Von Clemens Höges
Hermansen sah es, sofort, er hatte seit 1984 eine Windmühle auf dem Bauernhof seines Vaters stehen. Er kann reden, und er liebt es zu überzeugen. Kürbisse antworten nicht, und er wollte sein Leben deshalb ungern auf dem Acker verbringen. Er suchte also ein Projekt, und das hier war es. Die 50 von Tranebjerg einigten sich schnell, Hermansen solle loslegen.
Er ging von Haus zu Haus und warb für den Plan, trank viele Kannen Kaffee und kaufte eine Apfelpresse. Fast alle haben Apfelbäume auf Samsö, man kann Apfelsaft trinken und in Ruhe über das Projekt reden: "Die Frage war, wie können wir alle weiterleben auf Samsö? Im Jahr zuvor hatte das Schlachthaus zugemacht, hundert Arbeitsplätze, das war unsere Große Depression." Der Plan sei besser als das Schlachthaus, sagte er, und langsam begann das Argument zu wirken.
Sie bauten drei Heizwerke zwischen Dörfer im Süden, legten Rohre in die Häuser. Nun bringen die Bauern das Stroh, das sie zuvor auf dem Feld verbrannten, zum Heizwerk. Sie bekommen Geld dafür, die Bauarbeiter verdienten, die Dörfler sparen, und ihr Geld bleibt auf der Insel.
Sie bauten auch ein Solarheizwerk auf den Nordteil der Insel, dazu kamen die Windgeneratoren: Elf sollten an Land entstehen, zehn auf dem Paludan-Riff. Und keine der Windmühlen sollte einer großen Firma gehören dürfen, sagt Hermansen. Das war sein wichtigster Trick: "Man darf nichts von oben nach unten machen. Alles muss den Leuten gehören, es muss ihr Projekt werden."
Windräder sind Geldautomaten
Einer der Ersten, die verstanden, war Jörgen Tranberg, ein Mann mit kantigem Schädel und buschigen Brauen. Er hat 150 Schwarzbunte im Stall, ein Großbauer auf Samsö, ein kluger Mann. Links und rechts von ihm drängeln sich die Kühe auf zwei Rampen, gleichmäßig klacken die Melkmaschinen. Für einen Liter bekomme er weniger als 22 Cent, sagt er. So gut wie nichts also.
Aber die Gesetze zwingen die Stromversorger in Dänemark, Windenergie zu Preisen zu kaufen, die deutlich über den Herstellungskosten liegen. Windräder sind also Geldautomaten, das sah auch Tranbergs Bank so, 2,5 Millionen Euro investierte er.
Er baute eine Turbine auf den Hügel hinter seine Silagebecken und beteiligte sich zur Hälfte an Nummer 8 auf der Paludan-Untiefe. Fünf Offshore-Generatoren gehören nun der Gemeinde, sie finanziert damit unter anderem die Energie-Akademie. Die anderen See-Generatoren und die Maschinen an Land teilen sich gut 400 Samsinger, Tranberg besitzt einen sehr großen Teil. "Ich finde das Wetter immer gut", sagt er: "Wenn es bläst, rotieren die Windräder. Wenn es regnet, wächst das Futter für die Kühe. Und wenn die Sonne scheint, fahre ich mit meinem Boot spazieren." Er lacht und ruft seinen Hund, Vaks heißt der. Vaks bedeutet pfiffig.
Die Windmühlen bringen Tranberg umgerechnet etwa 3000 Euro an jedem guten Tag, die Kosten nicht gegengerechnet, die Kühe bringen nur knapp 1000 Euro pro Tag, und die Tiere muss er morgens und abends melken.
"Wir sind ganz normale Menschen hier"
Aber auch da rechnet er, für das Weltklima und für sein Portemonnaie: Eine Kuh hat eine Körpertemperatur von 38,5 Grad, und die Milch muss er sowieso herunterkühlen auf 3 Grad. Also hat Tranberg wie auch andere Bauern einen Wärmetauscher in die Nähe des Milchtanks gehängt, groß und kantig wie ein Kühlschrank, und so funktioniert die Maschine auch: Die Milch wird kalt, das Haus warm, den Strom dafür liefert das Windrad.
Allein Tranbergs Auto produziert noch Kohlendioxid, wie die anderen Autos auch. Und die Fähre zum Festland braucht 9000 Liter Diesel pro Tag. Nur rechnerisch ist Samsös Energieproduktion CO2-frei, weil die Stromexporte die Ölimporte übersteigen, ein kleiner Trick von Hermansen.
Aber er ist ja noch nicht fertig. Im nächsten Jahr wollen Citroën, Peugeot und Mitsubishi neue Elektroautos bauen. Hermansen verhandelt mit dem Stromkonzern Dong und dem Windradbauer Vestas. Er will eine Technik, die solche Autos an die Generatoren koppelt, mit Computern, die das Auto vollladen, wenn der Wind weht, und Strom abzapfen bei Flaute.
"Wir sind ganz normale Menschen hier, jeder kann das tun, was wir machen", sagt Hermansen. Dann aber fügt er hinzu: "Auf dem Land - Städte sind ein Problem."
Vor einiger Zeit war der ägyptische Botschafter da. Er sah sich alles an, dann sagte er, in Kairo würden in drei Häuserblocks so viele Menschen leben wie auf Samsö. Und es gibt in solchen Blocks weder Stroh noch drumherum ein Meer.
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