AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 43/2009
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Einwanderer Tod im Main

3. Teil: "Verliert ein Deutscher den Pass, ist das kein Problem, ein Ausländer empfindet das als Katastrophe."

Auch drei junge Hochzeitsgäste hechten vom Schiff in den Fluss, suchen verzweifelt nach dem Verschwundenen, können ihn nicht entdecken. Das gelingt erst Tauchern der Würzburger Feuerwehr, die Diersam Djamiel rund 20 Minuten nach seinem verhängnisvollen Sprung aus dem Main ziehen, noch auf dem Schlauchboot mit Wiederbelebungsversuchen beginnen. Auf dem Ausflugsdampfer, wo sich ein Gast die von Djamiel zurückgelassene Kamera schnappt, die vermeintliche Rettung filmt, wird erleichtert Beifall geklatscht - zu früh.

Der Kurde hat viel zu viel Wasser geschluckt, seine Lungen versagen, die Hirnschäden infolge Sauerstoffmangels sind irreparabel. Kameramann Diersam Djamiel stirbt, in der Würzburger Uni-Klinik wird nur noch sein Tod festgestellt. Weil auf dem Schiff Gerüchte über sein glückliches Überleben kursieren, die auch nur zu gern geglaubt werden, wird die Hochzeitsfahrt mit der "Alten Liebe" nach dem Zwischenfall fortgesetzt, in gedrückter Stimmung. Erst bei der Rückkehr gegen Mitternacht sickert die bittere Wahrheit durch.

Als Polizisten nachts bei Fadime A. in Hamm klingeln, fürchtet die junge Frau bereits Schlimmes. Unzählige Male hat sie versucht, ihren Lebensgefährten Diersam anzurufen, niemals zuvor rief er nicht innerhalb kürzester Zeit zurück. "Ist er tot?", fragt sie ängstlich. Ein Beamter nickt: "Herzliches Beileid." Fadime A. bricht zusammen, ein Notarzt wird gerufen, später ein Geistlicher. Doch bereits früh am folgenden Tag fährt die junge Frau nach Würzburg.

Hoffnungslose Trauer

Wochen später sitzt sie hoffnungslos traurig in ihrem Wohnzimmer, kämpft um Fassung. Um sie herum toben die Zwillinge, ein Junge und ein Mädchen, gerade 18 Monate alt, die beiden älteren Kinder sind in der Schule. Um den Verlust des Partners auszuhalten und trotzdem halbwegs zu funktionieren, geht Fadime A. jeden zweiten Tag zur Therapie.


Weil in der Wohnung fast alles an ihren Mann erinnert, will sie Teile der Einrichtung verkaufen. "Vor allem das Sofa muss weg", sagt sie, "ich kann den Anblick nicht mehr ertragen. Da haben wir so oft gemeinsam gesessen." Nur die Fotos des Verstorbenen, eines an der Wand, eines auf dem Regal, sollen bleiben.

Freunde versuchten sie kürzlich mit dem Hinweis zu trösten, sie sei doch trotz allen Unglücks noch jung, dazu bildhübsch, sie könne doch später erneut heiraten. "Die Leute verstehen überhaupt nichts", sagt Fadime A.

Verwandte versuchen zu helfen

Wie viele, die ihn kannten, fragt sie sich auch immer wieder, was den Familienvater zu seiner Kurzschlusshandlung trieb. Die Sorge, keinen neuen Ausweis zu bekommen? Die Befürchtung, die Reise nach Syrien aufschieben zu müssen, die Papiere fürs Standesamt wieder nicht beibringen zu können? Die Angst, wegen des Verlusts der Aufenthaltserlaubnis doch noch ausgewiesen zu werden? Höchstwahrscheinlich eine Mischung aus allem, glaubt die Lebensgefährtin.

"Sein Status in Deutschland war völlig ungefährdet", versichert der Hammer Rechtsanwalt Michael von Glahn, der den Kurden im Asylverfahren vertreten hat. Sein Mandant hätte problemlos ein Ersatzpapier bekommen, höchstens Wartezeiten in Kauf nehmen müssen. Seine Reaktion sei deshalb völlig irrational gewesen. Allerdings: "Wenn ein Deutscher seinen Pass verliert, ist das kein Problem. Ein Ausländer, der immer mit Kontrollen rechnen muss, empfindet das oft als Katastrophe."

Diersam Djamiels Tod trifft die Familie existentiell. Die Zwillinge müssen ohne Vater aufwachsen, seine Frau, jetzt ohne Einkommen und nicht durch eine standesamtliche Eheschließung abgesichert, ist mit ihren vier Kindern auf Stütze angewiesen. Verwandte versuchen zu helfen.

Mangelnde Sicherheitsvorkehrungen?

Spuren hat die Tragödie auch bei anderen Beteiligten hinterlassen. Sofije Cubreji, die den Nichtschwimmer retten wollte, ihn aus nächster Nähe ertrinken sah, erlitt einen Schock, musste im Krankenhaus behandelt werden, wirkt noch immer angeschlagen. Und plagt sich mit Selbstvorwürfen: "Hätte ich die verdammten Sandalen schneller ausgekriegt, hätte ich ihn vielleicht noch packen können."

Auftraggeber Amir S. hat nicht nur einen Freund verloren. Sein Hochzeitstag, der so einmalig schön werden sollte, für den er so lange gespart hatte, wird für immer mit der Erinnerung an die Tragödie verbunden bleiben. Dafür sorgt schon der Film, der mit Bildern von einem glücklichen Brautpaar beginnt und damit endet, wie Sanitäter den Kameramann vergebens zu reanimieren versuchen.

Der Tod im Wasser hat zudem bösen Zwist zwischen den betroffenen kurdischen Familien gesät. Verwandte und Freunde des Ertrunkenen werfen Amir S. mangelnde Sicherheitsvorkehrungen vor. Er habe es beispielsweise versäumt, einen ständig einsatzbereiten Rettungsschwimmer mit an Bord zu nehmen.

Bei der Trauerfeier für Diersam Djamiel war Amir S. jedenfalls nicht willkommen. Ein Bruder des Verstorbenen nahm ihn vor Beginn der Zeremonie beiseite: "Fahr schnell heim, bevor noch ein weiteres Unglück passiert."

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insgesamt 102 Beiträge
nocheinbuerger 24.10.2009
wollen uns die Autoren mit diesem Beitrag sagen?
Zitat von sysopObwohl er nicht schwimmen konnte, sprang ein kurdischer Kameramann in Würzburg mit Kleidern und Schuhen in den Fluss. Der Familienvater wollte seinen Ausweis und seine Aufenthaltserlaubnis retten, die ins Wasser gefallen waren. http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,656920,00.html
wollen uns die Autoren mit diesem Beitrag sagen?
semper fi 24.10.2009
Im aktuellen Printspiegel nimmt der betreffende Artikel drei Seiten ein. Und er läuft unter "Deutschland" = Politik. Und das nur, was Schrep (der Autor) sich da etwas aus der Feder saugt, was nirgendwo bestätigt [...]
Zitat von sysopObwohl er nicht schwimmen konnte, sprang ein kurdischer Kameramann in Würzburg mit Kleidern und Schuhen in den Fluss. Der Familienvater wollte seinen Ausweis und seine Aufenthaltserlaubnis retten, die ins Wasser gefallen waren.
Im aktuellen Printspiegel nimmt der betreffende Artikel drei Seiten ein. Und er läuft unter "Deutschland" = Politik. Und das nur, was Schrep (der Autor) sich da etwas aus der Feder saugt, was nirgendwo bestätigt wird. Schlechter Journalismus.
TotalRecall 24.10.2009
Mich schockiert weniger die Tatsache, dass man als Nichtschwimmer schlechte Chancen hat im Main zu bestehen, sondern vielmehr die Beschreibung der kulturellen Eigenheiten dieser Leute. Seine Ehefrau ist in Deutschland geboren und [...]
Mich schockiert weniger die Tatsache, dass man als Nichtschwimmer schlechte Chancen hat im Main zu bestehen, sondern vielmehr die Beschreibung der kulturellen Eigenheiten dieser Leute. Seine Ehefrau ist in Deutschland geboren und wird zwangsverheitatet mit einem Verwandten? Unfassbar.
champagnero 24.10.2009
Aber wird jetzt über jeden Ertrunkenen 3 Seiten im Spiegel berichtet? Was soll dieses Rührstück?
Aber wird jetzt über jeden Ertrunkenen 3 Seiten im Spiegel berichtet? Was soll dieses Rührstück?
Hador 24.10.2009
Das habe ich mich auch gefragt. Tragisch das Ganze sicher und für die BILD auch sicher eine Schlagzeile wert, aber hier?
Zitat von nocheinbuergerwollen uns die Autoren mit diesem Beitrag sagen?
Das habe ich mich auch gefragt. Tragisch das Ganze sicher und für die BILD auch sicher eine Schlagzeile wert, aber hier?
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Tod im Main
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