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Ausgabe 43/2009
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Energie Größer als Schwarzenegger

Öko-Inselsel Samsö: Ein soziales und technisches Experiment
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Clemens Höges

2. Teil: "Man darf nichts von oben nach unten machen"

Hermansen sah es, sofort, er hatte seit 1984 eine Windmühle auf dem Bauernhof seines Vaters stehen. Er kann reden, und er liebt es zu überzeugen. Kürbisse antworten nicht, und er wollte sein Leben deshalb ungern auf dem Acker verbringen. Er suchte also ein Projekt, und das hier war es. Die 50 von Tranebjerg einigten sich schnell, Hermansen solle loslegen.

Er ging von Haus zu Haus und warb für den Plan, trank viele Kannen Kaffee und kaufte eine Apfelpresse. Fast alle haben Apfelbäume auf Samsö, man kann Apfelsaft trinken und in Ruhe über das Projekt reden: "Die Frage war, wie können wir alle weiterleben auf Samsö? Im Jahr zuvor hatte das Schlachthaus zugemacht, hundert Arbeitsplätze, das war unsere Große Depression." Der Plan sei besser als das Schlachthaus, sagte er, und langsam begann das Argument zu wirken.

Sie bauten drei Heizwerke zwischen Dörfer im Süden, legten Rohre in die Häuser. Nun bringen die Bauern das Stroh, das sie zuvor auf dem Feld verbrannten, zum Heizwerk. Sie bekommen Geld dafür, die Bauarbeiter verdienten, die Dörfler sparen, und ihr Geld bleibt auf der Insel.

Sie bauten auch ein Solarheizwerk auf den Nordteil der Insel, dazu kamen die Windgeneratoren: Elf sollten an Land entstehen, zehn auf dem Paludan-Riff. Und keine der Windmühlen sollte einer großen Firma gehören dürfen, sagt Hermansen. Das war sein wichtigster Trick: "Man darf nichts von oben nach unten machen. Alles muss den Leuten gehören, es muss ihr Projekt werden."

Windräder sind Geldautomaten

Einer der Ersten, die verstanden, war Jörgen Tranberg, ein Mann mit kantigem Schädel und buschigen Brauen. Er hat 150 Schwarzbunte im Stall, ein Großbauer auf Samsö, ein kluger Mann. Links und rechts von ihm drängeln sich die Kühe auf zwei Rampen, gleichmäßig klacken die Melkmaschinen. Für einen Liter bekomme er weniger als 22 Cent, sagt er. So gut wie nichts also.

Aber die Gesetze zwingen die Stromversorger in Dänemark, Windenergie zu Preisen zu kaufen, die deutlich über den Herstellungskosten liegen. Windräder sind also Geldautomaten, das sah auch Tranbergs Bank so, 2,5 Millionen Euro investierte er.

Er baute eine Turbine auf den Hügel hinter seine Silagebecken und beteiligte sich zur Hälfte an Nummer 8 auf der Paludan-Untiefe. Fünf Offshore-Generatoren gehören nun der Gemeinde, sie finanziert damit unter anderem die Energie-Akademie. Die anderen See-Generatoren und die Maschinen an Land teilen sich gut 400 Samsinger, Tranberg besitzt einen sehr großen Teil. "Ich finde das Wetter immer gut", sagt er: "Wenn es bläst, rotieren die Windräder. Wenn es regnet, wächst das Futter für die Kühe. Und wenn die Sonne scheint, fahre ich mit meinem Boot spazieren." Er lacht und ruft seinen Hund, Vaks heißt der. Vaks bedeutet pfiffig.

Die Windmühlen bringen Tranberg umgerechnet etwa 3000 Euro an jedem guten Tag, die Kosten nicht gegengerechnet, die Kühe bringen nur knapp 1000 Euro pro Tag, und die Tiere muss er morgens und abends melken.

"Wir sind ganz normale Menschen hier"

Aber auch da rechnet er, für das Weltklima und für sein Portemonnaie: Eine Kuh hat eine Körpertemperatur von 38,5 Grad, und die Milch muss er sowieso herunterkühlen auf 3 Grad. Also hat Tranberg wie auch andere Bauern einen Wärmetauscher in die Nähe des Milchtanks gehängt, groß und kantig wie ein Kühlschrank, und so funktioniert die Maschine auch: Die Milch wird kalt, das Haus warm, den Strom dafür liefert das Windrad.

Allein Tranbergs Auto produziert noch Kohlendioxid, wie die anderen Autos auch. Und die Fähre zum Festland braucht 9000 Liter Diesel pro Tag. Nur rechnerisch ist Samsös Energieproduktion CO2-frei, weil die Stromexporte die Ölimporte übersteigen, ein kleiner Trick von Hermansen.

Aber er ist ja noch nicht fertig. Im nächsten Jahr wollen Citroën, Peugeot und Mitsubishi neue Elektroautos bauen. Hermansen verhandelt mit dem Stromkonzern Dong und dem Windradbauer Vestas. Er will eine Technik, die solche Autos an die Generatoren koppelt, mit Computern, die das Auto vollladen, wenn der Wind weht, und Strom abzapfen bei Flaute.

"Wir sind ganz normale Menschen hier, jeder kann das tun, was wir machen", sagt Hermansen. Dann aber fügt er hinzu: "Auf dem Land - Städte sind ein Problem."

Vor einiger Zeit war der ägyptische Botschafter da. Er sah sich alles an, dann sagte er, in Kairo würden in drei Häuserblocks so viele Menschen leben wie auf Samsö. Und es gibt in solchen Blocks weder Stroh noch drumherum ein Meer.

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insgesamt 41 Beiträge
atair 23.10.2009
Das tut - nur beispielsweise - der Kreis Düren in NRW schon seit runden 80 Jahren ... Beispiel nicht genehm, weil mit phösem, phösem CO2 verbunden? Na gut - ich vermute mal, die Gemeinde Schluchsee im südl. Schwarzwald [...]
Zitat von sysop... Samsö ist ein Mekka für Klimaschützer, denn die Insulaner erzeugen mehr Energie, als sie brauchen - ...
Das tut - nur beispielsweise - der Kreis Düren in NRW schon seit runden 80 Jahren ... Beispiel nicht genehm, weil mit phösem, phösem CO2 verbunden? Na gut - ich vermute mal, die Gemeinde Schluchsee im südl. Schwarzwald (http://de.wikipedia.org/wiki/Schluchsee_(Gemeinde)) dürfte ähnlich viele Einwohner haben wie dieses Samsö - und für die gilt mit Sicherheit auch, dass die Bewohner >> mehr Energie [erzeugen], als sie brauchen -<<, und zwar ohne Kuhmilch-Wärmetauscher... Kurz: ein undurchdachter Tendenz- und Jubelartikel, berechnet auf den typischen Durchschnitts-Spiegelleser...
nmohng 23.10.2009
Der Artikel umgeht leider die zentralen Fragen, die sich der Autor hätte stellen müssen. Es ist ja schön und gut wenn sich ein paar dänische Insulaner für energetisch autark halten. Aber die Frage ist doch, was man daraus [...]
Der Artikel umgeht leider die zentralen Fragen, die sich der Autor hätte stellen müssen. Es ist ja schön und gut wenn sich ein paar dänische Insulaner für energetisch autark halten. Aber die Frage ist doch, was man daraus lernen kann. Das bleibt völlig offen und damit ist der Artikel für mich leider wertlos.
Jochen Kissly 23.10.2009
Soso, die Insulaner betieben zB ihre Trecker mit Biokraftstoff? Und am gleichen Tag seht in SPON. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,656942,00.html über die Umweltschädlichkeit von Biokraftstoffen. Wann stellt [...]
Soso, die Insulaner betieben zB ihre Trecker mit Biokraftstoff? Und am gleichen Tag seht in SPON. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,656942,00.html über die Umweltschädlichkeit von Biokraftstoffen. Wann stellt sich raus das die eingestezten Ressourcen für Windräder und Solarzellen um ein Vielfaches über der eingesparten Energie liegen? Langsam kommt ans Licht das nicht alles Gold ist was glänzt. Nur was meint Trittihn und Konsorten zu ihren falschen Heilslehren von früher? Der Jet nach Brasilien flog auch nicht mit Rapsöl. Egal - Schnee und Sünden von gestern. JK
kuma123 23.10.2009
Das glauben die doch wohl selber nicht. Es kann sein das sie mehr Energie nun produzieren als sie brauchen, aber die Energie zum Schmelzen des Stahl, zum Bauen der Fundamente im Meer und zum Bauen der Milchwärmetauscher, werden [...]
Das glauben die doch wohl selber nicht. Es kann sein das sie mehr Energie nun produzieren als sie brauchen, aber die Energie zum Schmelzen des Stahl, zum Bauen der Fundamente im Meer und zum Bauen der Milchwärmetauscher, werden sie wohl in 100 Jahren nicht erzeugt haben. Auf so ner tollen Insel, wo man dann überall die tollen Windräder sieht will doch auch niemand mehr wohnen. Sowas zerstört mehr eine Landschaft als das es nutzen bringt. Dennoch is der letzte Abschnitt gelungen der uns wieder zurück in die Realität zieht. Und zu guter letzt, Energie wird nicht erzeugt! Sie wird in eine andere Formgewandelt aber niemals erzeugt!
boddenfan 23.10.2009
Sie sind also nicht der "typische Durchschnitts-Spiegelleser"? Schade, denn grade sie sind bei dieser Zeitschrift gut aufgehoben! Normalerweise ist der Spiegel nämlich für eine eher negative Haltung gegenüber [...]
Zitat von atair...Kurz: ein undurchdachter Tendenz- und Jubelartikel, berechnet auf den typischen Durchschnitts-Spiegelleser...
Sie sind also nicht der "typische Durchschnitts-Spiegelleser"? Schade, denn grade sie sind bei dieser Zeitschrift gut aufgehoben! Normalerweise ist der Spiegel nämlich für eine eher negative Haltung gegenüber erneuerbaren Energien bekannt, vgl. nur hier (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,653993,00.html), hier (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,650996,00.html) und hier (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,606532,00.html). Woran das wohl liegen mag? Vielleicht sind es noch die Nachwirkungen hiervon (http://www.netzeitung.de/medien/297835.html)? ;)
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