Von Bruno Schrep
Sehen Sie zum Schicksal von Diersam Djamiel auch das SPIEGEL TV Magazin, Sonntag, 21.55 bis 22.40 Uhr, auf RTL
Die letzten Aufnahmen des Kameramanns Diersam Djamiel zeigen lachende Menschen auf einem Ausflugsdampfer. Hochzeitsgäste umringen ein junges Brautpaar, tanzen und klatschen zu arabischer Musik. Dazwischen tollen Kinder, die Tische sind festlich gedeckt.
Um das Flussufer zu filmen, die romantische Würzburger Altstadt, beugt sich der Kameramann weit aus einem offenen Seitenfenster. Ein Gegenstand fällt ins Wasser, Diersam Djamiel schreit erschrocken auf. Er stellt seine laufende Kamera auf den Fußboden, klettert aus dem Fenster. Sekunden später ruft eine Frau: "Mein Gott, er ist ins Wasser gesprungen."
Es ist der Moment, in dem aus einem fröhlichen Fest eine Tragödie wird.
Eine Tragödie, begünstigt durch eine Verkettung unglücklicher Umstände: Das große Schiff, zugelassen für 600 Personen und träge zu manövrieren, fährt noch knapp eine Minute vorwärts, bevor der von Gästen alarmierte Kapitän zurücksetzen kann. Niemand denkt in der Hektik daran, die Rettungsringe ins Wasser zu werfen. Vor allem aber: Der Kameramann kann nicht schwimmen.
Dass er trotzdem in den Main springt, in Panik sein Leben riskiert, ist Ausdruck von Angst und Verzweiflung. Jahrelange Kämpfe um seinen Aufenthaltsstatus und seine Papiere haben ihn unsicher und misstrauisch werden lassen. Sein Fall zeigt, wie Menschen reagieren können, wenn sie sich in ihrer Existenz bedroht fühlen.
Von Syrien nach Deutschland geflüchtet
1999 flüchtet Diersam Djamiel von Syrien nach Deutschland. Der kurdische Syrer will raus aus seiner Heimatstadt Kamischli im Nordosten Syriens, wo er unter äußerst ärmlichen Bedingungen aufgewachsen ist. Und er will raus aus einem Land, in dem Kurden systematisch unterdrückt und schikaniert werden. Einem Land, in dem viele seiner Landsleute als Staatenlose leben müssen, ohne Chance auf einen Posten im Staatsdienst, ohne Möglichkeit, ein Haus zu kaufen oder ins Ausland zu reisen.
Wie so viele Kurden wünscht er sich mehr Rechte und Freiheiten für sein Volk, macht sich dadurch in Syrien nicht beliebt. 1991, mit 22, reist er in den Irak, kämpft gemeinsam mit kurdischen Aufständischen gegen die Soldaten Saddam Husseins. Der Aufstand wird blutig niedergeschlagen, der erhoffte Beistand von US-Truppen bleibt aus.
Nach seiner Flucht in die Bundesrepublik kommt Diersam Djamiel im westfälischen Hamm unter, einer Stadt am Rande des Ruhrgebiets, in der bereits viele Kurden leben. Sein Asylantrag wird zwar abgelehnt, doch er darf zunächst bleiben. Weil er keinen syrischen Pass vorlegt, als staatenlos gilt, bekommt er eine sogenannte Duldung. Die wird allerdings immer nur für drei oder sechs Monate ausgestellt, die Furcht vor einer Abschiebung hört nie völlig auf. Es ist ein Leben zwischen Bangen und Hoffen.
"Wir haben uns angeguckt, und es hat gefunkt"
Dabei ist für den Einwanderer klar, dass er auf keinen Fall zurück nach Syrien will. In Abendkursen paukt er die deutsche Sprache, liest deutsche Zeitungen, besteht die Führerscheinprüfung. Weil er in seinem erlernten Beruf als Fotograf und Kameramann keinen Job bekommt, ist er Abend für Abend als Pizzabote unterwegs, lebt hauptsächlich von den Trinkgeldern. Und wechselt schließlich als Botenfahrer zur Hammer Bären-Apotheke - eine Entscheidung, die sein Leben verändert.
An einem Novemberabend 2005 wird Diersam Djamiel mit Grippetabletten zu Fadime A. geschickt. Die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern verliebt sich in den schwarzhaarigen Medikamentenboten mit den dunklen Augen und dem schüchternen Auftreten. "Wir haben uns angeguckt, und es hat gefunkt", sagt sie heute.
Die junge Türkin hat da bereits ein Schicksal hinter sich, das für viele Einwandererkinder typisch ist. Obwohl sie in Deutschland geboren wurde, hier zur Schule ging, danach Arzthelferin lernte, auch viele deutsche Freunde hatte, konnte sie sich zunächst nicht aus den Zwängen ihrer Familie lösen. Sie heiratete einen Verwandten, die Eheschließung arrangierten die Eltern beider Partner, gegenseitige Zuneigung fehlte. "Wir lebten wie Fremde nebeneinander", sagt Fadime A.
Als sie den Mut zur Konsequenz aufbringt, sich scheiden lässt, mit ihren beiden Kindern in eine eigene Wohnung zieht, reagieren die Eltern empört. Und als sie ihnen dann Diersam Djamiel vorstellen will, sprechen sie fast ein Jahr kein Wort mehr mit der Tochter. Die fleht vergebens um Toleranz: "Lasst mich mein eigenes Leben leben, ich bin mit dem Mann so glücklich." Erst als der neue Lebensgefährte vor den Eltern kniet, ihre Hände küsst, inständig um die Hand der Tochter bittet, lenkt die Familie ein.
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Soll sein: "Von allgemeinem Interesse"; soll nicht sein: "Randgruppen-Dichter-Thema". mehr...
Ganz einfach, auch der Spiegel sollte nur genau recherchierte Sachen veröffentlichen. Es wäre sicher keinen Artikel wert gewesen, wenn man von vorneherein ( und es war ja in der örtlichen Zeitung mehrfach nachzulesen, siehe [...] mehr...
Wie wärs, wenn Sie einfach ihre Kriterien für Veröffentlichungsrelevanz mitteilen würden. mehr...
Gestern abend - ich traute meinen Augen nicht - kam die Geschichte auch noch in Spiegel TV, schön garniert mit Filmen die der junge Mann gedreht hat. Spiegel Printausgabe = 3 Seiten, langer Artikel in SPON, TV Spot > 5 [...] mehr...
Um Ihnen, wudi und gorge11 weiteren Streit zu ersparen, Zitat aus dem Artikel: "Weil er einen deutschen Ausweis besitzt, stellt ihm die syrische Botschaft in Berlin eine Reiseerlaubnis aus, eine Art Schlüssel zum [...] mehr...
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