revolution wollten, ausgerechnet auf Samsö. Sie hatten Ideen, ein dickes Konzept.
Es ging ihnen um die Welt und um das Klima. Vor allem aber ging es um Samsö und um gutes Geld, das sich verdienen lasse. Leute wie er, Wedelgaard, mussten nur eine ziemlich sichere Wette eingehen.
Direkt auf die Paludan-Untiefe wollten sie zum Beispiel zehn riesige Windräder stellen, jedes für 24 Millionen Kronen, über 3 Millionen Euro. Und die Maschinen sollten den Samsingern gehören, so nennen sich die Menschen der Insel.
Die Paludan-Untiefe liegt in einer windigen Ecke, das wusste Wedelgaard natürlich. Es könnte also funktionieren, dachte er sich. Er verkaufte seine Hälfte der Lachsfarm, borgte sich Geld von der Bank dazu, dann investierte er 3,5 Millionen Kronen in eine der Anlagen, die Nummer 6. In vier Jahren wird Wedelgaard sein Geld wieder raushaben. "Wir müssen doch etwas für die Kinder tun", sagt er. Für seine vier und die anderen auf der Insel.
Samsö ist ein Labor, in dem die dänische Regierung vor zwölf Jahren ein soziales und technisches Experiment anschob. Bis dahin brachten Schiffe Heizöl auf die Insel, Strom, überwiegend aus Kohlekraftwerken, kam per Kabel, für jeden Samsinger wurden so pro Jahr elf Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid in die Atmosphäre geblasen. Der Auftrag war, diese elf Tonnen auf null zu reduzieren, innerhalb von zehn Jahren, ohne besondere Hilfen.
Acht Jahre später schon produzierten sie mehr Energie, als sie verbrauchten
Die Samsinger schlossen sich zusammen, sie stellten die Windräder auf und schraubten Solarzellen auf ihre Dächer, sie bauten zentrale Strohbrenner, sie installierten Maschinen, die mit der Wärme der Erde und der von Kuhmilch Häuser heizen, und andere, die aus dem Raps der Insel Öl pressen für die Tanks der Trecker.
Acht Jahre später schon produzierten sie mehr Energie, als sie verbrauchten, klimaneutral, inzwischen sind es 40 Prozent mehr. Nun bleiben zwei Fragen: Können die Rezepte der Insel - 22 Dörfer, 4000 Einwohner, eine kleine Konservenfabrik - anderswo wirken? Und will der Rest der Welt den Samsingern überhaupt folgen?
Darum wird es ab dem 7. Dezember gehen, wenn sich Politiker aus der ganzen Welt in Kopenhagen zum internationalen Klimagipfel treffen. Sie müssten dafür sorgen, dass die Temperatur weltweit um nicht mehr als zwei Grad steigt. Das ist nur möglich, wenn der Ausstoß von Kohlendioxid, der Verbrauch von Kohle, Öl und Gas, drastisch reduziert wird - wie drastisch, darum wird schon jetzt gestritten.
"Man muss verhandeln, aber dann muss man nach Hause gehen und etwas tun", sagt der Mann, der das kleine Wunder von Samsö organisiert hat. "Wir wachen doch nicht jeden Morgen auf und überlegen, wie wir den Eisbären retten können. Nein, Menschen denken an sich selbst." Und Sören Hermansen hält das weniger für ein Problem als vielmehr für die Lösung.
Hermansen spielt die Rolle des Captain Kirk
Hermansen ist eine Art Guru für Klimaexperten und Politiker geworden. Im Herbst vergangenen Jahres setzte das US-Nachrichtenmagazin "Time" seinen Namen auf die Titelseite, zusammen mit den Namen anderer "Helden der Umwelt". Unterschiedlich große Kreise sollten ihre Bedeutung zeigen. Hermansens Kreis war ungefähr viermal so groß wie der von Arnold Schwarzenegger, dem Gouverneur Kaliforniens.
Es ist ziemlich schwer, Hermansen auf seiner Insel zu treffen. Er fliegt viel um die Welt. Gerade war er in Kopenhagen vor dem Parlament, zuvor in Japan, in Korea, Italien und in Brüssel: José Barroso war da, Chef der EU-Kommission, am Rande stritt sich der russische Energieminister mit einem ukrainischen Gegenpart. Und Hermansen, ehemaliger Bauer aus dem Dorf Kolby Kaas auf Samsö, größer als Schwarzenegger, polterte, dass sie nicht ernsthaft genug versuchten, was seine Insulaner schaffen.
Hermansen, 50, leichtes Grau im kurzen Haar, hat ein trainiertes Sportlerkreuz und gern ein breites Lachen im Gesicht. Nun sitzt er in einem Haus, das mit seiner blanken Metallhaut ein wenig so wirkt, als wäre das Raumschiff "Enterprise" in Bullerbü gelandet. Und Hermansen spielt die Rolle des Captain Kirk, als Direktor dieser "Energie-Akademie" im alten Fischerdorf Ballen. Hier zeigen sie Besuchern aus aller Welt, welche Apparate sie einsetzen, welche Infrastruktur sie aufgebaut haben. Und natürlich ist auch das Haus selbst ein Vorführobjekt, mit Solarzellen und einem Computer, der ab und zu Lüftungsklappen im Dach ausfährt.
Samsö wurde "Ökoenergie-Insel", ein Titel wie ein Messingorden
Hermansen erzählt, wie die Idee von Samsö funktioniert: 1997 schrieb das dänische Energieministerium einen Wettbewerb aus. Eine Region sollte ausgewählt werden, um zu testen, wie viel regenerative Energie in der Praxis bringen kann. Die Ausschreibung war clever: Die Siegerregion müsse die Null erreichen mit frei verfügbarer Technik und ohne Sonderhilfen aus Kopenhagen. So wären die Ergebnisse gut übertragbar, und das Ganze würde den Staat kaum eine Öre extra kosten.
Gegenüber von Samsö liegt auf dem Festland die Stadt Aarhus, und ein Ingenieur kam dort auf die Idee, ein Konzept für Samsö zu schreiben. Er analysierte, wie viel Strom die Samsinger brauchen und wie viel Öl, wie viel Biomasse dort pro Jahr wächst, wie stark der Wind bläst und wie lange die Sonne scheint. Dann schrieb er einen Plan - und gewann den Wettbewerb.
Samsö wurde "Ökoenergie-Insel", ein Titel wie ein Messingorden, nett gemeint, aber fast wertlos. Er half bei der Genehmigung der Anlagen, aber die Samsinger konnten zunächst wenig damit anfangen. Als Fernsehreporter kamen und den Bürgermeister interviewten, musste der erst mal blättern im Konzept.
Der Ingenieur riet ein paar Leuten auf Samsö, einen Verein zu gründen, sonst würde aus dem Plan nichts. Zur ersten Versammlung in Tranebjerg kamen 50 Samsinger. Die anderen 3950 kamen nicht. Sie sahen einfach nicht, wo da das Geschäft sein sollte.
Hintergründe, Artikel, Fakten
finden Sie auf den Themenseiten zu...
Heft 43/2009:
SPIEGEL-Gespräch mit Michael Schumacher
"Was bringen mir ein paar Siege mehr"
VOR-/NACHTEILE DER ENERGIETRÄGER
Die Energiewirtschaft befindet sich im Umbruch - SPIEGEL ONLINE zeigt die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Energieträger.
Plus: Erdöl ist der Schmierstoff industrieller Volkswirtschaften. In Deutschland deckt Öl rund 35 Prozent des Energiebedarfs - so viel wie kein anderer Rohstoff. Im Verkehrssektor gibt es momentan kaum Alternativen zu Öl: Das bestehende Tankstellennetz ist auf Benzin und Diesel ausgerichtet, die heute gängigen Motoren fahren fast nur mit diesen beiden Treibstoffen.
Minus: Der Ölpreis ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen, Autofahrer mussten im vergangenen Sommer so viel zahlen wie nie. Die deutsche Volkswirtschaft verliert dadurch Milliardenbeträge, denn das Land ist fast völlig von Importen abhängig. Weltweit liegen die meisten Ölvorkommen in politisch heiklen Regionen wie dem Nahen Osten, Russland, Venezuela oder Nigeria. Versorgungskrisen kann man daher nicht ausschließen. Darüber hinaus ist Erdöl ein endlicher Rohstoff: Die bekannten Vorkommen gehen langsam zur Neige. Große neue Felder wurden in den vergangenen Jahren kaum entdeckt - und wenn, dann nur in schwierig zu erschließenden Gebieten wie der Arktis. Hinzu kommt die CO2-Problematik: Wenn Öl verbrannt wird, entsteht das Klimagas Kohlendioxid.
Plus: Erdgas ist der klimafreundlichste fossile Energieträger - bei der Verbrennung entsteht weniger CO2 als bei Kohle oder Öl. Außerdem halten die Vorräte noch eine Weile: Die Reichweite der Gasvorkommen wird auf rund 60 Jahre geschätzt, bei Öl sind es nur 40 Jahre. Ein weiterer Vorteil: Gas kann einen wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung leisten. Denn Gaskraftwerke lassen sich schnell hoch- und runterfahren - diese Flexibilität hilft, die Schwankungen beim Windstrom auszugleichen.
Minus: Weltweit verfügen nur wenige Länder über Gasvorkommen. Entsprechend groß sind die Abhängigkeiten - Deutschland bezieht rund 40 Prozent seines Erdgases aus Russland. Problematisch ist außerdem die Bindung an den Ölpreis: Je teurer Erdöl wird, desto teurer wird auch Gas. Stromkonzerne klagen bereits, dass sich Gaskraftwerke kaum mehr rentieren. Private Haushalte kennen dasselbe Problem beim Heizen - Gas ist kaum günstiger als Öl. Auch beim Autofahren stellt Erdgas keine Alternative dar: Der aktuelle Preisvorteil gegenüber Benzin und Diesel liegt nur an der steuerlichen Begünstigung.
Plus: Kohle gibt es fast überall auf der Welt - einseitige Importabhängigkeiten wie beim Gas sind deshalb nicht zu befürchten. Auch Deutschland verfügt über nennenswerte Ressourcen: Braunkohle lässt sich ohne Subventionen fördern, für Steinkohle ist dies bei weiter steigenden Preisen zumindest denkbar. Außerdem reichen die Vorräte so lange wie bei keinem anderen fossilen Energieträger: Schätzungen gehen von rund 200 Jahren aus. Kohle eignet sich vor allem zur Stromerzeugung in der Grundlast - rund 50 Prozent des deutschen Stroms stammen aus Kohlekraftwerken.
Minus: Kein Energieträger ist so klimaschädlich wie Kohle. Bei der Verbrennung entsteht rund doppelt so viel CO2 wie bei Gas. Problematisch könnte dies vor allem dann werden, wenn man bestehende Atomkraftwerke durch neue Kohlekraftwerke ersetzt - oder wenn Elektroautos künftig in großem Stil Kohlestrom tanken. Bedenklich sind außerdem die Arbeitsbedingungen, unter denen Kohle gefördert wird: Zu den größten Produzenten zählen China, Russland und Südafrika - Länder, in denen immer wieder Bergleute ums Leben kommen.
Plus: Kernkraftwerke produzieren - wenn sie einmal gebaut sind - günstigen Strom. Der Rohstoff Uran wird nur in geringen Mengen verbraucht, so dass die laufenden Betriebskosten gering sind. Atomstrom kann in der Grundlast eingesetzt werden, also unabhängig von kurzfristigen Wetterschwankungen. In Frankreich wird Atomstrom auch zum Heizen verwendet, langfristig könnten so auch Elektroautos betrieben werden. Bei der Kernenergie wird kaum CO2 freigesetzt. Sie ist damit klimafreundlicher als Kohle oder Gas.
Minus: Der größte Nachteil der Atomenergie ist das Risiko eines Super-GAUs. Selbst wenn man dafür eine geringe Wahrscheinlichkeit unterstellt - der Schaden wäre enorm. Die Katastrophe in Tschernobyl war nur ein Vorgeschmack dessen, was im dicht besiedelten Mitteleuropa passieren würde: Tausende Opfer, auf ewig verseuchte Landstriche, Vermögensverluste in zigfacher Milliardenhöhe. Hinzu kommt die ungelöste Frage der Endlagerung: Obwohl die Kernenergie seit rund 50 Jahren genutzt wird, gibt es bis heute keine dauerhafte Deponie für die verstrahlten Abfälle. Ob es überhaupt ein sicheres Endlager geben kann, ist ohnehin umstritten: Der Atommüll strahlt zum Teil über 100.000 Jahre lang - was in dieser Zeit alles passiert, kann niemand vorhersagen. In jüngster Zeit wird ein weiteres Problem immer häufiger diskutiert: Was geschieht, wenn Terroristen einen Anschlag auf ein Kernkraftwerk verüben? Oder wenn sie in den Besitz von spaltbarem Material gelangen? Sicherheitsexperten haben auf diese Fragen keine abschließende Antwort.
Plus: Die Wasserkraft ist sehr umweltfreundlich - mit geringem Eingriff in die Natur lässt sich günstig Energie gewinnen. Rund fünf Prozent des deutschen Stroms stammen aus Wasserkraftwerken. Außerdem lässt sich in Stauseen sehr gut Energie speichern: Bei einem Überangebot an Strom wird Wasser nach oben gepumpt. Bei Bedarf wird es dann abgelassen, um die Turbinen anzutreiben.
Minus: In Deutschland ist das Potential der Wasserkraft so gut wie ausgeschöpft. Fast jeder Fluss hat ein Kraftwerk, ebenso fast jeder See. Im Ausland wiederum ist die Wasserkraft zum Teil in Verruf geraten: Riesenprojekte wie der Jangtse-Staudamm in China zerstören die Natur in großem Stil.
Plus: Von allen erneuerbaren Energien ist die Windkraft in den vergangenen Jahren am stärksten gewachsen. Mittlerweile beziehen die Deutschen mehr Strom aus Windrädern als aus Wasserkraftwerken. Auch in Zukunft hat die Branche großes Wachstumspotential - vor allem offshore, also in Windparks auf dem Meer. Ein weiterer Vorteil: Die Windkraft ist verhältnismäßig günstig. Die Betreiber der Anlagen bekommen laut Erneuerbare-Energien-Gesetz derzeit rund acht Cent pro Kilowattstunde - nur wenig mehr als der Preis für konventionellen Strom an der Energiebörse. Zum Vergleich: Solarstrom wird mit rund 40 Cent vergütet.
Minus: Kritiker halten Windräder für eine Verschandelung der Landschaft. Außerdem weht der Wind sehr unzuverlässig: Bei einer starken Brise wird das deutsche Stromnetz überlastet, bei Flaute muss Strom aus dem Ausland hinzugekauft werden. Praktikable Speicher für Windenergie gibt es bisher nicht. Ein weiterer Nachteil: Starker Wind bläst vor allem in Norddeutschland, die großen Verbrauchszentren liegen aber im Süden und Westen. Um den Strom abzutransportieren, sind zahlreiche neue Leitungen nötig.
Plus: Die Sonne ist nach menschlichen Maßstäben eine ewige Energiequelle, und sie scheint für jeden umsonst. Hätten alle Dächer Deutschlands eine Solaranlage, könnte so ein großer Teil des hiesigen Strombedarfs gedeckt werden - klimaschonend und unabhängig von Importen. Darüber hinaus lässt sich das Sonnenlicht auch zur Warmwasserbereitung nutzen: Mit Solarkollektoren kann man herkömmliche Heizungen ergänzen und so die Energiekosten drücken.
Minus: Die Sonne hat den gleichen Nachteil wie der Wind - ihre Energie lässt sich nicht zu jeder Uhrzeit nutzen. Das größte Problem ist jedoch der Preis: Solarstrom kostet rund 40 Cent pro Kilowattstunde - etwa fünfmal so viel wie konventioneller Strom. Trotz milliardenschwerer Subventionen leistet die Sonnenenergie nur einen geringen Beitrag zur deutschen Stromversorgung: Im vergangenen Jahr lag er bei rund 0,5 Prozent. Damit die Photovoltaik in Mitteleuropa wettbewerbsfähig wird, müsste es eine technische Revolution geben - oder die Preise für konventionelle Energie müssten dramatisch steigen.
Plus: Holz, Stroh, Mais - beim Verbrennen dieser Stoffe wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie die Pflanzen vorher der Atmosphäre entzogen haben. Biomasse lässt sich in vielen Bereichen einsetzen: zum Heizen (beispielsweise mit Holzpellets), zum Autofahren (mit Biodiesel oder Bioethanol) oder zur Stromerzeugung (mit Biogas). Der große Vorteil: Biomasse ist gespeicherte Energie. Man kann also frei entscheiden, wann man sie nutzen möchte - anders als bei Wind- oder Solarkraft. Ein weiterer Pluspunkt: Energiepflanzen, die in Deutschland wachsen, reduzieren die Abhängigkeit von Importen.
Minus: In jüngster Zeit gerät die Bioenergie massiv in die Kritik. Denn die Pflanzen benötigen enorme Anbauflächen - und treten damit in direkte Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Gerade bei Biotreibstoffen wird das zum Problem: Lässt es sich moralisch rechtfertigen, dass die Reichen Mais tanken - während die Armen hungern? Hinzu kommt ein gigantisches Mengenproblem: Wollte Deutschland seinen gesamten Benzin- und Dieselbedarf mit Biokraftstoffen decken, wäre dafür eine Fläche nötig, die größer ist als die gesamte Bundesrepublik. Das Gleiche gilt fürs Heizen: Sollten alle Bundesbürger auf Holzpellets umsteigen, würde der deutsche Wald dafür nicht reichen - erneut wären Energie-Importe nötig.
Plus: Die Wärme im Erdinneren steht rund um die Uhr zur Verfügung. Sie lässt sich sowohl zum Heizen als auch zur Stromerzeugung nutzen. Gäbe es keine Probleme mit der Bohrtechnik, könnte die Geothermie den gesamten deutschen Energiebedarf decken.
Minus: In Deutschland muss man Hunderte oder gar Tausende Meter tiefbohren, um ein ausreichendes Temperaturniveau zu erreichen. Die Kosten der Geothermie sind deshalb sehr hoch. Mancherorts gibt es außerdem Probleme mit dem Grundwasser. Andere Länder sind hier aus geologischen Gründen in einer besseren Position: Island zum Beispiel deckt seinen Energiebedarf zum Großteil mit der Wärme aus dem Erdinneren.